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Michael B. Jordan in "Nächster Halt Fruitvale Station": Fesselndes Meisterwerk

Tatsachendrama "Fruitvale Station" im Kino : Fesselndes Meisterwerk

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners Oscar Grant durch den Rückenschuss eines weißen Polizisten – auf Handys mitgefilmt – erschütterte 2009 die Welt. Als packendes Tatsachendrama lebt der Fall neu auf.

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners Oscar Grant durch den Rückenschuss eines weißen Polizisten — auf Handys mitgefilmt — erschütterte 2009 die Welt. Als packendes Tatsachendrama lebt der Fall neu auf.

Es sind dramatische Szenen, aufgenommen mit einer Handykamera. Weiße Polizisten nehmen in der U-Bahnstation Fruitvale junge Afroamerikaner fest. Der unbewaffnete Oscar Grant liegt wehrlos auf den Boden, die Hände auf dem Rücken, von Uniformierten umringt. Plötzlich fällt ein Schuss. Der 22-jährige Schwarze wird in der Sylvesternacht am frühen Morgen 2009 in den Rücken getroffen. Das Tatsachendrama "Nächster Halt Fruitvale Station" beginnt mit den wackeligen, teils unscharfen Aufnahmen von Augenzeugen, nichts ist nachgestellt. Für diesen Low-Budget-Film wurde Regisseur Ryan Coogler bereits mit zahlreichen Preisen belohnt, darunter der Jury- und Publikumspreis beim Sundance-Festival und die Trophäe für das beste Erstlingswerk in Cannes.

Grant stirbt wenige Stunden nach dem Schuss in einem Krankenhaus im kalifornischen Oakland. Sein gewaltsamer Tod führte zu Protesten und Krawallen, die Aufnahmen gingen um die Welt. Nicht nur Amerika war von einem weiteren Fall krasser Polizeigewalt erschüttert. Der Schütze verteidigt sich später im Mordprozess, er habe den Elektroschocker benutzen wollen, aber versehentlich zur Schusswaffe gegriffen. Er kam mit einer milden Strafe davon.

"Nächster Halt Fruitvale Station" hätte leicht ein Dokudrama werden können, in dem Polizeibrutalität polemisch angeprangert und das Opfer zum Helden und Symbol für Rassismus gemacht wird. Stattdessen zeichnet der junge schwarze Regisseur Ryan Coogler in seinem ersten Spielfilm ein sensibles und packendes Porträt von Oscar Grant mit seinen vielen Facetten: ein Arbeitsloser, der von Drogendeals lebt, ein liebevoller Vater, der die Mutter seiner vierjährigen Tochter kaum unterstützen kann, ein wohlmeinender Sohn, der die Erwartungen seiner eigenen Mutter (Octavia Spencer, Oscar für "The Help") immer wieder enttäuscht.

Der Film zeigt die letzten 24 Stunden im Leben von Grant, eindrucksvoll gespielt von Michael B. Jordan. Der noch wenig bekannte 27-jährige Schauspieler ist seit April auch in der Buddy-Romanze "Für immer Single?" an der Seite von Zac Efron in den deutschen Kinos. Als Oscar Grant kann er in einem Moment gewinnend lächeln (wie ein junger Denzel Washington) und plötzlich bedrohlich aufbrausen. Regisseur Coogler fängt das eindringlich in einem Rückblick im San- Quentin-Gefängnis ein, wo Grant 2007 eine Drogenstrafe absaß.

Der tödliche Ausgang von "Nächster Halt Fruitvale Station" ist bekannt, doch damit verliert der Film auch am Ende nichts von seiner fesselnden Intensität: Nach einer ausgelassenen Sylvesternacht mit Freunden in San Francisco geht es mit der U-Bahn nach Oakland zurück. Es bricht ein Streit unter einigen Fahrgästen aus, die alarmierte Bahn-Polizei zerrt an der Fruitvale Station nur die Gruppe junger Schwarzer aus dem Wagen. Nach einer angespannten Konfrontation liegt Grant wehrlos auf dem Boden. Dann fällt der Schuss.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ein Meisterwerk: "Nächster Halt Fruitvale Station"

(dpa)