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Msv Duisburg: Warum der Schuldenschnitt verpasst wurde

Msv Duisburg : Warum der Schuldenschnitt verpasst wurde

Die wirtschaftliche Lage des MSV Duisburg ist weiter angespannt. Das ist keine Neuigkeit mehr. Indes haben die Themen Nachlizenzierung, Schuldenschnitt und Stadionkauf für einige Verwirrung gesorgt. Hier nun der Versuch, ein wenig Licht in die Begriffswelten zu bringen.

Droht dem MSV durch die Nachlizenzierung ein Punktabzug oder eine Geldstrafe? Wenn nicht alles täuscht oder die Geschäftsführung an anderer Stelle mehr Geld als geplant ausgegeben hat, muss der MSV nichts von beidem fürchten. Die Nachlizenzierung zum 31. Oktober betraf alle Drittliga-Klubs. Das Prinzip ist einfach: Vor der Saison stellt man dem DFB seine Pläne fürs kommende Spieljahr vor. Ziel der Übung: Die Experten wollen wissen, ob der Verein solide plant. Bei Bedarf macht der DFB dann Auflagen. Im Herbst wird dann nachgeschaut, ob Plandaten und Ist-Zustand übereinstimmen. Es geht darum, die weitere Liquidität zu prüfen. Da der MSV für das laufende Geschäftsjahr in vielen Bereichen besser als erwartet abschneidet, sollten sich keine Probleme ergeben. Unter anderem hatte der MSV einen Zuschauerschnitt von 8500 angegeben. Zu den Heimspielen kamen bislang durchschnittlich aber 14 868 Fans. Auch beim Sponsoring liegt der MSV über den Erwartungen.

Was ist dann mit dem verpassten Schuldenschnitt? Da haben die Zebras bewusst oder unbewusst die Dinge vermischt. Der Schuldenschnitt zum 31. Oktober war ein internes Datum. Als es im Sommer um die Lizenz ging, verzichteten die Gläubiger auf die Auszahlung ihrer Gelder bis zum Saisonende. Diese Last drückt also zunächst nicht und spielt deshalb auch bei der Nachlizenzierung keine Rolle. Es gilt aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Zebras stehen also nach wie vor bei etwa 30 Geldgebern mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag in der Kreide. Allein derzeit verzichten alle auf eine Rückzahlung. Das Geld wird dann nach der Saison, wenn das Moratorium ausläuft, fällig. Und genau darum geht es nun beim Schuldenschnitt. Da sollen dann alle Beteiligten auf 80 Prozent ihrer Kreditsumme verzichten.

Wieso wurde der Schnitt verpasst? Als man sich auf die Idee des Schuldenschnitts verständigte, einigte man sich auf das Prinzip: alle oder keiner. Entweder beteiligen sich alle Gläubiger oder das komplette Geld wird fällig. Nach Angaben des MSV hat man sich nun mit fast allen Gläubigern und Lieferanten verständigt. Auch wenn der Verein keine Namen nennt: Dem Vernehmen nach fehlen noch vier Unterschriften, darunter die von Walter Hellmich und CTS Eventim, der für die Zebras online die Tickets verkauft.

Was bedeutet das? Kurzfristig wenig, denn die Schulden sind ja gestundet. Wenn der MSV sich aber im am 1. März um eine neue Lizenz bewirbt, könnte die fehlende Regelung zum Ausschlusskriterium werden. Bis dahin muss eine Regelung her.

Und wenn Hellmich nicht mitmacht? Noch laufen die Gespräche und es bestehen Chancen auf eine Einigung. Da geht es ums Herz für den MSV und um den Hinweis, dass im Falle einer Insolvenz nicht nur 80 Prozent, sondern 100 Prozent des Geldes weg sind. Wer also zumindest ein Stück vom Kuchen retten will, muss sich überlegen, ob er nicht einlenkt. Zudem könnte sich der Verein noch einmal mit allen anderen Gläubigern an den Tisch setzen und ganz neu verhandeln. Das wird freilich mehr als eine Ochsentour. Deshalb nennt der Vorsitzende Udo Kirmse den Schuldenschnitt alternativlos.

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Aber das Stadion will der MSV auch noch kaufen... Stimmt, und er bot dafür auf einer A4-Seite 5,5 Millionen Euro. Das kam nicht so gut an bei den Eigentümern. Nun will man bis zum 30. November ein konkretes Konzept vorliegen haben, denn auch hier sind einige Menschen ungeduldig. Die Miete für die laufende Saison ist wiederum nur gestundet und wird bald fällig. Zum Beispiel wartet die Bank, die auf den Kredit für das Stadion seit mehr als zwei Jahren keine Zinsen mehr bekommen hat. Mehr als vier Millionen kostet den MSV die Kreditlast pro Jahr. Auch das Land, das für die Hypothek gebürgt hat, hat ein Mitspracherecht. Außerdem fehlen noch 17 Millionen bis der Bau bezahlt ist. Und dann ist da ja noch die MSV-Stadion-Projektgesellschaft als Eigentümer.

Wie geht es da nun weiter? Zwei bis drei Pläne könnten in der Schubladen liegen. Nummer eins: Der MSV kauft das Stadion zum reduzierten Preis, leiht sich das Geld von der Bank und bezahlt es normal ab, wenn auch mit geringerer Belastung. Der Haken: Es kommen wieder Raten auf den Verein zu, die in der 3. Liga schwer zu stemmen sein werden. Plan 2: Man einigt sich mit der Projektgesellschaft auf einen Rückzahlungsplan. Dazu könnte der Kredit gestreckt werden und die Miete an die Liga angepasst werden. Steigt der MSV auf, kann der Klub dank der Fernsehgelder mehr aufbringen. Plan 3: Eine städtische Gesellschaft kauft die Arena und vermietet sie an den MSV.

(kew)