Michel Houellebecq: Roman befeuert Islam-Debatte

Düsseldorf : Ein Roman befeuert die Islam-Debatte in Frankreich

"Unterwerfung" von Michel Houellebecq erscheint in Deutschland am 16. Januar. Bei Amazon steht das Buch schon auf Platz eins.

Das Buch war überhaupt noch nicht erschienen, da hatte es bereits seine Unschuld verloren. Es reichte die Kunde, dass Michel Houellebecq, einer der faszinierendsten Sonderlinge der Gegenwartsliteratur, eine Art Horrorwerk geschrieben habe: Im Jahr 2022 kommt in Frankreich die sogenannte Bruderschaft der Muslime an die Macht mit ihrem klugen Führer Ben Abbes. Und das ist nur der Anfang eines "eurabischen Komplotts", bei dem sich das Zentrum Europas deutlich nach Süden verschieben soll. So weit, so utopisch und so literarisch.

Doch die Reaktionen auf das mit "Unterwerfung" überschriebene Buch zeigen, dass die Romanhandlung mit der Wirklichkeit verglichen und durchaus als realistisch oder wenigstens denkbar empfunden wird. Vor allem die französischen Rechtsextremen sind auf ihrer Suche nach gesellschaftlichem Bedrohungspotenzial in dem Buch fündig geworden. So hat Marine Le Pen den Roman eine Fiktion genannt, die "eines Tages Wirklichkeit werden könnte". In Blättern wie "Libération" wird das Buch zum Anlass des Befundes, dass die rechten Schriftsteller wieder zurück seien. Houellebecq gieße Öl ins Feuer einer Gesellschaft, die sich bedroht und von Untergangsängsten gepeinigt sieht, heißt es. Französische Muslime reagierten bislang eher dezent und nannten Houellebecqs Szenarien eine Provokation. Auf dem Titelblatt ihrer jüngsten Ausgabe hatte die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo", die gestern Opfer des Attentats wurde, Michel Houellebecq als rauchenden und etwas heruntergekommenen Magier abgebildet.

Der Autor selbst ließ inzwischen verlauten, dass eine islamische Partei "eigentlich eine zwingende Idee ist". Dass die aber in absehbarer Zukunft die Präsidentschaftswahl gewinnen werde, hält er selbst für "nicht sehr wahrscheinlich", zumal die Muslime sich nach seinen Worten erst einmal untereinander verstehen müssten.

Andererseits glaubt der 58-jährige französische Autor, dass es wieder ein echtes Bedürfnis nach Gott gebe. Und das zählt in Houellebecqs Roman auch zu den Gründen für den Erfolg der wahlkämpfenden Muslime. So ist der gemäßigte und geschickt agierende Ben Abbes davon überzeugt, dass Wahlen nicht auf dem Feld der Wirtschaft entschieden werden, sondern auf dem der Werte. Und darum seien die wahren Feinde der Muslime keineswegs die Katholiken - denn auch sie zählten schließlich zu den Gläubigen; sondern "der Säkularismus, der Laizismus und atheistische Materialismus".

Der Roman "Die Unterwerfung" wird in Deutschland am 16. Februar mit einer Erstauflage von 100 000 Exemplaren erscheinen. Doch wegen der vielen Vorbestellungen steht das Buch bei Amazon seit gestern auf Platz eins. Am 19. Januar liest Houellebecq auf der Lit Cologne.

(RP)
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