Otto Rex feierte in Voerde seinen 100. Geburtstag

Otto Rex wurde auf einem Rittergut geboren: Ein Blick auf ein Jahrhundertleben

Otto Rex feierte in Voerde seinen 100. Geburtstag. Sein Lebensweg führte ihn von einem Rittergut bei Frankfurt an der Oder über Nordafrika an den Niederrhein, wo er jetzt in einem Seniorenheim lebt.

Seinen 100. Geburtstag feiert Otto Rex in kleinem Kreis. Einige seiner Mitbewohner im Elisabeth-Selbert-Haus in Friedrichsfeld sitzen mit ihm gemeinsam an einer Kaffeetafel. Ulrike Schwarz, die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Voerde, kommt, um zu gratulieren. „100 Jahre alt zu werden, ist schon etwas Besonders“, sagt sie. Sogar Ministerpräsident Armin Laschet hat einen Brief geschickt, um dem 100-Jährigen zu gratulieren. Otto Rex freut sich über die Blumen, die ihm Ulrike Schwarz übergibt, möchte am liebsten direkt selbst nach einer Vase suchen. Doch die wird ihm direkt gegeben und so kann sich der 100-Jährige den Erinnerungen an sein langes Leben widmen, auch wenn es ihm etwas schwerfällt, seine Gedanken alle zu ordnen.

„Über viele Dinge habe ich schon seit Jahren nicht mehr nachgedacht“, kommentiert er diese Schwierigkeiten, behält dabei aber ein Lächeln im Gesicht.

Geboren wurde Otto Rex am Nikolaustag des Jahres 1918 auf einem Rittergut bei Frankfurt an der Oder als jüngstes von 11 Geschwistern. Sein Vater war Landarbeiter auf dem Gut und auch seine Mutter half dort, neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau, in der Landwirtschaft aus. Er absolvierte dort eine Lehre zum Schmied. „Damals musste man noch Lehrgeld bezahlen“, erinnert sich der 100-Jährige.

Schon damals verschlug es ihn ins Ausland. Zwei Jahre lang arbeitete er im französischen Marseille, von wo aus er zwischendurch immer nach Hause zurückfuhr. Arbeiten im Ausland? Heute modern, damals eher eine Ausnahme. Seitdem hat sich natürlich vieles verändert. Zum Beispiel galt man früher erst mit 21 Jahren als volljährig und durfte alle Entscheidungen für sich selbst treffen. Für Otto Rex war das eine entscheidende Grenze: „Ich brauchte damals die Erlaubnis meines Vaters, um zum Kommiss zu gehen“, erzählt er. Mit Kommiss ist in diesem Fall die Wehrmacht gemeint. Denn mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Otto Rex, damals noch 20 Jahre alt, Soldat. Es verschlug ihn nach Polen und Russland, nach Frankreich und schließlich nach Nordafrika, wo er 1943 in Tunis in englische Gefangenschaft geriet.

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An die Kriegszeit denkt er oft zurück. Vielleicht auch, weil er über einen seiner Kameraden aus der Zeit schließlich ins Rheinland kam. „Wir haben immer Kontakt gehalten“, erzählt Otto Rex.

In Bornheim bei Bonn lernte er seine Frau Hilde kennen, mit der er ab 1949 über 50 Jahre lang verheiratet war und drei Kinder bekam. Beruflich verschlug es ihn zu Babcock in Voerde und schließlich auch auf das Zechengelände in Lohberg, das er mit technischem Zubehör belieferte und wo er teilweise auch Loren reparierte. „Fleißig sein“, war dabei immer sein Motto und so arbeitete er oft mehr als zehn Stunden am Tag. Da blieb für Hobbys natürlich nicht viel Zeit.

Trotzdem ist der 100-Jährige gerne Rad gefahren, viel gelaufen und hat gerne Gesellschaftsspiele gespielt. Außerdem war er 20 Jahre lang Mitglied im Werkschor von Babcock.

Über die Zukunft denkt Otto Rex nicht viel nach. „So wie es kommt, so kommt es“, sagt er und lächelt ein wenig. Das Leben ist schließlich nie ganz planbar – auch mit 100 Jahren nicht.

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