Kolumne: Der Ökonom: Die EU schützt vor Gift aus China

Kolumne: Der Ökonom : Die EU schützt vor Gift aus China

Brüssel steht oft für Bürokratie und Bürgerferne. Die EU kann aber auch anders. Das Frühwarnsystem "Rapex" spürt gefährliches Spielzeug und giftige Kleidung auf.

Der Markt ist in vielen Bereichen das beste Kontrollsystem - auch im Verbraucherschutz. Wenn Firmen schadhafte Produkte liefern oder ungesunde Substanzen verwenden, verschwinden sie schnell vom Markt, wenn das bekannt wird. Gute Unternehmen werden deshalb auf ihr Image nichts kommen lassen und von selbst bei Produktion und Einsatzstoffen so sorgfältig wie möglich vorgehen. Und Kunden können sich dann auf solche Marken verlassen, auch wenn sie dafür mitunter etwas mehr bezahlen müssen.

Brauchen wir dann überhaupt Kontrollen wie das Frühwarnsystem "Rapex", mit dem die europäischen Länder einander vor gefährlichen Waren warnen, die die EU-Kommission dann verbieten kann? Die Antwort ist: Ja. Denn längst ist das Angebot so unüberschaubar geworden, dass der Verbraucher einfach zu viel Zeit dafür verwenden würde, alles zu prüfen und die Glaubwürdigkeit der Anbieter zu bewerten. Hier hat der Staat eine Aufgabe, die der Markt allein nicht leisten kann. Eine Warnung durch "Rapex" ist viel effizienter, als wenn Vergleichsportale im Internet das schier endlose Angebot auf Schadstoffe untersuchten und dies den Verbrauchern noch in Rechnung stellten.

Schon ein gedankenloser Kauf - etwa eines chinesischen Spielzeugs, an dem ein Baby ersticken könnte - richtet so großes Unheil an, dass der Markt als reines Kontrollsystem ausfällt. Es ist auch richtig, dass Behörden solche Produkte - wie auch giftige Textilien, lösliche Kunststoffteile oder chemisch verunreinigte Teddybären - aus dem Markt ziehen.

Dass die Zahl der Verbote jährlich wächst, muss indes nicht bedenklich stimmen. Denn in gleicher Weise nimmt die Auswahl zu. Und nicht alle Spielsachen aus China oder Textilien aus Bangladesh sind schlecht. Schließlich müssen sich die Anbieter aus solchen Ländern auch Gedanken machen, wie sie das schädliche Image wieder loswerden. Sie werden mit Zertifikaten werben, die aus Ländern mit strengen Auflagen stammen. Insofern verbessern staatliche Kontrollen, wenn man sie nicht übertreibt, sogar das Angebot.

Fragen? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinsche-post.de

(RP)
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