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Kolumne: Der Ökonom: Richtige Einwanderungspolitik zahlt sich aus

Kolumne: Der Ökonom : Richtige Einwanderungspolitik zahlt sich aus

Einwanderung ist derzeit politisches Top-Thema. Idealisten propagieren die Multi-Kulti-Gesellschaft. Ökonomen sehen die Vor- und Nachteile der Einwanderung nüchterner.

Die Ökonomie hat sich seit ihrer Entstehung als Wissenschaft mit internationalen Problemen beschäftigt. Außenhandel macht sogar die Wanderung von Arbeitskräften überflüssig. Denn internationale Lohnunterschiede sind Ausdruck unterschiedlicher Knappheiten. Wenn sich jetzt Länder mit vielen Arbeitskräften auf arbeitsintensive Güter spezialisieren, die mit hohem Kapitalbestand auf die kapitalintensiven, besteht sogar eine Tendenz zum Ausgleich der Faktorpreise. Die Löhne würden sich in allen Weltgegenden entsprechend ihrer Produktivität angleichen. Damit entfiele jeder ökonomische Anreiz, ein armes Land auf der Suche nach einem besseren Job zu verlassen.

Leider ist die Welt nicht so gestrickt. Die technologische Entwicklung ist nicht überall gleich, der Außenhandel nicht so perfekt, dass es zur Angleichung der Löhne kommt. Wann zahlt sich also Einwanderung aus? Die erste Antwort liegt in großen Lohnunterschieden bei gleicher Produktivität. Ein indischer Informatiker ist in der Regel kaum schlechter als ein deutscher. Wenn Indien aber nicht direkt Software verkauft, besteht für die Fachkraft ein Anreiz, nach Deutschland zu kommen. Davon profitiert der Migrant durch höheren Lohn, während die deutsche Software-Industrie wettbewerbsfähiger wird. Allerdings verspüren deutsche Spezialisten einen Druck auf ihre Gehälter. Die zweite Antwort liegt in Größenvorteilen. Danach steigt die Produktivität, weil durch größere Produktion die Stückkosten sinken oder eine bessere Arbeitsteilung möglich wird. Hier nutzen Migranten allen.

Freilich hat Einwanderung auch Nachteile. Häufig sind Migranten von ihren Familien getrennt. Zudem ist die Integration aufwendig. Das sind die sozialen Kosten, die man von den volkswirtschaftlichen Erträgen der Zuwanderung aIVKK bziehen muss. Auf diesen Saldo sollte eine rationale Einwanderungspolitik zielen. Dann wird Zuwanderung für alle zum Geschäft.

Fragen? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinische-post.de

(RP)