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Nachruf auf Hollywood-Star Sidney Poitier

„In der Hitze der Nacht“ : Hollywood-Star Sidney Poitier ist tot

Der 94-Jährige war der erste Schwarze, der den Oscar für die beste Hauptrolle bekam. Sein bekanntester Film „In der Hitze der Nacht“ hat nichts von seiner Dringlichkeit verloren.

Wie Virgil Tibbs dasteht in seinem Anzug, und der schwitzige, von Rod Steiger gespielte Chief Gillespie mit seinem offenen Hemd ihn anblafft, wie sie „Virgil“ da oben in Philadelphia denn nennen würden. Wie Virgil Tibbs dann mit sich ringt, wie es ihn zu etwas drängt, das er später bereuen würde, und wie er dann doch nicht die Fassung verliert und diesen einen großen Satz spricht: „Sie nennen mich Mr. Tibbs!“

„In der Hitze der Nacht“ heißt der Film, es ist der erste, der den meisten sofort einfällt, wenn sie den Namen Sidney Poitier hören. Die Produktion aus dem Jahr 1967 hat nichts von ihrer Dringlichkeit verloren, was einerseits für das Kunstwerk spricht, aber andererseits nicht gerade für unsere Gegenwart. Potier spielt darin einen Ermittler aus dem Norden der USA, der einen Mord in einer von Rassismus vergifteten Kleinstadt des Südens aufklären soll. Direkt am Bahnhof nehmen sie ihn fest. Sie wissen nicht, dass er Polizist ist, sie sehen nur seine Hautfarbe und denken: Der muss der Mörder sein.

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Sidney Poitier ist tot. Gestorben ist ein Hollywood-Star und ein Symbol. Der 94-Jährige war ein Pionier. Er öffnete schwarzen Schauspielern und Schauspielerinnen die Tür. Obwohl wir von Produktionen aus den 1960er Jahren reden, obwohl das also noch gar nicht so lange her ist, war er der erste schwarze Künstler, der in der Traumfabrik Hauptrollen spielen durfte. Er war der erste Schwarze, der eine weiße Frau auf der Leinwand küssen durfte. Und er war 1964 der erste Schwarze, der einen Oscar für die beste Hauptrolle bekam, in „Lilien auf dem Felde“. Für ihre Nebenrolle in „Vom Winde verweht“ wurde 1939 bereits Hattie McDonald geehrt.

Poitiers Familie stammt von den Bahamas, er wurde geboren, als seine Eltern zu Besuch in Miami waren. Erst mit elf kam er zur Schule, mit 18 ging er nach New York und machte sich schließlich auf dem Broadway einen Namen. Seine erste größere Filmrolle übernahm er 1950 in dem Drama „Der Hass ist blind“. Er spielt darin einen Arzt, der bei einem Einsatz auf der Gefängnisstation von einem rassistischen Patienten abgelehnt wird. Einige Jahre blieb Poitier auf Nebenrollen abonniert. Dann ging es Schlag auf Schlag: „Saat der Gewalt“ (1955), „Flucht in Ketten“ (1958) an der Seite von Tony Curtis, „Porgy und Bess“ (1959), „Ein Fleck in der Sonne“ (1961).

In den meisten seiner großen Filme müssen sich seine Figuren gegen Rassismus wehren, gegen Vorurteile und Stereotype. 1967 spielte er den Schwiegersohn von Katherine Hepburn und Spencer Tracy in „Rat mal, wer zum Essen kommt“. Das Paar hatte seine Tochter liberal erzogen, aber einen Schwarzen als Verlobten? Damit muss es erstmal klarkommen.

In den 1970er und -80er Jahren führte Poitier Regie. Er sorgte dafür, dass jüngere Kollegen mit schwarzer Hauptfarbe keine Filme mehr drehen mussten, in denen es um Rassismus geht. Und er unterstützte eine Stiftung, die afrikanischen Studierenden Stipendien für die USA vermittelte. Einer der Stipendiaten war der Vater von Barack Obama.

2002 bekam Poitier den Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Es war eine Freude, ihm zuzusehen. Er strahlte Würde aus und Eleganz. Er stellte Menschen dar. Menschen mit Fehlern. Auch Virgil Tibbs war ja seinerseits nicht frei von Vorurteilen. Das machte ihn so stark. Am Ende des Films trägt der Polizeichef Mr. Tibbs’ Koffer zum Bahnhof. So ein großes Bild, noch heute.