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Kinostart: "Die schwarzen Brüder" als düsterer Film

Kinostart : "Die schwarzen Brüder" als düsterer Film

"Die schwarzen Brüder" sind ein Jugendbuchklassiker. Seit der Veröffentlichung 1941 haben unzählige Kinder mit den Kaminkehrer-Buben, den Spazzacamini, mitgefiebert, die sich gegen die unmenschliche und gefährliche Arbeit im Mailand des 19. Jahrhunderts auflehnen und als Bande schließlich den Aufstand proben.

Nun hat der Schweizer Xavier Koller gewagt, die Geschichte mit Waldemar Kobus, Moritz Bleibtreu und Sabine Timoteo als deutsch-schweizeriche Koproduktion zu verfilmen.

Allerdings hätte man den Filmemachern mehr Mut gewünscht, dieses Thema für Kinder spannungsreicher umzusetzen und auf die mitunter plakative Schwarz-Weiß-Malerei zwischen Gut und Böse zu verzichten. Trotz mancher intensiver Momente bleibt vieles an der Oberfläche und wird beschönigt. Statt eines berührenden, packenden Leinwandabenteuers sind "Die Schwarzen Brüder" deshalb eher ein Sozialdrama im Weichspülgang.

Der Film führt gleich mitten ins Geschehen: Ein skrupelloser Kinderhändler (Moritz Bleibtreu) nutzt die Not von Giorgios Familie aus und kauft ihnen den Sohn für ein paar Franken ab. In Mailand verhökert er ihn und andere Jungen als Arbeitssklaven. Doch unbemerkt planen die Kinder ihre Rache — in den Katakomben unter einer Kirche. Sinnbild für ihre unbändige Sehnsucht nach Freiheit sind die gestohlenen Augenblicke, in denen sie rußverschmiert oben aus ihren Kaminen klettern und einander zurufen. Diese Szenen gehören zu den schönsten des Films.

(RP)