Buch-Kritik: Judith Kashti-Kroch: Es geht den Menschen wie den Leuten

Buch-Kritik : Judith Kashti-Kroch: Es geht den Menschen wie den Leuten

Warum verschwinden Nudeln im Topf? Schlafen kleine Kinder wirklich so fest, wie man hofft? Wie kommt der Grippevirus in die Brötchentüte? Fragen über Fragen... Die Autorin Judith Kashti-Kroch hat einige Antworten parat: lustige, traurige. Antworten, die zum Nachdenken anregen, vor allem aber zum Lachen. Besser gesagt, zum Schmunzeln und Kichern.

Denn ihr kleines Buch "Es geht den Menschen wie den Leuten" kann man, schon aufgrund der Leichtigkeit, immer mal wieder in die Hand nehmen. Das 58-seitige Bändchen können auch Lesemuffel leicht schaffen, zumal ihre Anedoten in ein- bis zweiseitige Happen aufgeteilt sind. Dabei kann Judith Kashti-Kroch auf ihre langjährige Erfahrung zurückgreifen, denn sie wurde 1924 geboren und hat seitdem offenbar recht viel erlebt. In ihren Kurzgeschichten geht es um Enkeltöchter, die sich im Gegensatz zum Enkelsohn auch für die Geschenke bedanken, die ihnen nicht sonderlich gefallen (dies aber dann auch lautstark vom undankbaren Brüderchen einfordern), eine Frischvermählte, die die Nudeln - ähnlich wie Linsen oder Bohnen praktischerweise schon am Vorabend in den Wassertopf legt und sich über die aufgelösten "geklauten Nudeln" wundert oder den frechen Herrn Maus, der sich kaum aus dem Haus jagen lassen will, weil's doch im Kinderbett viel gemütlicher ist als an der ollen Mülltonne...

Kaffeepulver und Ringelnatter

Kashti-Krochs Geschichten enthalten allesamt ein Augenzwinkern und sind weit davon entfernt, den Tenor "früher war alles besser" anzustimmen. Die Autorin ist eine moderne Frau, die auch vor E-Mail-Kontakten nicht zurückschreckt, wenngleich sie der guten alten Briefmarke schon etwas nachtrauert. Interessiert verfolgt der Leser, wie man in den Vierziger Jahren den Führerschein machte und statt das Blinklicht einzuschalten das Fähnchen umklappte. Oder wie die Mutter, mit den Kindern im Zug auf der Flucht vor der in der Stadt grassierenden Influenza, auf den Snack verzichtete, weil der Küchengehilfe wohlmeinend die Cellophantüten aufblies, um das Brötchen besser hineinschieben zu können... Lediglich einige Geschichten hinterlassen, wie das Gedicht "Lügen", einen leicht faden Beigeschmack, weil sie etwas zu bemüht und ernst daherkommen: Die Frau, die ihr gesamtes Leben auf Unwahrheiten aufgebaut hat, wird zum Schluss Politikerin, weil sie nichts kann und nichts ist.

Dennoch: Die meisten der 32 Geschichten sind erfrischend, amüsant und witzig. Was davon "erlebt" und was "erfunden" ist, lässt Frau Kashti-Kroch bewusst offen — und das ist auch gut so. Denn mancher, der sich vor Schlangen fürchtet, mag sich nicht vorstellen, dass er statt des erwählten Gartenschlauchs plötzlich eine Ringelnatter in der Hand hält. Und ob die junge Frau, die für ihre Schwiegermutter einen schönen Kuchen backen wollte, anstatt des aufgelösten Kaffeepulvers tatsächlich den Nescafé pur in den Teig streute, beruhigt so manchen, dem das auch passieren könnte.

Insgesamt ein nettes, manchmal leicht betuliches Werk, das aber aufgrund der sympatischen Schreibweise nie langweilig wird. Eben "ein Geschenk für die Oma und andere junge Leute", denen die Autorin das Buch gewidmet hat.

(rpo)
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