Kolumne: Der Ökonom: Harte Hand gegen Google

Kolumne: Der Ökonom : Harte Hand gegen Google

Große Internetfirmen wie Google oder Facebook nutzen ihre Monopolmacht zum Schaden des Verbrauchers aus. Die EU muss ihre Macht brechen.

Deutschland ist der Ausrüster der Welt. Bei Fahrzeugen, Haustechnik, Werkzeugmaschinen oder medizinischen Geräten macht den Deutschen so schnell niemand etwas vor. Doch diese Position könnte in Gefahr geraten, wenn das Internet der Dinge kommt. Darunter wird die Vernetzung von Maschinen und Produkten verstanden. Hausgeräte, Autos oder Werkzeugmaschinen können über Netze und mittels einer intelligenten Software miteinander kommunizieren. Bis 2020 sollen über 50 Milliarden Geräte vernetzt sein, schätzt der frühere SAP-Chef Henning Kagermann. Das Geschäft, das aus dieser Vernetzung kommt, so fürchtet der IT-Experte, könnte allein den US-Internetgiganten zugute kommen. Die Deutschen wären nur Zulieferer, die die Kapitalwerte der Internetriesen in astronomische Höhen steigern würden.

Nun ist es dem Verbraucher egal, ob die Zulieferer deutsch und die Vernetzer amerikanisch sind. Es dürfte ihm weniger egal sein, wenn Große der Branche wie Google oder Facebook ihre Macht ausnützen, um überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen. Ein Netzwerk ist ein natürliches Monopol. Denn jeder zusätzliche Nutzer von Google macht die Suchmaschine für die übrigen Anwender wertvoller. Das nennt man Netzwerkeffekte, wonach jeder neue Nutzer dem Anbieter des Netzwerks steigende Grenzerträge beschert. Am Ende bleibt nur ein Unternehmen übrig, das dann die Bedingungen der Zulieferer und Nutzer nach Belieben bestimmt.

Man könnte die Monopolmacht brechen, wenn man Unternehmen wie Google oder Facebook zerschlüge. Das hätte aber den Nachteil, dass deren Technologiefähigkeit drastisch beschnitten würde. Besser wäre es deshalb, solche Konzerne zu mehr Transparenz zu zwingen. Eine Zerschlagung wäre nur der bessere Weg, wenn der Schaden des Monopols die technologischen Vorteile des Netzwerks überwiegen würde.

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(RP)
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