2. Handball-Bundesliga Wilhelmshavener HV gegen TSV Bayer Dormagen

Handball : Neu-Trainer reist in die eigene Vergangenheit

Doch für Sentimentalität ist im Abstiegskampf der 2. Handball-Bundesliga vor dem Dormagener Gastspiel in Wilhelmshaven kein Platz

Dusko Bilanovic hat als Handballer eine bewegte Vergangenheit. Alleine in Deutschland spielte der gebürtige Serbe zwischen 1994 und 2008 bei sechs Vereinen. An seine Zeit beim Wilhelmshavener HV (2001 bis 2004) denkt der 47-Jährige besonders gerne zurück: „Das war etwas Besonderes, schließlich sind wir damals in die Bundesliga aufgestiegen. Ich habe immer gerne in der Nordfrost-Arena gespielt – und habe immer noch ein paar Freunde dort.“ Schließlich sind es von Aurich, wo er mit seiner Familie seit 2008 lebt – im Sommer steht der Umzug nach Dormagen an – bis nach Wilhelmshaven nur 60 Kilometer. „Dazwischen liegt ganz Ostfriesland“, sagt Bilanovic lachend.

Doch wenn er am Samstagabend um 19.30 Uhr mit seinen neuen Schützlingen in der Nordfrost-Arena aufläuft, ist für solche Sentimentalitäten kein Platz. „Das ist ein eminent wichtiges Spiel für beide Mannschaften,“ sagt Bilanovic Es ist das dritte Spiel des TSV Bayer Dormagen unter seiner Regie. Verloren hat er noch keins, und wenn das am Samstag so bleibt, „haben wir uns nach unten schon ein bisschen Abstand verschafft,“ sagt der Trainer.

Sechs Punkte sind es aktuell zum Wilhelmshavener HV, der nach zehn sieglosen Partien in Folge Tabellenvorletzter ist. „Für die ist das schon ein Endspiel“, ist Bilanovic überzeugt. In das die Gastgeber mit drei kurz vor Ende der Wechselfrist verpflichteten neuen Spielern gehen: Vom Drittligisten VfL Potsdam kam Torwart-Talent Angelo Grunz, von den insolventen Rhein Vikings Abwehrspezialist Miladin Kozlina und vom Abstiegskonkurrenten VfL Eintracht Hagen Bartosz Konitz, der auch mal in Dormagen beim DHC Rheinland spielte. Kozlina ist gerade 36 Jahre alt geworden, Konitz zwei Jahre jünger – eine Investition in die Zukunft ist das sicher nicht. „Aber ein starkes Zeichen, dass sie auf jeden Fall in der Liga bleiben wollen,“ sagt Bilanovic.

Punktemäßig trugen die Nachverpflichtungen noch keine Früchte: Im ersten Spiel nach der WM-Pause (noch ohne Konitz und Grunz) gab es eine 24:31-Heimniederlage gegen den TuS N-Lübbecke, danach ein 23:26 beim EHV Aue. Der letzte von ohnehin erst fünf Siegen gelang dem WHV am 9. November (!) mit einem 27:23 über den VfL Lübeck-Schwartau, danach gab es nur noch ein Unentschieden (27:27) beim Dessau-Roßlauer HV. Und am zweiten Weihnachtstag brachten die Wilhelmshavener das Kunststück fertig, den Rhein Vikings den ersten Sieg (35:34) nach 13 aufeinander folgenden Niederlagen zu gestatten.

Für Bilanovic ist deshalb klar: „Ein schönes Spiel wird das bestimmt nicht, eher ein körperbetontes.“ So war es auch im Hinspiel, als die Dormagener mit dem 25:22 den ersten von insgesamt nur drei Heimsiegen der Hinserie feiern konnten – eines der wenigen Spiele unter Trainer Ulli Kriebel, das die Bayer-Handballer mit einer defensiv ausgerichteten Abwehrformation bestritten. Für seinen Nachfolger steht außer Frage, dass dies die einzig mögliche Taktik am Samstagabend sein kann: „Wir müssen hinten wieder so gut stehen wie gegen Hüttenberg. Und vorne müssen wir noch ein bisschen schlauer spielen – und mit Geduld.“

Die kam seinen Schützlingen beim 21:20-Sieg über den Erstliga-Absteiger nach einer 19:14-Führung in den letzten zehn Minuten abhanden. „Wir haben in dieser Woche geredet und gearbeitet, damit das nicht wieder passiert,“ sagt Bilanovic. Wobei das Arbeiten dadurch erschwert wurde, dass Nuno Rebelo, Heider Thomas und Co-Trainer Peer Pütz wegen Grippe fehlten. „Aber ich gehe davon aus, dass bis Samstag alle wieder fit sind,“ sagt der Trainer. Den stört, dass seine Spieler in manchen Situationen immer noch mit dem Kopf durch die Wand wollen: „Lieber einen Pass mehr spielen als zu werfen und den gegnerischen Torhüter dann zum Helden machen wie gegen Hüttenberg.“ Ein Grund, warum er in dieser Woche im Training den Schwerpunkt erneut auf die Offensive legte. Schließlich möchte er die Nordfrost-Arena in guter Erinnerung behalten – nicht nur aus seiner Zeit als Spieler.

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