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Filmkritik: "Die Königin des Nordens" mit Trine Dyrholm

„Die Königin des Nordens“ : Rückkehr des totgeglaubten Sohns

Die dänische Regentin will gerade ihren Stiefsohn krönen, als ein Mann auftaucht. Er sei ihr Sohn, sagt er. Trine Dyrholm brilliert in der Titelrolle der skandinavischen Produktion auf Hollywood-Niveau.

Dänemark 1402: Regentin Margrete vereint erstmals Schweden, Norwegen und Dänemark zu einer Allianz. Um diese noch zu festigen, will sie ihren Adoptivsohn Erik als König einsetzen und mit einer englischen Prinzessin vermählen. Da taucht plötzlich ein Mann auf, der behauptet, ihr seit 25 Jahren totgeglaubter Sohn Oluf zu sein.

Das ist die Ausgangssituation von Charlotte Sielings Biopic „Die Königin des Nordens“ mit einer sehenswerten Trine Dyrholm in der Rolle der mächtigen Regentin, die nie offiziell gekrönt wurde. Sie hatte tatsächlich einen Sohn, der unerwartet mit 17 Jahren starb. Als Randnotiz ging der „falsche Oluf“ (Jakob Oftebro) in die Geschichtsbücher ein. Er behauptete 25 Jahre später, überlebt zu haben und der wahre Thronfolger zu sein. Der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger sein können. Margrete war gerade dabei, ihren Adoptivsohn Erik (Morton Hee Andersen) krönen zu lassen und die Allianz der nordischen Länder mit England als Verbündetem durch eine Heirat zu festigen. Zumal sich die Anzeichen mehrten, dass ein Angriff deutscher Truppen zu erwarten war. Würde sich herausstellen, dass „Oluf“ die Wahrheit sagte, wären alle getroffenen Vereinbarungen nichtig und ein Krieg unabwendbar gewesen.

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Charlotte Sieling versteht es, brisante Geschichten spannend zu inszenieren. Das hat die Regisseurin mit preisgekrönten Serien wie „Kommissarin Lund“, „Borgen – gefährliche Seilschaften“, „Die Brücke – Transit in den Tod“ und „Homeland“ eindrucksvoll bewiesen; dass die 61-jährige auch großes Kino kann, zeigt sie mit ihrem dritten Spielfilm „Die Königin des Nordens“.

Mit epischen Panoramaaufnahmen setzt sie die wild-raue Natur Skandinaviens ins Bild. Damit schafft sie einen Kontrast zur opulenten Ausstattung der Schauspieler und Kulissen. Bei der Besetzung bis in die Nebenrollen zeigt sich ihr Gespür für Charaktere. Trine Dyrholms Spiel changiert zwischen knallharter Machtpolitikerin und einer Mutter, die sich fragt, ob dieser junge Mann, der da mit seinen körperlichen wie seelischen Narben vor ihr steht, wirklich ihr Sohn ist. Gerade solche Szenen sind die großen Momente dieses Films.

„Die Königin des Nordens“ ist zwar der teuerste je gedrehte skandinavische Spielfilm, liegt aber weit hinter dem Budget, das beispielsweise Ridley Scott für sein „The last Duell“ zur Verfügung hatte, der ebenfalls einen mittelalterlichen Stoff aufarbeitet und kann dennoch locker mit Hollywood mithalten.

Königin des Nordens, Dänemark, Schweden, Norwegen, Island, Tschechien 2021, Regie: Charlotte Sieling, mit Trine Dyrholm, Søren Malling, Morten Hee Andersen, 120 Min.