Neue Ehec-Studie: Antikörper-Behandlungen zeigen Erfolge

Neue Ehec-Studie : Antikörper-Behandlungen zeigen Erfolge

Antikörper-Behandlungen eröffnen bei schwer erkrankten EHEC-Patienten bisher unbekannte Therapiemöglichkeiten. Das belegt eine Studie, die unter anderem am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) an Patienten mit der Verlaufsform Hämolytisch-Urämisches Syndrom (HUS) durchgeführt wurde, wie die UKE-Fachärzte Christian Gerloff und Rolf Stahl am Montag in Hamburg mitteilten.

Alle der knapp 200 erkrankten Studienteilnehmer hatten sich mit dem EHEC-Erreger vom Typ O104:H4 infiziert. Das Shiga-Toxin, das von den Bakterien produziert wird, setze eine gefährliche Kettenreaktion von Entzündungen im Körper in Gang. Der Antikörper Eculizumab könne diese stoppen, bevor es zu spät sei, sagte Gerloff.

Signifikante Verbesserung bei 85 Prozent der Probanden

Die Behandlung mit dem Antikörper habe bei 85 Prozent der 148 in Eppendorf behandelten Probanden eine signifikante Verbesserung gebracht, sagte UKE-Neurologe Christian Gerloff.

14 Patienten, die im Koma lagen, erlangten das Bewusstsein wieder und mussten nicht mehr auf der Intensivstation behandelt werden. "Die Daten sprechen sehr dafür, dass dies mit dem Antikörper zusammenhängt", sagte Gerloff. Völlig zweifelsfrei belegt sei das mit der Studie jedoch noch nicht.

Bei den meisten Probanden habe sich aber auch die drastisch abgefallene Anzahl der Blutplättchen binnen acht Wochen wieder normalisiert, sagte der UKE-Nierenexperte Rolf Stahl. Der Antikörper habe somit dort eine deutliche Besserung erbracht, wo mit einem Tausch des Blutplasmas kein therapeutischer Erfolg erzielt werden konnte.

Für die Behandlung der Patienten wurde den Ärzten Eculizumab vom US-Pharmaunternehmen Alexion zur Verfügung gestellt.

Noch 120 UKE-Patienten besuchen Nachuntersuchungen

Noch immer kommen laut UKE 120 HUS-Patienten zu regelmäßigen Folgeuntersuchungen nach Eppendorf, um sich auf etwaige Spätfolgen hin untersuchen zu lassen.

Infektionen mit dem aggressiven Darmkeim EHEC hatten 2011 bundesweit zum Tod von 53 Menschen geführt. Ein Sprossen-Anbaubetrieb im niedersächsischen Bienenbüttel, der aus Ägypten importiertes Saatgut verarbeitet hatte, war von den Behörden als Verbreiter des EHEC-Errgers ausgemacht und gesperrt worden.

Der Bonner Hygiene-Professor Martin Exner hatte nach einem Bericht des "Focus" schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des Hofes im Landkreis Uelzen erhoben. So hätten die Personaltoiletten zu nahe an dem Brunnen gelegen, der zur Bewässerung der Sprossen diente.

Die Betreiber des Hofes hatten gegen die Sperrung geklagt, weil in keiner der rund 1.000 Proben, die in dem Betrieb genommen wurden, der EHEC-Erreger festgestellt worden sei. Über die Klage soll im kommenden Jahr entschieden werden.

(das)