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Langzeitstudie: Paracetamol erhöht vermutlich Asthmarisiko

Langzeitstudie : Paracetamol erhöht vermutlich Asthmarisiko

Düsseldorf (RPO). Paracetamol galt bislang als das sicherste Schmerzmittel in der Schwangerschaft und wurde auch schon Babys und Kleinkindern bevorzugt gegen Schmerzen und Fieber verabreicht. Jetzt steht der Wirkstoff in Verdacht, das Asthmarisiko bei Kindern zu erhöhen.

Studien beschreiben einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Kontakt des Kindes mit Paracetamol vor der Geburt und einem späteren erhöhten Asthmarisiko. Entgegen früherer Empfehlungen rät Prof. Dr. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel darum heute von der Einnahme des Wirkstoffs in der Schwangerschaft ab.

Neue Daten stützen nach Informationen des Deutschen Grünen Kreuzes diese Annahme. In diesem Jahr blickt ISAAC, eine weltweit beispiellose Langzeitstudie zum Thema Asthma und Allergien, auf 20 Jahre Forschungstätigkeit zurück. Zwei Millionen Kinder und Jugendliche in 106 Ländern wurden seit dem Start 1991 untersucht. In der umfassenden Datenbank von ISAAC fanden sich erneut Hinweise darauf, dass die Einnahme von Paracetamol in früher Kindheit dazu beitragen kann, dass die Kinder Allergien entwickeln.

Risiko auch bei Jugendlichen erhöht

Selbst 13- bis 14-Jährige, die einmal im Monat den Wirkstoff einnehmen, liegt nach der ISAAC-Studie das Risiko Asthma zu entwickeln doppelt so hoch wie bei Jugendlichen, die kein Paracetamol einnehmen. Selbst eine Einnahme, die auf ein einziges Mal im Jahr beschränkt bleibt erhöht nach Studienergebnis das Asthamrisiko um 50 Prozent.

Dass die Anwendung von Paracetamol bei Kindern und auch Jugendlichen das Allergie- und Asthmarisiko erhöht, wird schon länger vermutet. Paracetamol ist ein weit verbreitetes Medikament, das hauptsächlich zur Behandlung von Schmerzzuständen und zur Fiebersenkung eingesetzt wird. In einem vor sechs Jahren erschienenen Beitrag in der Fachzeitschrift "Journal of Allergy and Clinical Immunology" berichtet der Mediziner Dr. Henning Allmers von der Universität Osnabrück erstmals darüber, dass ein Zusammenhang zwischen regelmäßiger Paracetamol-Einnahme und der Entwicklung eines Asthma bronchiale besteht.

Er griff dabei zurück auf Beobachtungen in der ehemaligen DDR. Dort war der Wirkstoff erst seit 1989 allgemein verfügbar und die Zahl der allergischen Erkrankungen vor der Wende deutlich niedriger als in der Bundesrepublik. Später hatten sich die Zahlen, so Allmers, fast an das West-Niveau angeglichen. Auch auf eine Verbindung zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Spätschwangerschaft und der späteren Entwicklung einer allergischen Erkrankung bei Kindern bis zum Grundschulalter wiesen erste Untersuchungen hin.

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