Finnland - Worauf Sie sich in Lappland freuen können

Finnland : Im Land der 166.000 Seen

Das finnische Lappland präsentiert sowohl im Sommer als auch im Winter die Schönheit seiner Natur.

Von wegen „Land der 1000 Seen“. In Finnland gelten rund 166.000 Gewässer als See, voneinander getrennt durch schier endlose Weiten an Wald und Gras. Dazwischen ab und zu ein wenig menschliche Zivilisation. Wer vor allem im nördlichen Teil Urlaub machen möchte, kommt nicht wegen sengender Sonne und auch zumeist nicht wegen Halligalli, sondern vor allem wegen der Schönheiten der Natur und den Unternehmungen, die sie bietet. Angefangen von Wanderungen der unterschiedlichsten Schwierigkeitsstufen und Längen, übers Bären beobachten bis zum Kanufahren.

Im Winter drehen sich die touristischen Angebote um den Schnee und um das Beobachten des Polarlichts. Dann werden Snowmobil, Hundeschlitten und Langlaufski hervorgeholt. Ein wenig Skiabfahrtslauf ist auch dabei. Finnland als Reiseziel erfreut sich steigender Beliebtheit. Der Tourismus hat gerade erst wieder einen weiteren Schub erhalten.

Am Startpunkt der Reise in Rovaniemi mitten in der Einsamkeit arbeitet der Weihnachtsmann direkt am Polarkreis ganzjährig seine Post ab oder empfängt gegen ein Salär die Gäste aus den Reisebussen. Aber solch durchorganisierter Massentourismus bildet in Lappland die Ausnahme. Die Regel lautet: ab in die Ruhe, ab in die Natur. Zur Ausstattung gehören nicht nur Wanderschuhe, Regenjacke und Erste-Hilfe-Set. Das Bärenglöckchen zum Beispiel kann sich als unentbehrlich erweisen, signalisiert es doch schon früh den Tieren das Nahen eines Menschen. „Alle Tiere hier in Lappland sind Fluchttiere“, berichtet der Führer der Wandergruppe, Tobias. Sie mögen es nicht, überrascht zu werden. Selbst der Elch kann dann durchaus ungemütlich werden.

Zur Jahresmitte hin ist zudem Nordic summer unvermeidlich. Die schrecklich riechende Salbe, einst von Holzfällern erfunden, schützt effektiv gegen Mücken. Ein Tupfer am Ohr reicht schon aus, um sich die Plagegeister vom Leibe zu halten. Der intensive Geruch kann aber auch innerhalb einer Gruppe einsam machen.

Abends ist Saunazeit. Geschätzte 2,3 Millionen Saunen gibt es in Finnland. Es wird geschwitzt, was das Zeug hält. Und kommuniziert. Denn der Finne gehört im Alltagsleben eher zum ruhigen Menschenschlag. In der Hitze aber tauschen sich Familie, Freunde und Bekannte rege aus. Bei diesem gesellschaftlichen Event stehen Getränke, Käse- und Wurstplatte auf dem Boden, wo es kühler ist. Abgehärtet wie er nunmal ist, setzt sich der Finne danach nur mit Handtuch ans Ufer eines Sees oder Flusses und ignoriert beharrlich die Mücken.

Ein Wanderweg führt über ein Flüsschen in den Wald. Die hochgebockten Bohlen weisen den Weg. So können auch Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator einen kleineren Rundkurs nutzen. Einige Abzweigungen weiter beginnt ein schmaler Bohlensteg durchs Hochmoor. Schlagartig ändert sich der Baumbestand, kleine Weiden und Birken fristen ihr lichtes Dasein. Alle möglichen Pilzarten säumen den Wegesrand, ebenso Blaubeeren, die, vielseitig verarbeitet, gerade im fortgeschrittenen Sommer auf keinem finnischen Essenstisch fehlen dürfen. Aber Vorsicht beim sofortigen Genuss: Eine Beerensorte entfaltet als Abführmittel schnell eine ungewollte Wirkung.

Die alteingesessene Bevölkerung, die sich selbst als Samen bezeichnen, entdecken seit einigen Jahren ihre schon fast verlorengegangene Identität neu. Selbstbewusst besinnen sie sich auf alte Tradition und Fertigkeiten. Wie etwa die Künstlerin Irene Kangasniemi. In ihrer Werkstatt einige Kilometer außerhalb der Stadt fertigt sie mit ihrem Mann ihre Produkte aus dem, was die Natur bietet. So wie es ihre Vorfahren über Jahrhunderte vorgemacht hatten.

Rovaniemi liegt schon nahe des Polarkreises, aber mit dem Bus geht es noch weiter gen Norden nach Muonio. Die Fahrtzeit? „Das hängt von den Rentieren auf den Straßen ab“, meint Tobias. Mehr noch als sonst ist vorausschauendes Fahren erforderlich. Sobald ein Tier am Straßenrand zu sehen ist, bremst der Bus ab, um die Gefahrenstelle langsam zu passieren. Die Züchter haben sich zu regionalen Genossenschaften zusammengeschlossen und lassen ihre Tiere vom Spätfrühjahr bis zum Spätsommer frei in den Wäldern herumstreifen. Wenn es auf den Winter zugeht, treiben sie die an den Ohren gekennzeichneten Rentiere zusammen und selektieren sie je nach Eigentümer.

Im Harriniva Adventure Center nehmen sich die über 500 Huskys im Sommer eine Auszeit. Im Winter hingegen drängt es Thor, Gringo und Gonzo, Klaus, Eva und Nils und die anderen zum Schlitten und ins Geschirr. Jeder möchte mitkommen und den Schnee durchpflügen. Für die kürzeste Safari im Angebot über neun Kilometer brauchen sie nur eine halbe Stunde. Hartgesottene Abenteurer können auch mehrere Tage buchen; dann gleiten die Schlitten von Hütte zu Hütte. Jede mit Sauna ausgestattet. Wir sind ja schließlich in Finnland.

Die samische Künstlerin Irene Kangasniemi fertigt in ihrer Werkstatt Produkte aus dem, was die Natur bietet. Foto: Arthur Selbach
In Rovaniemi arbeitet der Weihnachtsmann seine Post ab. Man kann ihn hier auch besuchen. Foto: Getty Images/iStockphoto/laraslk

Die Redaktion wurde von ­Wikinger Reisen zu der Reise eingeladen.