Olympische Winterspiele: Pyeongchang will Sotschi toppen

Kompakter, sicherer, billiger: Pyeongchang will Gigantismus stoppen und Sotschi toppen

Noch kompakter, noch sicherer, aber vor allem viel billiger - auch Pyeongchang 2018 will mit Olympischen Winterspielen den Tourismus ankurbeln, aber gleichzeitig auch den Gigantismus stoppen.

Noch kompakter, noch sicherer, aber vor allem viel billiger - asiatisch zurückhaltend will Pyeongchang 2018 Sotschi 2014 auf leise Art und Weise in den Schatten stellen. "Wir haben hier hart gearbeitet und damit viel gelernt", sagt OK-Chef Kim Jin-Sun und lächelt unergründlich in sich hinein.

Drei Wochen lang haben seine knapp 200 bienenfleißigen Assistenten in Sotschi jedes Detail gespeichert und ihrem Boss täglich Bericht erstattet. Denn die Südkoreaner haben natürlich den Ehrgeiz, noch bessere Olympia-Gastgeber zu sein als ihre russischen Vorgänger.

Und dabei vor allem mit wesentlich weniger Geld auszukommen. Sieben Milliarden US-Dollar will man für die Spiele, aber auch nachhaltige touristische Infrastruktur, insgesamt ausgeben. Sotschi hat sich das Sportspektakel am Schwarzen Meer ein Vielfaches kosten lassen, die Schätzungen schwanken mittlerweile zwischen 37 und 50 Milliarden US-Dollar.

30 Jahre nach den Sommerspielen in Seoul geht es aber auch darum, dem Image des Landes neuen Schwung zu geben. Kim: "Damals waren wir ein Entwicklungsland. Jetzt sind wir eine Generation weiter und zu einer Industrienation geworden."

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Nicht wesentlich verändert hat sich seit 1988 hingegen das oft zum Zerreißen gespannte politische Verhältnis zum unberechenbaren stalinistischen Regime im Norden des Landes. 2000 in Sydney und 2004 in Athen liefen Nord- und Südkoreaner gemeinsam bei der Eröffnung ins Olympiastadion ein, auf eine ähnliche versöhnliche Geste hofft man südlich des 38. Breitengrades für Pyeongchang 2018 erneut. Kim:
"Gespräche darüber haben wir aber noch nicht geführt."

Nicht nur die Landsleute aus dem Norden erwarten die kompaktesten Winterspiele der bisherigen Olympia-Geschichte. Selbst vom Meer bis in die entfernteste olympische Bergregion soll die Fahrt nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Dank einer neuen Schnellbahntrasse wird auch die Reisezeit zwischen dem Flughafen Incheon bei Seoul und Pyeongchang nur rund 60 Minuten betragen.

Und auch um Leib und Leben soll kein Olympia-Besucher fürchten müssen. Für Kim ist Südkorea "einer der sichersten Länder der Welt, dennoch werden wir nicht nachlässig werden".

Die fehlende Wintersporttradition in dem seit mehr als 60 Jahren geteilten Land ist wohl das größte Problem. Sowohl die Biathlon-Weltmeisterschaften in Pyeongchan (2009) als auch die Vier-Kontinente-Titelkämpfe der Eiskunstläufer in Gangneun (2005), dem sogenannten Coastal Cluster, waren alles andere als Zuschauermagneten. Ein Manko, das man auch mit der ausgetüftelsten Logistik schwer ausgleichen kann.

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(sid)