Wie durch den Rüssel einer Mücke: Injektion ohne Nadel möglich

Wie durch den Rüssel einer Mücke : Injektion ohne Nadel möglich

Beim Arzt eine Spritze zu bekommen wird in naher Zukunft weniger schmerzhaft und angstbehaftet sein. Forscher in Boston entwickelten ein Injektionsverfahren, das ganz ohne Nadel auskommt.

Am Massachusetts Institute of Technology entwickelten Forscher das, was für den Laien ein wenig wie Science Fiction anmutet. Mit einem Hochgeschwindigkeits-Flüssigkeitsstrahl kann man mit dem neu entwickelten Gerät Medikamente ohne Nadel injizieren. Dabei durchdringt die Arznei mit Schallgeschwindigkeit die Haut.

Die Vorrichtung kann dabei so programmiert werden, dass verschiedene Dosen unterschiedlich tief in das Gewebe eindringen. In der Vergangenheit experimentierte die Forschung schon mit verschiedenen Verfahren, Wirkstoffe ohne Injektion unter die Haut des Patienten zu bekommen.

Pflaster nicht für jede Art Medizin möglich

Ein Beispiel dafür sind Nikotinpflaster, die über einen längeren Zeitraum langsam den erwünschten Wirkstoff freisetzen und an die Haut abgeben. Problem dieses Verfahrens allerdings ist, dass die Wirkstoffmoleküle, die hier die Poren der Haut passieren sollen, klein genug sein müssen. Damit steht das Verfahren nicht für jede Arrt von Medizin zur Verfügung.

Zwar gibt es bereits andere Injektionsgeräte auf dem Markt, die nach ähnlichem Prinzip funktionieren wie die Neuentwicklung aus Boston, doch arbeitet diese mit einer anderen Technologie. Das Prinzip dabei heißt "Alles oder Nichts" - die Geräte sind sehr fehleranfällig. Zudem sind diese Injektionsverfahren nicht so genau.

Das Spritzgerät der Bostoner Wissenschaftler funktioniert mittels einer Magnetspule. Durch den Mechanismus wird das Medikament mit beinahe Schallgeschwindigkeit durch eine Öffnung so breit wie der Rüssel einer Mücke herausgeschossen.

Ein Vorteil der neuen Injektionstechnik neben der angenehmeren Verabreichungsart für den Patienten ist, dass sich das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Praxen nicht mehr so leicht durch Nadelstiche selbst verletzt. Nach Auskunft des Centers for Disease Control and Prevention passiert es rund 385.000 Mal im Jahr, dass sich das Personal versehentlich mit Infektionsnadeln selbst verletzt. Eine einfachere Zukunft verspricht das Verfahren zudem Diabetes-Patienten, die sich regelmäßig selbst Insulin spritzen müssen.

Die Spritze der Zukunft kann zudem auf den Hauttyp des jeweiligen Patienten angepasst werden. Um einem Baby eine Impfung zu verabreichen, benötigt man einen geringeren Druck, als um einen Erwachsenen zu impfen. Das Team arbeitet zudem an der Entwicklung von Impfstoffen in Pulverform, die man mit der neuartigen Spritze verabreichen kann.

Vorteil wäre, dass diese Medikamente dann nicht im Kühlschrank gelagert werden müssten und damit auch der Transport pulverisierter Impfstoffe leichter würde, da das Problem der Kühlkette damit überwunden wäre.

(wat)