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Borussia Mönchengladbach: Kruses Problem ist ein Problem Borussias

Borussia Mönchengladbach : Kruses Problem ist ein Problem Borussias

Der Stürmer war in der Hinrunde bester Scorer der Bundesliga. Er schoss acht Tore und bereitete acht vor. Diese Effektivität ist ihm abhandengekommen. Er ist seit sieben Spielen ohne Treffer – und Gladbach seither sieglos.

Der Stürmer war in der Hinrunde bester Scorer der Bundesliga. Er schoss acht Tore und bereitete acht vor. Diese Effektivität ist ihm abhandengekommen. Er ist seit sieben Spielen ohne Treffer — und Gladbach seither sieglos.

Max Kruse hat etwas verloren. Drei Kilogramm zum Beispiel, dank einer Diät während der Winterpause. "Nun werden die Leute sagen: Jetzt hat er abgenommen und schießt keine Tore mehr", scherzte Borussias Spieler zuletzt. Die These, des Stürmers Gewichtsverlust habe direkte Auswirkungen auf seine Bilanz, wäre ganz sicher gewagt, ja abenteuerlich. Doch Fakt ist: Kruse hat seine brutale Effektivität der Hinrunde verloren, er ist in diesem Jahr noch ohne Treffer und Vorlage — und seither schießt das Team trotz einer stattlichen Anzahl guter Chancen zu wenig Tore, um zu gewinnen. Kruses Problem ist also auch ein Problem Borussias.

Kruse war im ersten Teil der Saison mit acht Treffern und ebenso vielen Assists bester Scorer der Bundesliga. Selbst wenn er nicht gut spielte, traf er oder leitete Tore ein. Auch aktuell ist er engagiert, viel unterwegs und bissig. Doch gelingt ihm so rechts nichts, auch wenn es zuweilen nur Millimeter sind, die zum Glück fehlen.

Gegen die Bayern traf er den Pfosten. Wie in Bremen. Gerade war das 1:1 gefallen, da stand Kruse frei vor dem Bremer Tor. Sein Schuss war hart und platziert — doch Torwart Raphael Wolf riss den Arm hoch und lenkte den Ball am Ziel vorbei. Nun, beim 2:2 gegen Hoffenheim, kam Kruse kurz vor dem Ende links durch — doch statt Peniel Mlapa am kurzen Pfosten zu suchen, schaufelte er den Ball lang hinüber zu Patrick Herrmann. Es war die zweitbeste Entscheidung, die Situation verpuffte ohne Ertrag.

In der Hinrunde machte Kruse alles richtig

Man darf vermuten: Der Kruse der Hinrunde hätte in Bremen getroffen und gegen Hoffenheim die bessere Entscheidung getroffen. In der Hinrunde, und auch zuvor in seinem tollen Jahr in Freiburg, war Kruse wie König Midas: Was er anpackte, wurde zu Gold. Nun ist diese Selbstverständlichkeit und damit der große Glanz weg. Dass Tony Jantschkes Kopfballtor gegen Hoffenheim, das erste nach einer Ecke in dieser Saison, nach einer Ecke fiel, die nicht, wie sonst, Kruse, sondern Raffael trat, passt ins Bild.

Natürlich ist Kruses aktuelle Flaute nicht allein verantwortlich für die Sieglosigkeit der Borussen. Die anderen Offensiv-Kräfte sind ebenfalls nicht effektiv, auch wenn Patrick Herrmann nun sehenswert gegen Hoffenheim traf. Juan Arango hatte seine "magischen" Momente nicht und ist nun verletzt, Raffael traf zwar in Bremen, ist aber derzeit nicht der Vordenker der Hinrunde, Branimir Hrgota versuchte viel als neuer Mann auf links, blieb aber zu oft hängen — und Peniel Mlapa, in diesem Jahr der treffsicherste Stürmer (drei Tore in der Vorbereitung, eines in der Liga) durfte nach seinem Kopfballtor in Hannover nur minutenweise mitarbeiten.

In der Hinrunde hatte Gladbach dank seiner Effektivität stets eine Antwort auf Rückschläge. Vor allem, weil entweder Kruse oder Raffael (neun Tore, vier Assists) trafen. Kruse gab gegen Hoffenheim keinen nennenswerten Torschuss ab. "Wir haben einen großen Aufwand betrieben", sagte er. Doch der Ertrag blieb aus. Auch beim Kruse. Er ist keiner, der sich infrage stellt. Doch er ärgert sich, "dass wir seit sieben Spielen nicht gewonnen haben". Und darüber, dass er seit sieben Spielen nicht getroffen hat.

"Ich kann den Frust der Fans verstehen"

Beim Gang zu den Fans dröhnten am Samstag Pfiffe in seinen Ohren — das war eine neue Erfahrung für den Mann, der bislang in Gladbach nur gefeiert wurde. "Ich kann den Frust der Fans verstehen. Es ist jetzt wichtig, dass wir uns schleunigst wieder fangen und unsere Chancen auf einen Europapokalplatz festigen", sagte Kruse. Dazu braucht es Tore. Auch Kruses Tore. "Wir müssen versuchen, wieder auf den grünen Zweig zu kommen", sagte Kruse. Er spricht von "Wir", doch meint er auch "Ich". Denn er will zur WM. Darum muss er schleunigst wieder der Alte werden, der Midas. Glänzt Kruse wieder, würde wohl auch Borussia wieder siegen.

(RP)