Kolumne: Der Ökonom: Warum sich Unternehmen scheiden lassen

Kolumne: Der Ökonom : Warum sich Unternehmen scheiden lassen

Gewöhnlich erschüttern spektakuläre Fusionen die Kapitalmärkte. In jüngster Zeit lassen sich Großunternehmen lieber scheiden - bisweilen zu Lasten des Steuerzahlers.

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp will seine amerikanischen Hüttenwerke loswerden, der Chemie- und Pharmakonzern Bayer plant, sich vom Kerngeschäft Kunststoff zu trennen, und der Energiekonzern Eon möchte die Kohle- und Atomkraftwerke in eine eigene Gesellschaft auslagern. Wer beklagt, dass sich die Wirtschaft durch Großfusionen immer stärker konzentriert, sollte zur Kenntnis nehmen, dass Unternehmen sich auch scheiden lassen können.

Ein besonders starkes Beispiel für Firmenspaltung ist der Konzern Hewlett Packard. Der hat erst die Messgerätesparte abgetrennt. Dieser neue Konzern teilte sich dann in Labortechnik und Netzmessung. Jetzt will sich einer der Teilkonzerne erneut spalten. Es gibt offenbar eine unendliche Teilbarkeit bei Unternehmen. Interessant ist, dass alle Teile stark im Wert wuchsen. Die Summe der Teile ist oft wertvoller als das ganze Unternehmen.

Der wichtigste ökonomische Grund für eine Unternehmensteilung liegt in den unterschiedlichen Renditen und Risiken der einzelnen Konzernsparten. Bei Bayer flossen die meisten Investitionsgelder in die hochprofitable aber auch riskante Pharma- und Pflanzenschutzsparte, während der klassische Chemiesektor leer ausging. Das macht aus Aktionärssicht keinen Sinn. Für den Anleger ist es besser, unterschiedliche Firmenaktien in sein Depot zu nehmen als unter einem Konzerndach unterschiedliche Risiken abzudecken.

Der Markt bestimmt die optimale Unternehmensgröße. Lassen sich mit mehreren Sparten oder mit Massenproduktion Kosten einsparen, entstehen Großkonzerne. Die können wieder kleiner werden, wenn das für Anlageentscheidungen effizienter ist.

Schlitzohrig ist das Splitting des Eon-Konzerns. Den Aktionären sollen die zukunftsträchtigen Teile des Konzerns gehören, während der Rückbau der Atom- und Kohlekraftwerke in einer Abspaltung des Konzerns verbleibt. Die Lasten könnten dann im Falle einer Insolvenz dem Steuerzahler anheim fallen.

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(RP)