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Start-up-Verband NRWalley stellt sich neu auf

Eigene Fördermitglieder und neue Schwerpunkte : Start-up-Verband NRWalley stellt sich neu auf

Zum Jahreswechsel hatte sich NRWalley vom Bundesverband Deutsche Startups abgespalten. Doch der Neustart geriet angesichts der Corona-Pandemie zur Herausforderung. Doch nun blicken die Verantwortlichen optimistisch nach vorne.

Torsten Jensen hat große Pläne: „Unser Ziel ist, dass uns jedes Start-up kennt und wir jedes Start-up kennen.“ Der Unternehmensberater ist der Vorsitzende des Vereins NRWalley. Zum Jahreswechsel hatte sich NRWalley vom Bundesverband Deutsche Startups abgespalten – nun wagt die Interessenvertretung von Start-ups eine Art Neustart, der eigentlich schon viel früher im Jahr vorgesehen war. Doch die Corona-Pandemie machte diese Pläne zunichte.

Rückblende: 2018 hatte der Bundesverband Deutsche Startups in NRW seinen ersten Landesverband gegründet. Die Stelle des Landesgeschäftsführers übernahm damals Christoph Heyes, der dafür aus Berlin in seine Heimatstadt Willich zurückkehrte. Unter dem Namen „NRWalley“ etablierte Heyes anschließend gemeinsam mit Mitstreitern wie Jensen den Landesverband. Doch im vergangenen Jahr kam es zu einem Wechsel an der Spitze des Berliner Bundesverbands, der langjährige Verbandschef Florian Nöll wurde vom Investor Christian Miele abgelöst, der mit einem neuen Team andere Akzente setzen wollte – eine Landesgeschäftsstelle gehörte nicht mehr zum Konzept.

Im Februar wurde NRWalley als eigener Verein eingetragen

Am 20. Februar 2020 wurde NRWalley daher als eigener Verein eingetragen, stand jedoch auch vor der Herausforderung, dass er sich nun über eigene Unterstützer finanzieren musste, denn Start-ups können bei NRWalley kostenlos Mitglied sein. 150 junge Unternehmen sind bei NRWalley bereits dabei. Die Suche nach Fördermitgliedern gestaltete sich bedingt durch die Corona-Pandemie hingegen zunächst schwierig. Doch inzwischen konnte der Verein 15 Fördermitglieder gewinnen, darunter namhafte Unternehmen wie der Automobilzulieferer Coroplast aus Wuppertal, der Außenwerbungsspezialist Ströer aus Köln oder die Düsseldorfer Agentur Saatchi & Saatchi. Dass speziell viele Mittelständler wie etwa auch im Bereich Umweltschutz tätige Unternehmen Denios Mitglied seien, erklärt Jensen so: „Der Mittelstand hat Ziele vor Ort – da macht es beispielsweise Sinn, über uns als Fördermitglied einen eigenen Zugriff zu haben.“

Der Verein sei aus der Krise gestärkt hervorgegangen, heißt es in einer Pressemitteilung von NRWalley. Nun sei man bestens dafür gerüstet, jene Meilensteine anzugehen, die man sich selbst auf dem Weg gesetzt habe. Das dreiköpfige Vorstandsteam bestehend aus Torsten Jensen, Markus Gick und Felicia Kufferath will gemeinsam mit Mitstreitern in den jeweiligen Regionen dafür sorgen, dass mehr Fachkräfte und Gründer nach NRW kommen und die Zahl der weiblichen Gründer steigt. „Auch bei Start-ups gibt es noch Verbesserungspotenzial beim Thema Familienfreundlichkeit. Das ist für uns daher auch ein Bereich, den wir uns vornehmen wollen“, sagt Markus Gick.

Der Verein will eigene Daten erheben

Der Verein sieht sich als Sprachrohr der Szene. Dazu will das Team auch noch stärker Daten über die Szene sammeln und aufbereiten bzw. selbst erheben. „Es hilft einfach, wenn wir unsere politischen Forderungen mit Daten hinterlegen können“, sagt Markus Gick. Umgekehrt sollen offenbar auch die Politiker stärker in die Pflicht genommen werden. „Wir haben bei der Kommunalwahl die Parteien nach ihren Zielen befragt, damit man sie am Ende in ein paar Jahren daran messen kann. Solche Wahlprüfsteine wollen wir auch bei kommenden Wahlen machen“, sagt Torsten Jensen.

NRWalley will so die Rahmenbedingungen für Gründer und Gründungen langfristig verbessern. Bereits im Frühjahr suchte man zu Beginn der Pandemie das Gespräch mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), um über die Folgen der Pandemie für die Start-ups im Land zu sprechen. Damals gab es bei vielen die Befürchtung, dass viele Start-ups die Krise nicht überleben könnten.

„Ich habe bislang kein Massensterben bei Start-ups wahrgenommen“, sagt Torsten Jensen. Allerdings, ergänzen Markus Gick und Felicia Kufferath, sei bislang auch noch nicht abzusehen, wie viele Firmen und speziell auch Start-ups mit einer geringeren Kapitalausstattung insolvent gehen werden. Die Krise träfe Start-ups unterschiedlich hart – je nach Alter, Branche und Produkt. Viele Start-ups aus dem Geschäftskundenbereich (B2B) würden beispielsweise massiv leiden, weil bestehende Projekte in Umfang und Ressourcen gekürzt oder zukünftige Projekte und sogar Zahlungsziele verschoben würden. An Arbeit, so viel ist klar, mangelt es den Ehrenamtlern bei NRWalley jedenfalls nicht.