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Dormagen: Ex-Obdachloser hilft Bedürftigen

Soziales in Dormagen : Ehemaliger Obdachloser hilft Bedürftigen bei der Tafel Dormagen

Stefano de Bortoli hat mit dem Verkauf seiner künstlerisch gestalteten Eier über das Kreismuseum Zons fast 1000 Euro erzielt. Warum er sich dazu entschlossen hat, das Geld an die Tafel zu spenden.

Stefano de Bortoli weiß, wie es ist, wenn man den Boden unter den Füßen verliert. Der in Triest in Italien geborene Künstler, der seine faszinierend und filigran bemalten Schmuckeier bereits elf Mal bei der Ostereier-Ausstellung im Kreismuseum in Zons präsentiert hat, stand schon zweimal in seinem Leben vor dem Abgrund. Er war obdach- und arbeitslos und wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Inzwischen geht es ihm gut, aber sein Mitgefühl für Menschen, die aktuell in ähnlichen Schwierigkeiten stecken wie er dereinst, ist groß. Und deshalb entschloss er sich, Bedürftigen zu helfen.

Der Auslöser sei ein Fernsehbericht Ende des vergangenen Jahres gewesen, erzählt der 50-Jährige. „Ich habe gesehen, wie Menschen auf der Straße standen, mit nichts in der Hand als einer Plastiktüte mit wenigen Habseligkeiten.“ Das habe ihn berührt. Im Gespräch mit Anna Karina Hahn, Leiterin des Kreismuseums Zons, entwickelte er eine Idee. Er würde seine Kunsteier zur Verfügung stellen, damit sie über das Museum zugunsten der Dormagener Tafel verkauft werden könnten. Die Aktion war ein voller Erfolg: 958 Euro kamen herein. „Und das, obwohl wir das Museum zur Zeit des Verkaufs um Ostern herum coronabedingt geschlossen hatten und Kaufinteressierte extra einen Termin machen mussten“, erzählt Hahn. Manch ein Objekt sei auch bestellt und dann verschickt worden, auch über die Region hinaus.

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Wolfhart Feder, 2. Vorsitzende des Dormagener Tafelvereins, freute sich über die Spende und lud de Bortoli ein, sich die Tafelstelle an der Kölner Straße einmal anzuschauen und gegebenenfalls auch einmal bei der Lebensmittelausgabe an Bedürftige zu helfen, um sich ein Bild vom Ablauf und von den Menschen zu machen, die die von der Tafel verteilten Waren benötigen. Die Tafel, die keine staatliche Unterstützung bekommt, ist auf Spenden angewiesen. In nächster Zeit gilt das besonders. Denn der Vertrag für die Räume an der Kölner Straße läuft bald aus, und die Tafel möchte nahe dem Schützenplatz bei der Baptistenkirche ein neues Gebäude bauen. „Wir warten noch auf die Baugenehmigung“, berichtet Feder. Wenn diese bald eintrifft, könnte der Umzug im Frühjahr 2022 vonstattengehen.

Stefano de Bortoli wird sich derweil die Freude an seiner künstlerischen Gabe erhalten. Jedes von ihm bemalte Ei sei für ihn so etwas wie ein Stück vom Himmel, erzählte er am Freitag in Zons.