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Harry Potter: 20th Anniversary Return to Hogwarts - Kritik zum Special

„Return To Hogwarts“ bei Sky : Harry-Potter-Wiedersehen endet mit Liebesgeständnis

Für ein TV-Special kehren die Darsteller der Harry-Potter-Filme zurück nach Hogwarts. Das Publikum erlebt ein Festival der Wehmut. Joanne K. Rowling, die mit umstrittenen Äußerungen für Aufsehen gesorgt hatte, kommt nur am Rande vor.

Am Schluss wird viel geheult, sie waten knietief in Tränen, und dann kommt diese tolle Szene: Emma Watson sitzt Rupert Grint gegenüber. Sie spielte einst die Hermine Granger, nun ist sie 31 und UN-Sonderbotschafterin. Sie strahlt immer noch die Beflissenheit einer Musterschülerin aus, die sich ein bisschen Zeit zum Reden nehmen kann, weil sie ihre Mathearbeit vor allen anderen abgegeben hat. Er war Ron Weasley, ist heute 33 und wirkt stets, als komme er gerade aus dem Regen. Jedenfalls erinnern sie sich gemeinsam an früher: „Haben aufeinander aufgepasst“, „werden immer etwas Besonderes füreinander bleiben“, so in diesem Ton. Sie heulen wie die Schlosshunde, und wenn das Folgende gespielt sein sollte, mögen sie bitte gleich einen Ehren-Oscar bekommen, aber wahrscheinlich ist es echt: Watson steht plötzlich auf und umarmt den überrascht dasitzenden Grint ungelenk. Er weiß gar nicht, wie ihm geschieht, totale Überwältigung, deshalb haut er es einfach raus: „I love you.“ Kurze Pause, die Kameras, die Schlagzeilen, dann schiebt er nach: „Also, als Freund.“ Und sie, während sie sich das Wasser aus den Augen wischt: „Nur damit das klar ist.“

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„Harry Potter 20th Anniversary: Return to Hogwarts“ heißt das anderthalbstündige Fernseh-Special zu Ehren des ersten Films aus der „Harry Potter“-Reihe, der vor 20 Jahren ins Kino gekommen ist. Die Hauptdarsteller Watson, Grint und natürlich Daniel Radcliffe (32) in der Titelrolle wurden dadurch zu Weltstars. Nun kehren sie an den Set des Films zurück und treffen in den Kulissen des Gemeinschaftsraums von Slytherin und dem großen Speisesaal andere Darsteller wie Robbie Coltrane (Hagrid), Helena Bonham Carter (Bellatrix Lestrange) und Gary Oldman (Sirius Black).

Das alles ist so schmeichelhaft inszeniert, wie man es vom Wiedersehen der „Friends“-Darsteller kennt: Alle Schauspieler wirken extrem gut geföhnt, sie sehen umwerfend aus und haben bemerkenswert reine Haut. Sie fallen einander in die Arme, und dann setzen sie sich vor die Kamera und erzählen, wie das war, als sie ihre Jugend miteinander verbrachten. Klassentreffen ehemaliger Internatsschüler: Zehn Jahre Produktionszeit haben die acht Filme in Anspruch genommen.

Es ist schön, noch einmal zu sehen, wie jung und arglos die Darsteller damals waren. Es ist faszinierend, erklärt zu bekommen, wie Production Designer Stuart Craig etwa das Quidditch-Feld anlegte. Aber auf die Dauer auch ein bisschen ermüdend. Deshalb schweift man unweigerlich ab. Daniel Radcliffe, denkt man, verbirgt sein Gesicht zwar hinter einem zünftigen Vollbart. Den Harry Potter wird er dennoch nicht los, wahrscheinlich nie. Sehr lustig ist dann die Geschichte, die Alfonso Cuarón erzählt, Regisseur von „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“. Er ließ alle Darsteller einen Essay über ihre jeweilige Figur schreiben, damit sie sich besser in deren Entwicklung einfinden würden. Emma Watson gab zwölf wunderbar formulierte Seiten ab. Rupert Grint nichts. Warum? Cuaron nennt den Grund: „Rupert sagte, Ron hätte es auch nicht getan.“

 Die drei Darsteller am Anfang ihrer Karriere.
Die drei Darsteller am Anfang ihrer Karriere. Foto: obs/Sky Deutschland

Alle beteuern, was für tolle Schauspieler Radcliffe und Co sind. Radcliffe wiederum übt sich im Gespräch mit Gary Oldman in Demut, denn der sei ja wirklich ein toller Schauspieler. Aber der tollste Schauspieler überhaupt sei Alan Rickman gewesen, der 2016 gestorbene Darsteller des Severus Snape. Weil es über weite Strecken also arg lobhudelig zugeht, freut man sich zwischendurch über die dreckige Lache von Helena Bonham Carter und sehnt sich nach ein bisschen Aufruhr. Und damit ist man bei der Frage, wie die Macher des Specials wohl mit der „Harry Potter“-Autorin umgehen würden. Joanne K. Rowling hatte ja mit Aussagen zum Thema Transsexualität für Empörung gesorgt. Viele empfanden ihre Aussagen als transfeindlich. Stars der Verfilmungen kritisierten sie und distanzierten sich, etwa Emma Watson via Twitter. Rowling taucht in dem Special nun zwar auf, aber bloß in Interviewausschnitten aus dem Jahr 2019. Etwas gönnerhaft heißt es an anderer Stelle über sie, dass sie ja ganz schön viele Kinder zum Lesen gebracht habe, die sonst nie ein Buch in die Hand genommen hätten.

Rowling erzählt übrigens, wie schwierig es gewesen sei, einen Darsteller für den Harry Potter zu finden. Es herrschte Verzweiflung. Chris Columbus, Regisseur des ersten Teils, sah dann im Hotel zufällig eine Charles-Dickens-Verfilmung, in der Daniel Radcliffe einen kleinen Auftritt hatte. Da wusste er: Der Junge ist es.

Dass das vielleicht aber nicht nur großartig für die Darsteller war, die entscheidenden Jahre ihrer Jugend im Filmstudio verbracht zu haben, merkt man der Aussage Rupert Grints an, die Dreharbeiten zu den letzten Teilen seien schwierig gewesen. Er habe nicht mehr unterscheiden können, wo seine Figur aufhöre und seine eigene Persönlichkeit beginne. Die letzte Szene, die sie drehten, war ein Sprung, rennen und abheben, und das passt natürlich gut.

Auf in ein neues Leben.