NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser will ein Pfand für Kaffeebecher aus Plastik

Einweggeschirr: Ministerin will Pfand für Plastikbecher

Die Chefin des NRW-Umweltressorts, Ursula Heinen-Esser, beklagt die steigende Menge an Plastikabfall in Deutschland. Sie will Einweg-Geschirr und Plastikfolien einschränken.

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) will den Verbrauch von Plastikverpackungen deutlich reduzieren. Insbesondere die sogenannten Posteinwurfsendungen mit Discounterwerbung, die wöchentlich in Plastikfolie bundesweit an rund 20 Millionen Haushalte gesendet werden, sind ihr ein Dorn im Auge. „Mein Ziel ist es, die Plastikumhüllung von Postwurfsendungen zu verbieten“, sagte die CDU-Politikerin unserer Redaktion. Das Thema ärgere sie seit Jahren. „Ich finde, es gibt Vorgänge, da muss man klar sagen: Da kann man es auch anders machen. Hier muss sich die Wirtschaft umwelt- und verbraucherfreundliche Alternativen einfallen lassen“, forderte die Ministerin. Darüber hinaus müsse auch der Gebrauch von Einmal-Getränkebechern, die häufig Plastik enthalten, eingeschränkt werden. „Auch bei den Coffee-to-go-Bechern muss sich dringend etwas ändern. Da brauchen wir eine Pfandlösung“, sagte Heinen-Esser.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW ist Deutschland europaweit Spitzenreiter beim Verbrauch von Verpackungen. So hinterließ im Jahr 2016 jeder Deutsche im Schnitt 221 Kilogramm Plastikmüll. Im Jahr 2009 waren es noch rund 180 Kilogramm gewesen. Der EU-Durchschnitt liegt bei etwas über 150 Kilogramm pro Kopf. Und vergleichbare Industrieländer wie Italien, Frankreich oder Großbritannien liegen deutlich unter 200 Kilogramm. Die politischen Ziele, Verpackungsmüll zu reduzieren, sind laut Verbraucherzentrale bislang verfehlt worden. Für Ärger sorgten etwa die Bio-Gurke in Plastikfolie oder die opulent verpackte Pflegecreme. Damit müsse endlich Schluss sein, fordern die Verbraucherschützer.

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Durch Einweggeschirr und To-go-Verpackungen fielen nach Angaben der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) in Deutschland im vergangenen Jahr mehr als 346.000 Tonnen Abfall an. Diese Einwegprodukte seien unbestreitbar eine der Ursachen für hohe und steigende Abfallmengen, die sich allzu häufig in der Landschaft wiederfänden, so die GVM. Für eine wöchentliche Postwurfsendung werden nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe jedes Jahr 2886 Tonnen Kunststoffabfälle produziert. „Und immer wieder werden die in Folien eingepackten Postwurfsendungen direkt mit dem Inhalt entsorgt“, so die Umwelthilfe. Sollte in den Markt nicht regulierend eingegriffen werden, prognostiziert die GVM einen weiteren signifikanten Anstieg der Abfallmengen.

Die Einwurfsendungen stammen von der Deutsche Post. Dort ist man sich nach eigenen Angaben der Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst. Verzichten will der Konzern auf die Plastikumhüllung aber offenbar nicht. „Die Folie, durch die ‚Einkauf aktuell’ jeden Samstag frei von Nässe und Schmutz im Briefkasten liegt, wurde in der Stärke erheblich reduziert. Sie ist heute fast dreimal dünner als ein menschliches Haar“, sagte ein Sprecher der Post. Darüber hinaus sei die Folie für eine leichtere Trennung perforiert oder ionisiert worden, um für den Verbraucher das Öffnen der Sendung leichter zu gestalten und das Recycling zu erleichtern, so der Sprecher. Das sieht die Ministerin in Teilen anders. „Offenkundig ist die Plastikumhüllung eine einfache und billige Lösung. Aber auch mit einem gehörigen ökologischen Rucksack. Wer auf Nachhaltigkeit setzt, muss anders denken“, so Heinen-Esser.

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