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Filmkritik "Don't Look Up" mit Meryl Streep

„Don’t Look Up“ : Die Welt geht unter – aber erst morgen

Die mit Stars gespickte Politsatire „Don’t Look Up“ spielt durch, wie die Menschen sich verhalten würden, wenn ein Asteroid auf die Erde zuraste. So viel sei verraten: Es ist zum Verzweifeln.

Wenn das kein Grund zum Feiern ist. In der Sternwarte der Michigan State University hat die Doktorandin Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence) gerade einen Asteroiden entdeckt. Ihr Professor Randall Mindy (Leonardo DiCaprio) und ein paar Kollegen sind mit einer Flasche Champagner gekommen, um auf den Kleinplaneten anzustoßen, der nach seiner Entdeckerin benannt wurde. Und wie das Wissenschaftler so tun, fängt Dr. Mindy an zu rechnen, um zu bestimmen, wohin die Reise des Himmelsgesteins geht. Zahlen und Formeln reihen sich auf der Tafel untereinander, aber irgendwann hört Mindy auf und schickt alle außer Kate nach Hause. Die Zahlen und Daten sind klar. Der Asteroid mit einem Durchmesser von fünf bis zehn Kilometern wird genau in sechs Monaten und vierzehn Tagen auf dem Planeten Erde einschlagen und alles Leben dort auslöschen.

Mit einem klassischen „Armageddon“-Szenario beginnt Adam McKays neue Polit-Satire „Don‘t Look Up“. Aber anders als in Michael Bays Action-Kracher steigt hier kein Bruce Willis ins Space-Shuttle, um die Zivilisation vor ihrem Untergang zu retten. Denn die Menschheit scheint ihr sicheres Ende nicht wahrhaben zu wollen. In dem NASA-Wissenschaftler Dr. Teddy Oglethorpe (Rob Morgan) vom „Planetary Defense Coordination Office“ (so etwas gibt es tatsächlich) finden die Astrophysiker aus der Provinz zunächst eine kompetenten Ansprechparter, der den Ernst der Lage erfasst und die beiden sofort in einer Militärmaschine nach Washington verfrachten lässt.

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Aber in den Fluren des Weißen Hauses beginnt das lange Warten. Der Geburtstag der Chef-Sekretärin und der Skandal um den Kandidaten des Verfassungsgericht haben Vorrang. Der Pentagon-Beauftragte verkauft den Gästen für gutes Geld Wasser und Snacks, die eigentlich umsonst sind, und verschwindet nach ein paar Stunden auf Nimmerwiedersehen. Erst am nächsten Tag werden die Drei zur Präsidentin Janie Orlean (Meryl Streep) vorgelassen, die die Ankündigung zur Apokalypse gelassen aufnimmt. „Ruhe bewahren und sondieren“ lautet ihre Anweisung. Drei Wochen vor den Vorwahlen kann sie sich keine schlechten Schlagzeilen leisten. Und so wenden sich die Wissenschaftler an die Presse.

In einer TV-Show zur besten Sendezeit wollen sie das Publikum über die Gefahr aufklären. Aber auch das Moderatoren-Duo (Cate Blanchett, Tyler Perry) will sich die gute Laune nicht von ein paar Nerds verderben lassen. Schließlich hat sich gerade die Superstar-Sängerin Riley Bina (Ariana Grande) mit ihrem Ex-Lover vor laufender Kamera wieder versöhnt. Da ist die Nachricht vom nahenden Weltuntergang ein unwillkommener Stimmungskiller. Als Kate vor der Kamera ausrastet und den Zuschauern die bittere Wahrheit ins Gesicht schleudert, geht ihr Ausfall auf Social Media viral, wo man sie als hysterische Apokalyptikerin verunglimpft. Und so geht es weiter.

Irgendwann wird die Präsidentin doch noch aktiv, schickt eine paar Raketen ins All und lässt sie wieder abdrehen. Der Sponsor des Unternehmens, der Hi-Tech-Mogul Peter Isherwell (Mark Rylance), hat entdeckt, dass sich in dem Himmelskörper Rohstoffe für die Chip-Produktion im Wert von mehreren Billionen Dollar befinden, will ihn mit Nanotechnologie kontrolliert zum Absturz bringen und Tausende von neuen Arbeitsplätzen schaffen. Die Gesellschaft beginnt sich zu spalten, in diejenigen, die die Gefahr verharmlosen, und diejenigen, die vor ihr warnen. Aber dann erscheint der Asteroid unübersehbar am Himmel. Und er wird immer größer.

Mit „Don‘t Look Up“ ist Adam McKay („The Big Short“) eine hinreißende Polit-Satire gelungen, die mit einer einfachen Metaphorik kongenial den Zustand unserer Gesellschaft untersucht. Natürlich steht der Asteroid, der auf die Erde zu saust, für die Gefahr des Klimawandels, vor der schon seit Jahrzehnten erfolglos gewarnt wird. Aber die vorgeführten Verleugnungsstrategien, die sich den wissenschaftlichen Fakten verweigern und in alternative Realitäten flüchten, lassen sich genauso gut auf den Umgang mit hochaktuellen, pandemischen Ereignissen übertragen.

Mit beißendem Humor führt McKay die fatale Ignoranz von Politik und Medien gegenüber einer offensichtlichen Gefahr genauso vor, wie den allzu menschlichen Unwillen zu langfristigem Denken über den eigenen Tellerrand hinaus. In dieser schwarzen Komödie, die mit intelligentem Analysevermögen und treffsicheren Pointen unsere weltpolitische Gegenwart aufs Korn nimmt, bleibt einem das Lachen immer wieder im Halse stecken.

Dennoch kann man sich dem Sog dieses Geniestreichs nicht entziehen. Dazu trägt natürlich auch das Erstliga-Cast mit Leonardo DiCaprio, Meryl Streep, Jennifer Lawrence, Mark Rylance, Cate Blanchett und Timothée Chalamet bei, der dem satirischen Unternehmen seine schauspielerische Brillanz verleiht. Bei den Oscar-Nominierungen wird „Don‘t Look Up“ sicherlich ganz vorne mit dabei sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: „Don’t Look Up“ - Katastrophen-Satire mit Starbesetzung auf Netflix