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Özil-Berater in Düsseldorf: Erkut Sögüt ist der Mann hinter Mesut Özil

Erkut Sögüt referiert in Düsseldorf : Das sagt der Özil-Berater über Rassismus

Erkut Sögüt referierte in der Uni Düsseldorf über Fußball, Recht und den Beruf des Spielerberaters. Auch zum Thema Rassismus äußerte er sich - umdribbelt aber das Thema Nationalelf.

Hinter der Düsseldorfer Uni-Bibliothek geht gerade die Sonne unter. In der Bücherei der Juristen sitzen Studenten, tief über dicke Bücher gebeugt. Vielleicht wollen sie mal hoch hinaus. Im Hörsaal 3A steht einer, der das geschafft hat. Der Jurist Erkut Sögüt dreht im großen Fußball ein großes Rad. Er ist der Berater von Mesut Özil, Ilkay Gündogan und Shkodran Mustafi.

In Düsseldorf spricht er über Fußball und Recht. Man darf davon ausgehen, dass nicht allein deshalb der Saal ziemlich überfüllt ist. Es sind entweder nicht nur Studenten, die gekommen sind. Oder es sind viele recht alte Studenten. Die Uni hat offenbar nicht mit so viel Publikum gerechnet, ursprünglich sollte er in einem Seminarraum sprechen.

Sögüt reagiert ein wenig kokett auf den Besuch. „Mit so großem Andrang habe ich nicht gerechnet.“ Natürlich sind viele gekommen, um etwas über seinen prominentesten Klienten zu hören. Das Feld Mesut Özil aber umdribbelt der 38-Jährige elegant, obwohl oder weil viele ihn für den Mann hinter Özils Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft halten. Zumindest die eloquente Begründung, die in englischer Sprache auf den Markt kam, schreiben Experten dem in London lebenden Berater zu. Er redet aber viel lieber über sich. „Meine Eltern haben mir beigebracht: Gib nicht auf, geh deinen Weg“, sagt er. Selbst alltäglicher Rassismus habe ihn nicht abgehalten. „Das war für mich ein Ansporn.“

An der Stelle erzählt er die Geschichte vom Ferienlager auf Usedom. Nazis hätten es regelrecht abgeriegelt. Das sei damals unter den Teppich gekehrt worden. Menschen, die ihn länger kennen, sagen, dieses Erlebnis habe ihn geprägt. 30 Minuten hatte er sich für den Vortrag vorgenommen, der über die 50+1-Regel, Vertragsgestaltung und juristische Beratung von Spielern geht. Es dauert viel länger, weil Sögüt in Form ist. Er erzeugt staunende Gesichter, als er über Investoren in den USA spricht, die in der Lage wären, mit einer Milliarde Euro Vereine zu kaufen. Und er zaubert manchem Zuhörer Falten der Nachdenklichkeit auf die Stirn, als er das deutsche Fußballmodell 50+1 mit all seinen Ausnahmeregeln vorstellt. Es schimmert zumindest ein bisschen durch, dass er von der Regel, nach der ein Verein die Mehrheit in den ausgegliederten Profifußballgesellschaften halten muss, nicht begeistert ist. Er macht eine Abstimmung im Hörsaal. Etwa die Hälfte der Besucher ist für die 50+1-Regel. Er fragt: „Ist das mit dem Kartellrecht vereinbar? Meine Meinung: Das muss geändert werden, damit die Bundesliga international wettbewerbsfähig bleibt.“ Sein Vorschlag: Investoren einbeziehen, aber Bedingungen stellen, damit ein Investor sein Spielzeug nicht nach kurzer Zeit abstößt.

Ein möglicher Großinvestor ist sein Klient Özil nicht. Aber Sögüt ist es offenbar ein Anliegen, Özils Steuerehrlichkeit hervorzuheben. „Mesut hat immer seine Steuern über seine Marketing-Firma bezahlt, die in Ratingen sitzt“, beteuert er. Auch sich selbst sieht er auf der guten Seite. „Die Bösen sitzen in den Vereinen“, sagt Sögüt, „sie machen das große Geld und schieben es auf die Berater.“

Charmant wirbt er, blauer Anzug, weißes Hemd, für seinen Beruf. „Wir brauchen Menschen mit Bildung, es ist eine große Chance.“ Ob das Böse damit auszuschließen ist? Sögüt glaubt es. Er gibt zumindest vor, es zu glauben.

(pet)