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Große Nachfrage nach Start-up-Hilfen der NRW.Bank und des Landes

Zahl der Anfragen steigt wieder : Große Nachfrage nach Start-up-Hilfen des Landes

Die Corona-Krise trifft auch viele Start-ups massiv. Um zu verhindern, dass innovative Unternehmen an dieser Ausnahmesituation scheitern, haben Bund und Land im Frühjahr Hilfspakete aufgelegt. Je höher die Fallzahlen steigen, desto größer wird der Bedarf.

Das Bild ist ziemlich abgegriffen, aber auf Phillipe Münzenmaier trifft es perfekt zu: die emotionale Achterbahnfahrt. Auch der Gründer hat sie in diesem Jahr erlebt, die Höhen und Tiefen, den Ärger und die Euphorie. „Eigentlich wollten wir Ende des Jahres eine neue Finanzierungsrunde machen. Es haben sich aber einige Dinge aufgrund von Corona verzögert, wir konnten unter anderem erst später als geplant mit unserer App starten“, sagt Münzenmaier.

2019 hatte der Düsseldorfer seinen Job als Berater gekündigt, um sich mit seiner Idee selbstständig zu machen. Seit diesem Jahr ist die Kid-Coins-App am Markt, mit der Kinder spielerisch virtuelle Münzen als Belohnung für die Erledigung realer Aufgaben sammeln können: Betten machen, Aufräumen, all die Dinge, die nicht immer gerne gemacht werden. „Inzwischen wurde unsere App fast 11.000 Mal heruntergeladen“, sagt der dreifache Familienvater. Der Gründer sieht, dass es einen Markt für sein Produkt gibt, arbeitet aber gleichzeitig daran, einige technische Schwierigkeiten Stück für Stück abzustellen.

Die Zeit bis zur nächsten Finanzierungsrunde überbrückt er aktuell mit einem Hilfsprogramm, das die Landesregierung und die landeseigene Förderbank NRW.Bank im Frühjahr aufgelegt hatten, um durch die Corona-Krise in Not geratenen Start-ups zu helfen. Denn viele leiden unter der Krise massiv, etwa weil Aufträge wegbrechen, Projekte im Umfang gekürzt werden oder Kunden Zahlungsziele nach hinten verschieben. 

Wie groß der Bedarf ist, zeigen Daten der NRW.Bank: 84 Start-ups haben demnach bereits beim Programm Start-up akut eine Zusage bekommen, unter ihnen Münzenmaiers Unternehmen. Die Gründer bekommen dabei ein Darlehen von bis zu 200.000 Euro, das nach Ablauf in Firmenanteile gewandelt werden kann. Insgesamt hat die NRW.Bank auf diesem Weg bereits 15,6 Millionen Euro an Hilfsgeldern zugesagt. Die zweite Welle der Pandemie macht sich dabei auch in der Gründerszene bemerkbar, hat Christoph Büth, Leiter des Bereichs Eigenkapitalfinanzierungen bei der NRW.Bank, festgestellt: „Seit Ende Oktober zieht die Nachfrage nach unserem Programm Start-up akut wieder stärker an, so dass wir wahrscheinlich zum Jahresende mehr als 100 Fälle eingebucht haben werden.“

Hinzu kommen weitere Programme für Start-ups in einem etwas fortgeschritteneren Stadium. Über den Venture-Fonds, bei dem sich die NRW.Bank im ersten Schritt mit bis zu drei Millionen Euro an Start-ups beteiligt, wurden neun Unternehmen bereits neun Millionen Euro zugesagt. Aktuell laufen allerdings 50 weitere Anfragen mit einem Volumen von 50 Millionen Euro.

Dass all diese Unternehmen auch am Ende Kapital bekommen, glaubt Büth nicht. Auch bei Start-up akut gebe es eine nennenswerte Zahl an Absagen. „Es gibt zum Beispiel auch Fälle, wo wir in Zweifel ziehen, dass das Geschäft wirklich von Corona betroffen ist“, sagt Büth. Auch und gerade als Förderbank prüfe man genau, ob das Geschäftsmodell auch abseits von Corona tragfähig ist.

Die Bundesregierung hatte im Frühjahr ein Hilfspaket für Start-ups im Umfang von zwei Milliarden Euro angekündigt, das aus zwei Säulen bestand. Der NRW.Bank kommt dabei im bevölkerungsreichsten Bundesland die Aufgabe zu, die Hilfen der sogenannten Säule II an die Start-ups weiterzuleiten. Da diese Mittel allerdings erst relativ spät bereit standen, wurden die Maßnahmen von Bundesregierung und EU-Kommission noch einmal um ein halbes Jahr verlängert, anstatt Ende diesen Jahres auszulaufen.

Christoph Büth begrüßt diesen Schritt, sagt aber auch: „Die Gründungs- und Finanzierungsaktivitäten sind durch die Pandemie nicht zusammengebrochen.“ Im Frühjahr habe es eine Schockstarre auf Seiten der Investoren gegeben. Inzwischen sei weniger Euphorie und mehr Bedacht im Markt. „Für tragfähige, zukunftsweisende Startups finden sich auch in der Corona-Krise Investoren im Markt.“

Kid-Coins-Gründer Phillipe Münzenmaier will voraussichtlich im nächsten Jahr noch einmal eine weitere Finanzierungsrunde starten. „Mit Start-up akut haben wir jetzt erstmal wieder einen finanziellen Puffer, der es uns ermöglicht die nächsten Schritte zu gehen“, sagt Münzenmaier am Ende dieses anstrengenden, aber für ihn auch aufregenden Jahres: „Und natürlich motiviert es auch, dass die NRW.Bank an unserer Seite ist und an das Geschäftsmodell glaubt.“