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Andalusiens Stadt Ronda und Ihre Geschichte

Andalusien : Tapas, Toreros und tolle Typen

In der Vorsaison an der Route der Weißen Dörfer in Andalusien kann man in aller Ruhe durch Ronda bummeln. Ringsherum warten viele Wunder der Natur.

Pedro Romero ist der Name eines Restaurants genau gegenüber der Stierkampfarena, der ältesten in Spanien. Pedro Romero ist aber auch ein Name, den jedes Kind in ganz Andalusien kennt. Er steht für eine Ikone in Ronda, alle Romeros waren lokale Helden in diesem Ort. Ob Gegner des blutigen Schauspiels oder Afficionados, also glühende Anhänger, niemand in Ronda kommt an den Toreros vorbei, an den Romeros nicht und an all den anderen auch nicht, an die in einem ganz besonderen Museum erinnert wird.

Natürlich beginnt die Geschichte Rondas wie die fast aller Orte in Andalusien mit den Iberern, den Phöniziern, den Römern. Und allein die maurische Epoche, die über 700 Jahre dauerte, füllt Bibliotheken und Legenden. Aber für die Älteren im Dorf, vor allem für die Männer, fängt die relevante Zeitrechnung mit Francsico Romero an, dem Großvater des viel zitierten Pedro. Vor 200 Jahren war er es, der den Stierkampf „modernisierte“, die Muleta einführte, das berühmte rote Tuch, und auch die Cuadrilla, die Mannschaft. Seither, so behaupten die Fans, sei Stierkampf eine Kunst, eine Philosophie.

Pedro Romero, sein Enkel, von Goya gemalt, Gründer der ersten Torero-Schule in Sevilla und bis heute in Ronda vergöttert, mag der größte Matador aller Zeiten gewesen sein. Vor seinem Denkmal lässt sich trefflich streiten, ob die Corrida ein ritterliches Ritual oder ein Abschlachten des Stiers ist, das schon lange nicht mehr in unsere Zeit passt. Für Stierkampfgegner gibt es ohnehin genügend Alternativen im größten und bekanntesten Ort an der Ruta de los Pueblos Blancos, der Straße der Weißen Dörfer im Hinterland von Malaga. Ronda, heute eine Kleinstadt, macht schon allein durch seine Lage sprachlos. Einfach mal auf die Veranda des Paradors, der staatlichen Herberge, setzen und in die Tajo-Schlucht hineinschauen, deren Felswände unmittelbar vor dem Hotel 100 Meter in die Tiefe fallen. Zu beiden Seiten kleben Häuser und Gärten so dicht am Abgrund, dass sensiblen Besuchern schwindlig werden kann. Als eine „unvergleichliche Erscheinung der auf zwei Felsmassen aufgehäufelten Stadt“, so hat Rainer Maria Rilke, der deutsche Dichter aus Prag, dieses Wunder der Natur empfunden.

Begegnungen im Labyrinth der Gassen und auf den Plätzen: In einem wunderbaren Tante-Emma-Laden, „El Pensamiento“ an der Carretera Espinel, der Hauptstraße im „neuen“ Viertel, führt Besitzer Claudio Instrumente vor, die es nur in dieser Gegend gibt, die Zambomba-Trommel zum Beispiel. Ein paar Schritte weiter, in einem Feinkostladen, in dem der Himmel voller Schinken hängt, verrät Pablo, warum vom Eber nur die Vorderbeine, von der Sau nur die Hinterbeine verwendet werden sollten und dass man doch unbedingt im Herbst zum Fest der Blutwurst wiederkommen solle.

Noch mehr Varianten: auf einem der Plätze abseits der breiten Straßen einen Erd­beerbaum entdecken und sich von einem der alten Männer, die dort ihre Siesta verschwatzen, lächelnd erklären lassen, warum die Früchte dieses Gewächses manche Vögel betrunken machen. Oder über schmale Wege ins Tal hinabsteigen und auf zwei Architekten stoßen, die in der Nachbarschaft seit 2000 wieder Wein anbauen, wie es vor Jahrhunderten schon einmal üblich war.