Industrie-Imperium Thyssenkrupp zerfällt

Kommentar zu den Entlassungen : Industrie-Imperium Thyssenkrupp zerfällt

Lange hatten die aktivistischen Investoren bei Thyssenkrupp darauf hingearbeitet, dass der Mischkonzern zerlegt wird und seine lukrativen Geschäftsteile veräußert werden. Diesem Ziel sind sie nun zum Greifen nah.

Ex-Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte sich dagegen gestemmt und am Ende entnervt hingeworfen, sein Nachfolger Guido Kerkhoff hatte versucht, den Ausverkauf mit der Aufspaltung noch abzuwenden. Die hätte aber allenfalls bei Zustandekommen des umstrittenen Stahl-Joint-Ventures mit Tata Steel funktioniert. Ein riskantes Spiel. Denn dass die selbstbewusste EU-Kommissarin Margrethe Vestager vor unpopulären Entscheidungen nicht zurückschreckt, hatte sie in der Vergangenheit mit ihren Strafen gegen die großen US-Tech-Konzerne und der Ablehnung der Zugfusion von Alstom und Siemens bewiesen.

Vestagers Nein bescherte Kerkhoff eine krachende Niederlage. Wer monatelang durch die Lande tingelt und verkündet, die Teilung sei alternativlos, büßt bei einer derart radikalen Kehrtwende zwangsläufig Glaubwürdigkeit ein. Eine schlechte Ausgangsposition für jemanden, der nun den endgültigen Ausverkauf eines Industrie-Imperiums abwehren soll.

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