1. Wirtschaft
  2. Unternehmen
  3. Start-ups

175-Millionen-Fonds ECBF plant Investments in die Kreislaufwirtschaft

Klimaschutz und Rendite : Neuer 175-Millionen-Fonds ECBF plant Investments in die Kreislaufwirtschaft

Das Klima retten und gute Renditen erzielen – das schließt sich aus Sicht des Risikokapital-Investors Michael Brandkamp nicht aus. Gemeinsam mit Partnern hat er nun Europas größten Fonds für die Kreislaufwirtschaft aufgelegt.

Michael Brandkamp hat den Bonner Hightech-Gründerfonds aufgebaut und fast 15 Jahre geleitet. Doch am 31. Dezember 2019 war Schluss. Denn der Investor, der so viele Start-ups gesehen und finanziert hat, wollte selbst nochmal zum Gründer werden und einen eigenen Fonds aufbauen. Im Grunde war alles geplant. Nur mit einer weltweiten Pandemie hatte man nicht gerechnet.

„Ich dachte, wir würden im März mit dem neuen Fonds starten“, sagt Brandkamp. Doch Corona habe vieles komplizierter gemacht. Keiner wusste anfangs, wie es weitergeht. An den Kapitalmärkten herrschte große Unsicherheit. Und das Interesse, genau in so einer Phase Millionen für etwas auszugeben, was man gemeinhin als Risikokapital bezeichnet, war nicht besonders groß – selbst wenn damit die Zukunft gerettet werden sollte.

Innerhalb von zwei Monaten verdoppelte sich das Fondsvolumen

Und es ging ja nicht gerade um kleine Beträge, die Brandkamp gemeinsam mit seinen Partnern Michael Nettersheim und Dirk Saßmannshausen von Kapitalgebern einsammeln wollte, wie es so schön im Start-up-Deutsch heißt. Bis Oktober hatte das Team erst Zusagen von 82 Millionen Euro von den insgesamt geplanten 250 Millionen Euro für ihren European Circular Bioeconomy Fund, kurz: ECBF. Doch nun konnte das Team die Fondsgröße innerhalb von nur zwei Monaten auf 175 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Zu den Investoren zählen unter anderem der Lebensmittelkonzern Nestlé, die landeseigene Förderbank NRW.Bank, die mit einem einstelligen Millionenbetrag einsteigt, und die Dortmunder Versicherung Volkswohl Bund, die einen zweistelligen Millionenbetrag investiert.

Der ECBF ist der erste Risikokapital-Fonds in Europa, der sich ausschließlich Projekten im Bereich der Bioökonomie und nachhaltigen Kreislaufwirtschaft widmet. „Digitalisierung ist wichtig, aber das next big thing ist die Kreislaufwirtschaft“, sagt Michael Brandkamp, der den in Luxemburg angesiedelten Fonds von Bonn aus führt. Sobald die Corona-Pandemie vorbei ist, werde der Klimawandel wieder die wichtigste Rolle für die Sicherung der Zukunft spielen, ist Brandkamp überzeugt. Schon jetzt sehe man in vielen Supermärkten, dass sich Produkte stark verändern. „Es gibt mehr vegetarische Produkte, alles wird nachhaltiger, weil der Konsument das möchte“, sagt Brandkamp. Die Transformation der bisherigen Wirtschaft ist aus seiner Sicht schon voll im Gange.

Für NRW sieht der Investor großes Potenzial

Anders als den 2005 gestartete Hightech-Gründerfonds, den Brandkamp auch mit Mitteln des Bundes aufgebaut hat, soll der ECBF nicht in Frühphasen-Start-ups investieren. Die Unternehmen, die Brandkamp und Co. suchen, müssen schon nachgewiesen haben, dass ihr Geschäftsmodell und ihr Produkt funktionieren. Ob es sich dann um Futtermittel aus Insekten oder Öl aus Obstschalen handelt, mit dem neue Produkte hergestellt werden, ist erstmal egal. Die Hauptsache ist, dass der Ressourcenverbrauch minimiert und das Klima geschont wird. In der Vergangenheit, sagt Brandkamp, seien Impact, also ein positiver Einfluss beispielsweise auf Umwelt oder Gesellschaft, und Rendite Gegensätze gewesen. „Wir glauben, dass sich das jetzt ändert.“ Der ECBF sucht gezielt nach grünen Geschäftsmodellen. 20 Prozent Rendite will man dennoch mindestens erzielen.

Brandkamp ist überzeugt, dass Europa eine führende Rolle in der Kreislaufwirtschaft spielen kann. Man habe in dem Bereich Top-Wissenschaftler in Europa. Auch für NRW sieht der Investor großes Potenzial.

Umgekehrt könnte auch das Bundesland von der räumlichen Nähe zum ECBF profitieren, weil dieser sehr viel internationales Kapital verwaltet, das so seinen Weg nach NRW finden könnte. Neun Investoren aus fünf europäischen Ländern sind aktuell beteiligt. Weitere sollen folgen. Bis August 2021 hat sich das Team vorgenommen, die Marke von 250 Millionen Euro zu erreichen. Mit diesem Geld soll dann das vorangetrieben werden, was für Michael Brandkamp vor einiger Zeit mit einem Gespräch begann: „Meine jüngste Tochter hat gesagt, dass ich mal etwas für die Umwelt tun müsste.“