Thyssenkrupp stoppt Aufspaltung und plant Börsengang der Aufzugsparte

Pläne vom Tisch : Thyssenkrupp streicht 6000 Stellen

Der Essener Industriekonzern sagt die geplante Aufspaltung ab. Auch das Tata-Bündnis ist vom Tisch. Um Geld in die Kassen zu bekommen will Konzernchef Guido Kerkhoff die Aufzugsparte an die Börse bringen. 6000 Stellen werden gestrichen, 4000 davon in Deutschland.

Paukenschlag bei Thyssenkrupp. Der Industriekonzern teilte am Freitagmittag mit, die geplante Aufspaltung in zwei Teile werde nicht erfolgen. Auslöser ist laut der Ad-hoc-Mitteilung das drohende Scheitern der geplanten Stahl-Fusion mit dem indischen Konkurrenten Tata. Die EU-Wettbewerbshüter hatten Bedenken gegen den Zusammenschluss geäußert und eine erneute Marktbefragung beauftragt. Diese hat nach Angaben des Essener Konzerns die Bedenken nicht ausräumen können, „obwohl die Partner signifikante weitere Zugeständnisse angeboten hatten“, heißt es in der Pflichtmitteilung. Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff hatte schon im Vorfeld signalisiert, dass er nicht bereit sei, der Kommission weiter entgegenzukommen.

Das Management werde dem Aufsichtsrat vorschlagen die geplante Teilung in zwei eigenständige, unabhängige Unternehmen abzusagen. Stattdessen will Kerkhoff eine schlankere Holding-Struktur durchsetzen und die Aufzugssparte an die Börse bringen.

Das ist ein Erfolg für den zweitgrößten Eigner von Thyssenkrupp, den Finanzinvestor Cevian. Der hatte in der Vergangenheit wiederholt einen solchen Schritt gefordert. Die geplante Konzernaufspaltung in einen Industriegüter- und einen Werkstoffkonzern galt als das ureigene Projekt von Kerkhoff, der seit knapp einem Jahr im Amt ist.

Auf die Mitarbeiter kommen harte Einschnitte zu. Wie Kerkhoff mitteilte, sollen 6000 Stellen gestrichen werden. Kerkhoff sprach von einem „tiefgreifenden Einschnitt“. Nach Angaben von Personalvorstand Oliver Burkhard sollen zwei Drittel der Stellen in Deutschland wegfallen. Darin enthalten ist der bereits im Zuge des Stahl-Joint-Ventures geplante Wegfall von 2000 Stellen im Stahl. Das Management schloss betriebsbedingte Kündigungen explizit nicht aus. Man sei aber – wie bei Thyssenkrupp üblich – bemüht, ohne auszukommen, sagte Burkhard.

An der Börse machte sich Erleichterung breit: Die Aktie des Mischkonzerns schoss nach der Reuters-Meldung zeitweise 20 Prozent in die Höhe und war mit Abstand größter Dax-Gewinner. Die Aktie des Traditionskonzerns befand sich seit mehreren Tagen auf Talfahrt. Trotz der Erholung am Freitag ist das gesamte Unternehmen mit seinen 160.000 Mitarbeitern, das seit Jahren im Krisenmodus operiert, aktuell gerade noch rund sieben Milliarden Euro wert.

Das geplatzte Joint-Venture wird zur finanziellen Belastung für Thyssenkrupp.“Beim Jahresüberschuss erwartet der Konzern einen Fehlbetrag“, teilte Thyssenkrupp mit. Zudem drohen weitere Belastungen aus einem Kartellverfahren. Man gehe davon aus, dass dieses Verfahren „zeitnah einvernehmlich“ abgeschlossen werden könne. Der Konzern erhöhte den bereits zurückgestellten Betrag für das drohende Bußgeld noch einmal um etwas mehr als 100 Millionen Euro.

(anh/maxi/rtr)
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