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Torlinientechnologie: Hawk Eye wird 2015 eingeführt

Hawk Eye wird 2015 eingeführt : 15:3-Kantersieg für Torlinientechnik

Das Hawk Eye wird am 1. Juli 2015 zunächst nur in der Bundesliga eingeführt. Schalke, Frankfurt und Paderborn waren als einzige Klubs dagegen. GoalControl aus Würselen, bei der WM in Brasilien eingesetzt, geht leer aus.

Horst Heldt bezeichnet sich selbst als Fußball-Romantiker. Deshalb, so der Sportvorstand von Schalke 04, widerstrebe es ihm, wenn es irgendwelche Änderungen am bewährten Spiel gebe. Neben den Königsblauen bekannte sich Eintracht Frankfurt, zu den Klubs zu gehören, die auf der Versammlung der DFL in Frankfurt am Main gegen die Einführung der Torlinientechnik gestimmt haben. Vom neuen Präsidenten des FC Augsburg, Klaus Hofmann, ist der Kommentar bekannt, dass die Entscheidung "Unfug" sei. 15 andere Vereine votierten indes im zweiten Anlauf für die Einführung des so genannten Hawk Eyes ab dem 1. Juli 2015, zunächst ausschließlich in der Bundesliga.

Damit wurde die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit (zwölf Klubs) deutlich übertroffen. "Für den deutschen Fußball ist das ein wichtiger Schritt nach vorne", sagt Ligapräsident Reinhard Rauball. Die Vertreter der 2. Bundesliga sind vorsorglich ausgeklammert worden. Sie hatten sich, vor allem aus Kostengründen, im Frühjahr vehement gewehrt. Jeder Klub zahlt nun pro Saison für das System 135.000 Euro.

Für Andreas Rettig ist diese Preisklasse ein Schnäppchen. Der Geschäftsführer der DFL hatte noch im März eine krachende Niederlage einstecken müssen. Damals konnte er die Summe nicht genau beziffern und hatte damit viele klamme Vereine abgeschreckt. Mittlerweile wurde noch einmal nachverhandelt und ein besseres Angebot eingeholt. Für das Hawk Eye fiel die Entscheidung, weil man sich durch die "WM-Erfahrung und Eindrücke aus über 500 Spielen in der Premier League", in denen sich die Technik bewährt habe, wie Rettig befand, ein umfassendes Bild habe machen können.

Man entschied sich damit ausgerechnet für den englischen Anbieter und gegen die deutschen Konkurrenten GoalControl (Kamerasystem) aus Würselen bei Aachen und GoalRef (Magnetfeld) aus Erlangen. Für viele galt GoalControl lange als Favorit, dessen System bei der WM in Brasilien von der Fifa getestet wurde. "Wir haben im Vorfeld der Ausschreibung die Bewerber natürlich ausführlich über unsere Anforderungen informiert", erzählt Rettig.

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Das Hawk Eye setzte sich wohl am Ende durch, weil die garantierte Fehlertoleranz am geringsten ausgefallen ist. Hawk Eye verspricht, dass diese in jedem der 18 Bundesligastadien unter einem Zentimeter zu liege, die Fifa würde sogar bis zu 1,5 Zentimeter zulassen.

Die Unparteiischen nahmen die Nachricht zufrieden auf. "Das Votum ist aus Schiedsrichtersicht erfreulich. Bei der Frage, ob der Ball die Torlinie überschritten hat, wird die Antwort aus einer persönlichen Wahrnehmung herausgeholt und der Technik übergeben. Das begrüßen wir", sagt Lutz Michael Fröhlich, Leiter der Abteilung Schiedsrichter beim DFB, unserer Redaktion Zeitung. "Bei dem Hawk-Eye-System handelt es sich um eine kamerabasierte Technik. Das passt auch in das mediale Szenario des Fußballs. Da wird es Schnittstellen geben. Und es wird in anderen Sportarten bereits erfolgreich eingesetzt."

Deutschlands WM-Referee Felix Brych erklärt: "Die Torlinientechnik wird uns Schiedsrichtern den Job erleichtern." Die Definition von Fußball-Romantik ist bei Horst Heldt extrem schwammig. Torlinientechnik wollte er nicht, eine viel weitreichendere Änderung kann er sich aber sehr wohl vorstellen: den Videobeweis. "Zunächst einmal sind wir jetzt diesen ersten Schritt gegangen", sagt Rettig. Weitere werden gewiss folgen.

Hier geht es zur Infostrecke: Reaktionen zur Einführung der Torlinientechnik