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Hilfe bei Allergien: Wenn die Haut die Sonne nicht mag

Hilfe bei Allergien : Wenn die Haut die Sonne nicht mag

Wenn die Sommersonne uns verwöhnt, hat das für jeden Fünften lästige Nebenwirkungen: Rote Bläschen, Pusteln und Quaddeln erscheinen auf Dekolleté, Schultern, Oberarmen und Rücken. "Sonnenallergie" ruft der Volksmund, "Lichtdermatose" sagt der Hautarzt. Was kann man dagegen tun?

Die Mediziner rätseln: Überwiegend sind es die Frauen, die eine Lichtdermatose bekommen. Warum das so ist, wissen die Mediziner bis heute nicht. Als eine mögliche Ursache wird über eine genetische Veranlagung spekuliert. Mehr weiß man zumindest darüber, wer besonders gefährdet ist, diese Allergie auszubilden: Hellhäutige Menschen, die meist im Alter zwischen 20 und 40 sind sowie solche mit ohnehin empfindlicher Haut.

"Oft beginnt die Krankheit im Kindesalter und widerholt sich dann in jedem Jahr", erklärt Dermatologin Dr. Johanna Kubek aus ihrer praktischen Erfahrung. Doch es gibt Hoffnung: Über die Jahre kann die Reaktion der Haut auf die UV-Strahlung auch immer geringer werden. In 25 Prozent der Fälle verschwindet die Sonnenallergie sogar ganz, erklärt die Hautärztin aus Hessen.

Wer vorbeugt, kann die Beschwerden jedoch lindern. Die klassische Sonnenallergie ist eine schwer zu fassende Erkrankung. "Eine medizinische Erklärung gibt es bis heute nicht", sagt Dr. Frank Hessler, Dermatologe am Helios Klinikum Krefeld. Die Haut reagiert überempfindlich auf die erhöhte Lichtdosis.

Die verschiedenen Formen der Lichtallergie

Die Lichtdermatose kann in verschiedenen Formen vorkommen: Das Sonnenekzem macht sich durch krankhafte Hautveränderungen bemerkbar, die hauptsächlich mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühling oder Frühsommer auftritt. Durch die Intoleranzreaktion der Haut auf das Sonnenlicht bekommt der Geplagte Rötungen oder Bläschen auf der Haut, es können aber auch Knötchen oder Versickungen der Haut sein. Begleitet werden die unangenehmen Symptome auf der Haut von einem quälenden Juckreiz.

Andere Formen wiederum haben konkrete Auslöser, etwa Wiesengräser. Manchmal steckt eine Kontaktallergie hinter der eigentlichen Sonnenallergie. Auslöser können dann Stoffe sein, die in Sonnenschutzcremes, Waschmitteln oder Körperlotionen enthalten sind und die erst in Kontakt mit der Sonne zu Reaktionen auf der Haut führen. Auch die Einnahme von Medikamenten kann in Verbindung mit Sonnenstrahlen eine Reaktion auf der Haut hervorrufen. Bei der so genannten Mallorca-Akne sind überwiegend die Haarfolikel betroffen. Das Gesicht ist meist weniger betroffen, während die Sonnenallergie sich eher auf dem Rücken und im Brustbereich bemerkbar macht.

Warum die Haut reagiert

Oft sind juckende Stellen wochenlang sichtbar. Für die richtige Diagnose ist ein Besuch beim Hautarzt auf jeden Fall erforderlich. "Wir wissen, dass UV-Strahlung eine abnorme Reaktion des Immunsystems hervorruft. Das allein reicht aber nicht. Zur wissenschaftlichen Erklärung fehlt das entscheidende Puzzlestück, das Allergen", ergänzt Prof. Percy Lehmann, Chefarzt am Helios Klinikum Wuppertal. Es ist vor allem das langwellige ultraviolette Licht, also das UVA-Licht, das die Reaktionen auf der Haut hervorruft. Oft kommt es erst einige Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne zu den Symptomen, erklärt die Dermatologin Dr. Johanna Kubek aus dem hessischen Hofgeismar.

Auch wenn die Forschung nicht sicher ist, was auf der Haut passiert, so kann einer klassischen Lichtdermatose dennoch vorgebeugt werden. Dichtgewebte Kleidung und schattige Plätze geben der Haut Zeit, sich an die UV-Strahlung zu gewöhnen. Bereits im Winter können Betroffene sich unter ärztlicher Aufsicht einer mehrwöchigen Lichttherapie unterziehen und prophylaktisch kurz vor den warmen Tagen oder dem Urlaubsbeginn Antihistamine - also antiallergische Mittel - einnehmen. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten hierfür. Solariumsbesuche, dicke Quarkmasken oder literweise Möhrensaft sind nach Auffassung der Mediziner keine Alternativen.

Das hilft vorbeugend

Sonnencremes halten ihre Versprechen nur bedingt. "Normalerweise verringert geeigneter Sonnenschutz die Symptome. Doch hier kommt das Problem hinzu, dass dieser oftmals selbst Überempfindlichkeiten auslöst. Die Betroffenen können eine Allergie auf das Lichtschutzprodukt entwickeln", sagt Dr. Hessler. Vermeiden sollte man fetthaltige Cremes und Salben. Sonnengele und Sonnenlotions dagegen sind größtenteils fettfrei und lassen die Poren atmen. Auch Parfüm und parfümierte Körpercremes können eine Sonnenallergie verstärken.

Hat sich die Haut erst einmal entzündet, verschreibt der Arzt je nach Schwere der Erkrankung eine Cortisonsalbe zum Auftragen und Histamine, die man als Tablette oder in Tropfenform gegen den Juckreiz einnahmen kann. Mittel gegen Sonnenbrand oder Insektenstiche helfen hier hingegen kaum. In der Regel klingen die Beschwerden im Verlauf des Sommers ab und heilen schließlich vollständig aus. Dennoch solte man eine Sonnenallergie nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich bei einem Arzt vorstellen. Unbehandelt kann die Haut nämlich dauerhaft Schaden nehmen. Bis die Wissenschaft der Ursache auf die Spur kommt und neue Behandlungswege eröffnet, ist Vorbeugung aber immer noch der beste Weg für einen unbeschwerten Sommer.

Hier geht es zur Infostrecke: Sonnenallergie: Zehn Tipps, die der Haut helfen

(wat)