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das Refugium für Wintersportler in Lesachtal

Wintersport : Langlaufvergnügen in Osttirol

Osttirol ist ein Refugium für Wintersportler, die dem Massentourismus nichts abgewinnen können. Besonders für Skilangläufer gibt es mit 370 Kilometern bestens gespurter Loipen ausgezeichnete Bedingungen.

Die frisch gespurte Loipe funkelt in der Sonne, rundherum geben die Dolomitengipfel ein prächtiges Panorama ab und dennoch trifft man auf langen Streckenabschnitten nur vereinzelt auf gleichgesinnte Läufer. Ist man irgendwo zwischen Kartitsch und Maria Luggau unterwegs, fühlt man sich wie im siebten Langlaufhimmel. Dann und wann taucht ein liebevoll dekoriertes Holzhaus auf, ein Bach begleitet den Langläufer plätschernd auf einigen Metern und entschleunigt gleiten die Skier über die schneebedeckte Almlandschaft.

Dieser etwa zwanzig Kilometer lange Abschnitt im Lesachtal gehört auch zu den Lieblingsstrecken von Peter Scherer. Der Bürgermeister des kleinen Ortes Obertilliach mit seinen 700 Einwohnern ist froh darüber, dass es über Jahre gelang, Natur und Tourismus in Einklang zu halten. „Die meisten Urlaubsgäste stellen ihr Auto am ersten Tag ab und rühren es erst zur Abfahrt wieder an“, berichtet er mit einem Lächeln. Auch ohne immer größere Alpinanlagen und Après Ski Zirkus gibt es hier für Wintertouristen genug Abwechslung. Von der Skischule über eine sieben Kilometer lange Rodelbahn bis zum Biathlon-Schnupperkurs reicht das Angebot der kleinen Gemeinde. Die herzliche Gastfreundschaft und moderate Preise sorgen zusätzlich dafür, dass Obertilliach inzwischen viele Stammgäste gefunden hat.

Nicht nur die fühlen sich wohl. Im großzügig angelegten Langlauf- und Biathlonzentrum vor dem Ort drehen auch Skiprofis aus Deutschland, Österreich, Slowenien, Estland, Kanada und den USA ihre Trainingsrunden. 2021 werden hier die Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften im Biathlon ausgetragen. Die meteorologischen Verhältnisse sorgen auf rund 1500 Höhenmetern meist für reichlich Schnee, sodass man bereits im November den ersten Spitzensportlern persönlich begegnen kann.

In vielen der von über 3000 Meter hohen Gipfeln umsäumten Täler trifft man ähnliche Verhältnisse an. Das Defreggental gleich hinter dem Felbertauerntunnel ist eines der kältesten Täler Österreichs, das bis nach Ostern als schneesicher gilt. Wenn hier die Temperaturen unter minus 20 Grad fallen, gibt es zuweilen den aus Kanada und den USA bekannten Champagner-Schnee. Eine wunderschöne Loipe führt vom Oberen See hinauf auf den 2052 Meter hohen Staller Sattel, der Osttirol mit dem italienischen Südtirol verbindet. Schneewanderer setzen vom Sattel ihre Touren bis in das Antholzer Tal auf italienischer Seite fort. Fantastische Loipen bieten auch das Kalsertal am nahen Großglockner und das Virgental am Großvenediger. Auf angebotenen Schneeschuhtouren lassen sich Gämsen, Steinböcke, Steinadler und (nahe des Tauernhauses) auch Bartgeier beobachten.

Das zentral gelegene Lienz eignet sich ausgezeichnet als Startpunkt für diejenigen, die in den unterschiedlichsten Tälern Osttirols unterwegs sein möchten. Der Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, Franz Theurl, freut sich besonders darüber, dass immer mehr Jugendliche ihren Winterurlaub in seiner Heimat verbringen. „Der Skilanglauf ist wieder im Kommen“, stellt er mit Genugtuung fest. So mancher hatte in den vergangenen Jahren behauptet, Osttirol hätte mit seiner Naturverbundenheit den Tourismusboom verschlafen. Die Reaktio-
nen der Besucher bestärken ihn nun darin, mit den traditionellen, dezentralen Strukturen den richtigen Weg gegangen zu sein. Theurl ist ein erfahrener Skilangläufer, nahm in den 80er Jahren an vielen internationalen Rennen, wie dem Wasalauf teil und mag es gern etwas sportlicher. Sein Tipp für echte Langlauf-Fans ist eine Tour durch das Hochpustertal von Lienz über Toblach nach Cortina d`Ampezzo. Die 85 Kilometer lange Strecke führt parallel an einer Eisenbahntrasse entlang. Von jedem Bahnhof kann man die Rückreise antreten.