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Gesundheitsbericht der Bundesregierung: Fast jeder Vierte hat Fettsucht

Gesundheitsbericht der Bundesregierung : Fast jeder Vierte hat Fettsucht

Die deutsche Bevölkerung spaltet sich zunehmend in gesund und ungesund. Ein großer Teil der Deutschen treibt mehr Sport, zeitgleich steigt die Zahl der Ultra-Dicken. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Bundesregierung, die am Donnerstag veröffentlicht werden soll. Schon vorab wurden einige Daten bekannt.

Der so genannte Bundesgesundheitssurvey macht sich mit großen zeitlichen Abständen daran, die Gesundheit der Deutschen zu erfassen. Nach bald 14 Jahren will Gesundheitsminister Daniel Bahr am Donnerstag wieder eine solche Studie vorstellen. Im Auftrag seines Ministeriums erhob das Robert-Koch-Institut die Daten von mehr als 8000 Deutschen.

Vorab wurden bereits einige zentrale Aussagen bekannt. So ist der Anteil der körperlich aktiven Bundesbürger deutlich auf etwa die Hälfte der Bevölkerung gestiegen. Zugleich nahm aber auch die Zahl der Ultra-Dicken zu: Ein knappes Viertel geht demnach mit einem Body-Mass-Index von mehr als 30 durchs Leben. Sie gelten damit als fettsüchtig.

Zwei von drei Männern sind zu dick

Der Body-Mass-Index (BMI) ist ein häufig verwendeter, wenn auch nicht unumstrittener Indikator dafür, ob eine Person zu dick oder zu dünn ist. Er lässt sich leicht bestimmen, indem man das Verhältnis von Körpergewicht in Kilogramm zum Quadrat der Körpergröße in Metern errechnet. Bei einer 80 Kilo schweren und 1,80 Meter großen Person beispielsweise beträgt der BMI 24,7. Die Weltgesundheitsorganisation spricht von einem BMI unter 18,5 von Untergewicht, bei Werten über 25 von Übergewicht. Erreicht das Ergebnis Zahlen über 30 ist von Adipositas die Rede. Fettleibigkeit.

Bemerkenswert ist die Entwicklung im Vorgleich zur Vorgängerstudie aus dem Jahr 1998. So hat sich beim Anteil der Übergewichtigen den Zahlen nach kaum etwas verändert. Zwei von drei Männern sind nach Ansicht der Mediziner zu dick, bei den Frauen ist es jede Zweite. In Zahlen: 68 Prozent bei den Männern und 53 Prozent bei den Frauen.

Dicke werden immer dicker

Dramatisch fällt jedoch der Zuwachs beim Anteil der Fettleibigen aus. Vor allem bei den Männern: 23,3 Prozent gelten inzwischen als adipös - der Studie zufolge fast 20 Prozent mehr als noch vor 14 Jahren. Bei den Frauen liegt der Anteil mit 23,7 Prozent in einem ähnlich hohen Bereich, bewegte sich aber schon in der Vorstudie auf diesem Niveau. Der Zuwachs fiel mit plus 2,6 Prozent überschaubar aus.

Der Trend ist in Deutschland freilich kein grundlegend neuer. Seit Jahren warnen Mediziner. Doch mit dem aktuellen Survey vertieft sich der Eindruck: Wer ohnehin schon zu viel wiegt, schert sich nicht um weitere Kalorien. "Die Dicken werden immer dicker", sagen deutsche Ärzte. Übergewicht entwickelt sich in ihren Augen in unserer Überflussgesellschaft fast zum Normalzustand.

Mehr Fälle von Diabetes

Der Trend zur Fettleibigkeit spiegelt sich auch in anderen Zahlen der Studie wieder. So ist parallel auch ein Anstieg der Diabetes-Erkrankungen zu verzeichnen: nach Angaben des Focus sind 7,1 Prozent der Männer und 7,5 Prozent der Frauen von der Zuckerkrankheit betroffen. Der Anstieg der Zahlen fällt im Vergleich zu 1998 noch größer aus als bei Adipositas: Bei den Männern wuchs die Zahl der Betroffenen um 31,5 Prozent, bei den Frauen um 23 Prozent an.

Das Bundesgesundheitsministerium wollte die Ergebnisse des "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" bislang nicht bestätigen. Medienberichten nach ist aber eine Präventionsstrategie gegen Fettleibigkeit in Arbeit.

Ein Zivilisationsproblem

In den westlichen Industrienationen entwickelt sich Fettleibigkeit zunehmend zu einem der vorherrschenden gesundheitlichen Probleme. In Deutschland ist Studien nach jedes fünfte Kind übergewichtig, etwa sechseinhalb Prozent gar adipös. Im europäischen Vergleich stehen die deutschen Kids damit noch gut da. An der Spitze stehen dort die italienischen Bambinis: Über 40 Prozent der Zwei-bis Zehnjährigen sind übergewichtig oder fett.

Als Mutterland der Fettleibigkeit gilt indes die USA. Unlängst sagte eine Studie den Amerikanern voraus, dass in knapp 20 Jahren fast die Hälfte von ihnen die BMI-Schwelle von 30 überschritten haben dürfte. Derzeit seien es 36 Prozent. Der Anteil der besorgniserregend dicken Menschen werde sich mehr als verdoppeln.

USA sind alarmiert

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sagte dem Trend bereits den Kampf an: "Fettleibigkeit wird zum größten Gesundheitsproblem in diesem Land", sagte der Politiker. Und kündigte ein Gesetz an, das ab 2013 den Verkauf von kalorienreichen XXL-Softdrinks in Fast-Food-Läden, Restaurants, Cafés, Kinos oder auch Stadien verbietet.

So weit wird es der deutsche Gesundheitsminister Daniel Bahr bei der Vorstellung des Berichts am Donnerstag aller Wahrscheinlichkeit nach nicht treiben. Doch dass er ebenfalls versuchen wird, mehr gegen den Trend zu unternehmen, darf man wohl annehmen.

Fast-Food und Bewegungsarmut

Ob weitere Aufklärungskampagnen allerdings das Verbraucherverhalten beeinflussen werden, steht auf einem anderen Blatt. Die PR-Macht der Nahrungsmittelindustrie hat sich bislang als ebenbürtiger Gegner erwiesen. Schon 2008 brachte die Bundesregierung einen Aktionsplan gegen Fettleibigkeit auf den Weg. Die Erfolge halten sich ganz offensichtlich in engen Grenzen.

Als Hauptgrund für das kollektive Dickerwerden gilt in erster Linie ungesunde Ernährung. Viele unserer Nahrungsmittel aus dem Supermarkt sind vollgestopft mit Fetten und Zucker, hinzu kommt in der modernen Welt zu wenig Bewegung im Lebensalltag. Zusätzlich beeinflussen soziale und genetische Faktoren das Risiko von Fettleibigkeit.

Als Gegenmittel gilt Letztenendes bis auf wenige Ausnahmen eine konsequente Umstellung der Ernährungsgewohnheiten: Mehr Obst, Gemüse und Getreide, weniger Fett, Zucker und Salz.

Hier geht es zur Infostrecke: 2008: Aktionsplan gegen Fettleibigkeit