Dormagen: Glänzender Hörspiel-Auftritt von "Manitu" im Kreismuseum Zons

Kreismuseum Zons : Glänzender Hörspiel-Auftritt von „Manitu“ im Gewölbekeller

Im Kreiskulturzentrum Zons wurde ein preiswürdiges Hörspiel aufgeführt.

Wenn Lothar-West auf Lothar-Ost trifft  – bei dieser Vorführung vom Band waren gespanntes Zuhören und phantasiereiches Imaginieren gefordert. Dafür wurde das zahlreiche Publikum im Gewölbekeller des Kulturzentrums aber auch mit einem wahren Leckerbissen belohnt. Als Siegerhörspiel der Zonser Hörspieltage angekündigt, löste das Schauspieler-Duo Jörg Schüttauf und Gustav Peter Wöhler die hohen Erwartungen voll ein. Das war ein Mordsspaß, dem es wiederum aber nicht die Bohne am nachdenklich stimmenden Hintergrund fehlte. Das vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) unter der Regie von Gabriele Bigott produzierte Stück vom Dresdner Holger Böhme ist eine prächtige Komödie, die nichts auslässt.

Voller Saft und Kraft spielen die beiden Akteure Theater, Jörg Schüttauf im lupenreinen Sächsisch und Gustav Peter Wöhler im gelegentlich überbetonten Hochdeutsch. Beide müssen dabei ihre helle Freude daran gehabt haben, jedenfalls klingt das in vielen Passagen an, wenn sie sich verbale Bälle bis hin zu wahnwitzigen Steilvorlagen zuspielen. Die Zuhörer im Kellergewölbe schmunzelten verständnisinnig oder nickten sich gegenseitig zu, wenn wieder einmal treffende Ost-West-Spitzen ausgeteilt wurden. Schenkelklopfend dröhnendes Gelächter gab es nicht. Der titelgebende Manitu tritt nicht als Gott auf, sondern ist Lebenskraft.

Was die komödiantischen Einlagen so prickelnd machten, war die Verbindung der Karl-May-Spiele in Radebeul mit den Realitäten der Wiedervereinigung. In Nordamerika gab es für die Ureinwohner kein Überleben, und zwischen Elbe und Oder wurde viel plattgemacht. Eingeklinkt in diesen Rahmen ist ein 22-jähriger Sohn, der wegen seines allzu aggressiven Demonstrierens Zoff mit der Polizei hat. Die Pointe dabei: Lothar-West ist hochrangiger Polizist, hat die Anklage auf dem Tisch und kann sie in der Versenkung verschwinden lassen.

Wenn sächsisch gesprochen wird, sind die Assoziationen „mit denen da drüben“ sofort zur Stelle. Und wenn ein Wessi über die Grundlagen der Demokratie doziert, gibt es auf der Stelle Widerspruch, und es wird ihm eingerieben, dass diese Staatsform ja auch nicht gerade am Rhein erfunden wurde. Seinen zusätzlich inspirierenden Reiz gewinnt das Hörspiel durch den Rollentausch der beiden Protagonisten, die zu allem Überfluss auch noch Mitglieder des Radebeuler Indianervereins sind. Köstlich!

Mehr von RP ONLINE