Künstliche Intelligenz soll in NRW-Gefängnisse Selbstmorde verhindern

Justiz: Künstliche Intelligenz soll Suizide in NRW-Gefängnissen stoppen

Die Selbstmordkette in den Gefängnissen von NRW reißt nicht ab – jetzt will die Justiz gegensteuern. Videokameras sollen Zellen überwachen, Computer nutzen künstliche Intelligenz, um Hinweise auf Suizidversuche zu melden.

(rky) Gegen die vielen Selbstmorde und Zellen-Brände in den Haftanstalten von NRW soll die Technik künstliche Intelligenz eingesetzt werden. Dieses Konzept wird NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU am Mittwoch dem Justizauschuss des Landtages vorstellen. Videokameras in den Zellen sollen mit Computern verbunden werden, die bei Gefahren Alarm schlagen sollen. Das Justizministerium nennt dies in einem Papier „ereignisgesteuerte Videoüberwachung mit automatisierter Situationseinschätzung als Instrument der Suizidverhindererung.“ Es könnte darum gehen, dass bei Feuer eine Meldung erfolgt, ebenso wenn sich ein Mensch aufhängt und seine Füße längere Zeit nicht mehr auf dem Boden sind. Die Technik soll in einem Pilotprojekt ausprobiert werden. Sie könnte unnötig machen, dass bei vielen suizidgefährdeten Häftlingen alle 15 Minuten ein Fensterchen in der Zellentür geöffnet wird, um sie zu überwachen.

Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hatte diese Praxis als „Folter“ bezeichnet, nachdem er selber lange in Haft war.

2018 gab es bisher 11 offiziell gemeldete Suizide in NRW-Haftanstalten, 2017 waren es 13, 2016 waren es insgesamt 19 Fälle.

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Der Tod des Syrers Amed A. nach einem Brand seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kleve gehört noch nicht zu den dieses Jahr offiziell registrierten Selbstmorden in den NRW-Gefängnissen, weil die Ermittlungen noch andauern.

In der Sitzung des Justizaussschusses wird auf Antrag der SPD über die schwierige Lage in vielen Haftanstalten diskutiert, nachdem auch jüngst ein junger Syrer in der JVA Herford zu Tode kam.

Das Projekt zur künstlichen Intelligenz hat mit den aktuellen Ereignissen nichts zu tun. Es wurde schon länger im Justizministerium vorbereitet.

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