Schreibender Förster: Helmut Sakowski ist tot

Schreibender Förster : Helmut Sakowski ist tot

Neustrelitz (rpo). Im Alter von 81 Jahre ist der Schriftssteller Helmut Sakowski am Freitagmorgen gestorben. Der 1924 im brandenburgischen Jüterbog geborene Autor wurde zunächst Förster, bevor er seine Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte. In seinen Büchern widmete er sich vor allem dem sozialistischen Leben auf dem Lande.

Zu seinen Erfolgen zählten die Romane "Daniel Druskat", "Wege übers Land" und "Die Verschworenen", die alle auch für das DDR-Fernsehen verfilmt wurden. Sakowski war auch Abgeordneter der Volkskammer und Mitglied in hohen SED-Gremien. Den Sozialismus hielt Sakowski lange Zeit, wie er einmal bekannte, "für die faszinierendste Idee des Jahrhunderts".

Jeden Morgen um 8 Uhr begann für Helmut Sakowski in Pälitzhof der Arbeitstag, wie er noch anlässlich seines 80. Geburtstages im vergangenen Jahr erzählte. Das frühe Aufstehen habe er wohl noch aus seiner Försterzeit, sagte der Jubilar damals. Von seinem wuchtigen Schreibtisch streifte sein Blick weit über die Landschaft. Sakowski schrieb seine Erstfassung nicht am Computer, sondern mit Kugelschreiber in Schreibhefte, dann diktierte er die Texte seiner Mitarbeiterin in den Rechner.

Schreiben gegen das Vergessen

In dem kleinen Ort sind alle seine Werke entstanden - "Wege übers Land", "Daniel Druskat", "Herzog von Wendenburg" und die Geschichten der "Katja Henkelpott". Der Fünfteiler "Wege übers Land" hatte Sakowski einst berühmt gemacht. 1968 waren die Filme mit Ursula Karusseit und Manfred Krug ein Straßenfeger in der DDR.

Sakowski verstand sich immer als Chronist seiner Zeit und schrieb gegen das Vergessen. Seine Werke sind Wege durch die Zeiten und beleuchten eine Spanne von 60 Jahren und mehr. In dem zuletzt erschienenen Roman "Die Geliebte des Hochmeisters" (2004) schlägt er einen Bogen vom Zweiten Weltkrieg über die DDR und die Wende bis in die Gegenwart.

Mit 18 musste Sakowski als Soldat in den Zweiten Weltkrieg ziehen. "Als ich mit 20 noch am Leben und der Krieg vorbei war, habe ich mir nicht vorstellen können, was sich Jahrzehnte später in Jugoslawien und im Irak abspielt", sagte der Autor kurz vor seinem 80. Geburtstag. Geschichte scheine sich zu wiederholen, deshalb müsse man gegen das Vergessen angehen.

Den Sozialismus habe er lange für die faszinierendste Idee des Jahrhunderts gehalten, bekannte Sakowski. Für das damalige Mitglied des SED-Zentralkomitees brachte die Wende tiefe Einschnitte: "Die DDR-Literatur sollte in den Orkus der Geschichte. Aber wir haben doch nicht nur eine Ideologie bedient, sondern auch von den Sorgen der Menschen erzählt."

Beinahe hätte es sein "Herzog von Wendenburg" wieder ins Fernsehen geschafft. Doch letztlich scheiterte das von Manfred Krug unterstützte Projekt, die Verfilmung wurde abgelehnt. Seine Enkelinnen regten ihn später zu "Katja Henkelpott" an. Die ab 1991 erschienenen, witzig-frechen Henkelpott-Bücher eroberten ein neues Publikum, auch im Westen. So lehnte sich Sakowski nach der Wende mal etwas zufrieden zurück und meinte: "Ich habe ein junges Publikum im Westen und ein erwachsenes im Osten." Mehr noch: "Katja Henkelpott" schaffte es immerhin in Übersetzungen sogar bis nach Asien.

Am Freitagmorgen starb der beliebte DDR-Autor 81-jährig in seinem Haus im Wesenberg nahe Neustrelitz, wie die Zeitung "Neues Deutschland" unter Berufung auf die Familie berichtete.

(afp)
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