Australian Open: Turnier soll trotz schlechter Luftqualität stattfinden

Schlechte Luftqualität bedroht Australian Open : Der Sport erntet, was er sät

Trotz der Buschbrände sind die Australian Open in vollem Gange. Nun sind erschütternde Bilder aus Melbourne zu sehen. Die Kritik an den Organisatoren nimmt zu.

Dicke Rauchschwaden haben am Dienstag den Himmel über Melbourne verdunkelt und den Blick auf die Skyline von Australiens Metropole getrübt. Wegen der seit Monaten wütenden Buschbrände in Down Under hat sich die Luftqualität in der 300 Kilometer von den Feuern entfernten Millionen-Stadt erheblich verschlechtert. Über Nacht sei die Luft in Melbourne weltweit am schlechtesten geworden, hieß es vom zuständigen Gesundheitsbehörden-Chef Brett Sutton. Die Bewohner sollen die Fenster schließen und drinnen bleiben. Der Qualm beeinträchtigt die Gesundheit. Dort, wo am Montag das Hauptfeld der Australian Open spielen soll. Der Schaden für die Sportler ist offenbar vernachlässigbar. Die Qualifikation ist schon jetzt in vollem Gange. Zwar wurde der Beginn am Dienstag zunächst verschoben, schließlich mussten die Spieler aber raus auf die Tennisplätze. Die Slowenin Dalila Jakupovic bekam Atemprobleme, ging auf die Knie, schnappte nach Luft und war nicht mehr in der Lage das Spiel fortzusetzen.

Doch es wird weitergespielt. Business as usual. The Games must go on. Superstar Novak Djokovic, Präsident des Spielerrates, hatte schon vor Tagen gefordert, das Turnier als „allerletzte Option“ zu verschieben. Das haben die Organisatoren bislang ausgeschlossen. Die nächstgelegenen Brände seien mehrere Hundert Kilometer von der Stadt entfernt. Notfalls wolle man alle Spiele in die Hallen verlegen. Der erste Grand Slam des Jahres ist zu groß, um zu scheitern. Doch erste Athleten begehren auf, und fragen, warum erst etwas passieren müsse. Andere fordern angelehnt an die Hitze-Regel, die Tennisspieler bei extremen Temperaturen vor Überbelastung schützen soll, eine ähnliche Maßnahme für Luftqualität.

Der Sport erntet die Früchte dessen, was er durch jahrelanges „Höher, schneller, weiter“ mitverschuldet hat und scheint trotzdem nur langsam zu erkennen, dass auch er sich der Klimadebatte stellen muss. Doch Organisatoren und Funktionäre reagieren bislang empfindlich, wenn sie auf die Verantwortung des Sports angesprochen werden. Auf die „bestenfalls“ 6000 Kilometer Flugzeugreisen angesprochen, sollte die Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft das Finale erreichen, entgegnete Vize-Präsident Bob Hanning, dass Klimaschutz zwar wichtig sei, er aber nicht finde, „dass wir es jetzt auch noch auf eine Handball-EM übertragen müssen.“ Frei übersetzt. Klimaschutz sollen die anderen machen.

Würden alle so denken, wird sich das rächen.

(eh)