Braunschweig: Paul Breitner: "Braunschweig war schlimm"

Braunschweig: Paul Breitner: "Braunschweig war schlimm"

Vor dem Bundesligaspiel des Tabellenletzten bei der Münchner Übermannschaft zeigt der 62-Jährige wenig Mitgefühl.

Dass Paul Breitner noch immer der Rekordtransfer der Braunschweiger Eintracht ist, liegt auch daran, dass der Fußballklub die zurückliegenden 28 Saisons nur zweit- oder drittklassig war. Im Sommer zerschlug sich die Verpflichtung des norwegischen Nationalverteidigers Lars Christopher Vilsvik, für den der Bundesliga-Aufsteiger offenbar 1,2 Millionen Euro zahlen wollte. Für Breitner, 1977 noch mit einer beeindruckenden Haarpracht ausgestattet, überwiesen die Braunschweiger einst 1,6 Millionen Mark (rund 820 000 Euro).

Nach drei Jahren bei Real Madrid wollte Breitners Frau zurück nach Deutschland. Die hohe Ablösesumme aber war niemand in der Bundesliga bereit zu zahlen, außer Günter Mast. Der Likörfabrikant hatte 1973 den Jägermeisterhirsch auf die Spielertrikots drucken lassen und damit das Zeitalter der Trikotwerbung eingeläutet. Nun witterte er einen weiteren Werbecoup. Mast machte jene 400 000 Mark (205 000 Euro) locker, die der Weltmeister von 1974 in der Provinz kassierte, in der sogar Stadtrundfahrten an Breitners Haus vorbeiführten.

Keine bleibenden Erinnerungen

Bleibenden Eindruck hat das Jahr nach seinem Umzug aus der Weltstadt Madrid nicht hinterlassen. Der Nationalspieler passte nicht nach Braunschweig und in die Mannschaft. Am Saisonende stand nur Platz 13. Den vom ehemaligen Weltklasse-Verteidiger zum Spielgestalter mit wenig Hang zur Defensivarbeit gewordenen Profi (zehn Tore) zog es zurück zum FC Bayern. Dort mischt Breitner, der in der 2266 Seelen-Gemeinde Oberpframmern südöstlich von München lebt, immer noch als Chefscout mit.

Wenn die Braunschweiger heute als Tabellenletzter zum souveränen Spitzenreiter nach München kommen, empfindet "Paule" auch beim Blick zurück wenig. "Ich habe keine sentimentalen Beziehungen mehr zur Eintracht. Es war ein schlimmes Jahr für mich, und deswegen ganz brutal gesagt: Das ist mir eigentlich wurscht", sagte der 62-Jährige und ergänzte: "Ich möchte niemandem zum Absteiger machen. Aber wer am Ende runter geht, ist mir — wenn wir Meister werden — völlig egal."

Torsten Lieberknecht, dessen Mannschaft sich gegen Dortmund (1:2), Leverkusen (1:0) und Schalke (2:3) gut verkauft hat, macht sich auch keine Illusionen. "Wir müssen Übermenschliches leisten, um etwas zu holen. Der FC Bayern ist momentan das Größte, was der Fußball zu bieten hat", sagte Braunschweigs Trainer im "Kicker"-Interview.

Seit dem 28. Oktober 2012 (1:2 gegen Leverkusen) sind die Münchner im eigenen Stadion in allen Wettbewerben nur noch einmal besiegt worden (0:2 im Champions-League-Achtelfinale gegen Arsenal London). In der Bundesliga stellte der Rekordmeister sogar eine beeindruckende Serie von bislang 39 Spielen ohne Niederlage auf.

Zwar fällt nun auch noch Kapitän Philipp Lahm (Oberschenkel-Zerrung) aus, doch daran, dass der Tabellenletzte etwas Zählbares mitnimmt, glaubt niemand ernsthaft. Dennoch spricht Arjen Robben von einem "gefährlichen Spiel". Trainer Pep Guardiola warnt und hofft, "dass unser Kopf in der richtigen Position ist."

"Aber wir haben natürlich diesen Riesentraum", sagt Gäste-Coach Lieberknecht.

(RP)
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