Aktuelle Gesundheitsstudie: Bürger-Schelte für das Pflegesystem

Aktuelle Gesundheitsstudie : Bürger-Schelte für das Pflegesystem

Es sollte das Reformthema des Jahres werden: die Pflege. So zumindest hatte es FDP-Chef Philipp Rösler, damals noch Gesundheitsminister, angekündigt. Doch von der großen Reform ist bislang nur wenig zu spüren. Und geht es nach der Meinung von Bürgern und Ärzten, sieht die Zukunft ohnehin düster aus, wie eine aktuelle Studie ergab.

Experten warnen immer wieder vor dem Pflegenotstand aufgrund unserer alternden Gesellschaft. Es fehlen Fachkräfte, es fehlt an Geld. Und das hinterlässt inzwischen auch bei der Bevölkerung seine Spuren. Im 6. Gesundheitsreport der Vermögensberatung MLP, durchgeführt vom Institut Allensbach, gab mehr als jeder Zweite Befragte an, dass er sich um seine finanzielle Absicherung im Pflegefall sorgt.

Das wirkt sich auch auf die gesetzliche Pflegeversicherung aus. Demnach fürchten zwei Drittel der befragten Bürger, dass die Leistungen zur Sicherstellung der Pflege nicht mehr ausreichen. Bei den Ärzten sind es sogar 80 Prozent. Dem allen wollte Rösler entgegenwirken mit seinen vor geraumer Zeit groß angekündigten Reformplänen. Die Bilanz ist bislang aber eher eine kleine.

Wenige für Beitragserhöhung

So soll der Beitragssatz in der Pflegeversicherung um gerade einmal 0,1 Prozent steigen. Dafür werden private Versicherungen steuerlich gefördert, und Demenzkranke sollen mehr Leistungen erhalten. Die bislang getroffenen Maßnahmen dürften aber kaum ausreichen, um die Gemüter von Bürgern und Ärzten zu beruhigen.

Und auch die Gesundheitsminister der Länder wollen nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" bei der am Mittwoch beginnenden Arbeits- und Sozialministerkonferenz auf eine schnellere Reform der Pflegeversicherung drängen. Ähnlich sehen es auch die Wähler. In der aktuellen Studie sagten 82 Prozent der Befragten, dass die Politik mehr tun müsse. Doch die Skepsis, dass das gelingen kann, ist groß - bei den Bürger ist diese bei 43 Prozent vorhanden, bei den Ärzten liegt die Quote bei 46.

Und so scheint es, als würden viele bereits in die gleiche Richtung denken wie einst bei der Rentenversicherung: lieber selber vorsorgen, als am Ende ungesichert dazustehen. Zumindest lässt sich das aus der Umfrage erschließen, nach der sich 43 Prozent der Bürger für eine verpflichtende Zusatzversicherung aussprechen, für eine Beitragserhöhung sind dagegen nur 15 Prozent.

Ärztemangel vor allem in Thüringen

Aber nicht nur bei der Pflege herrscht Unmut. Auch der Ärztemangel steht im Fokus der Umfrage. Bei den Ärzten sehen diesen schon mehr als zwei Drittel. Im Osten der Republik ist diese Sorge mit 69 Prozent sogar höher als im Westen (47 Prozent). Genau aus diesem Grund sind auch immer wieder finanzielle Anreize für sogenannte Landärzte im Gespräch. In Brandenburg wird zudem seit Jahren das Modell "Schwester Agnes" erfolgreich getestet. Dabei sollen mobile Assistenten Landärzte entlasten.

Besonders spürbar ist der Ärztemangel laut des Gesundheitsreports übrigens in Thüringen und in Mecklenburg-Vorpommern, am wenigstens im Saarland. Und es sind vor allem die langen Wartezeiten in der Praxis und auf einen Termin, die den Patienten gehörig auf den Magen schlagen. Erst Anfang der Woche hatte eine Studie festgestellt, dass Kassenpatienten länger auf Termine warten müssen als private.

Es gibt aber auch positive Nachrichten in der Studie. Immerhin beurteilen 72 Prozent der Befragten Bürger und 88 Prozent der Ärzte ihre Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem als gut oder sehr gut. Für die Zukunft sieht das aber anders aus. Nur 16 Prozent der Befragten glauben, dass die heutige Versorgung für alle Bevölkerungsschichten aufrecht erhalten werden kann. Der Begriff von der "Zwei-Klassen-Medizin" bekommt so immer mehr Bedeutung.

Hier geht es zur Infostrecke: Studie 2011: Wie die Deutschen das Gesundheitssystem bewerten

(das)