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US-Präsident Donald Trump: Coronavirus-Sorgen im Weißen Haus

Mehrere Republikaner in Quarantäne : Coronavirus-Sorgen in Trumps Umfeld

Mehrere ranghohe Republikaner, die mit dem Präsidenten in Kontakt waren, begeben sich in Hausquarantäne. Trump selbst dürfte vor allem die Unruhe an den Börsen Sorge bereiten. Denn sie könnte auch seinen eigenen wirtschaftlichen Interessen schaden.

US-Präsident Donald Trump hat die Coronavirus-Epidemie bisher immer wieder heruntergespielt und sie zuletzt am Montag mit der normalen Grippe verglichen. Die Sorge vor möglichen Infektionen schwappte aber zunehmend in sein unmittelbares Umfeld. Der Abgeordnete Matt Gaetz, der am Montag mit ihm in der Air Force One von Kalifornien nach Washington gesessen hatte, ging nach der Landung selbst in Heimquarantäne, weil er Kontakt mit einer infizierten Person hatte. Auch Trumps designierter neuer Stabschef Mark Meadows begab sich in Isolation.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Stephanie Grisham, sagte, Trump selbst habe sich nicht testen lassen, weil er keinen längeren Kontakt mit irgendeiner kranken Person gehabt habe und auch keine Symptome einer möglichen Erkrankung zeige. „Der Präsident der Vereinigten Staaten ist, wie wir alle wissen, ein ziemlicher Händewascher“, hatte sie zuvor dem Sender Fox News gesagt. „Deshalb macht er sich darüber überhaupt keine Sorgen.“ Auch Vizepräsident Mike Pence, der das Weiße Haus in der Coronavirus-Krise vertritt, unterzog sich nach eigenen Angaben keinem Test.

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Neben Gaetz und Meadows haben sich auch mehrere andere Republikaner in Hausquarantäne begeben, weil sie bei der Conservative Political Action Conference am 29. Februar in Kontakt mit einer Person kamen, die später an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankte. Sie wollten zu Hause bleiben, bis die 14 Tage Inkubationszeit komplett abgelaufen sind. Auch Trump hatte bei der Konferenz außerhalb von Washington gesprochen. Mit Gaetz saß er dann am Montag in der Präsidentenmaschine und auch Meadows kam mehrfach ins Weiße Haus. Der Abgeordnete Doug Collins, den Trump vergangene Woche zweimal getroffen hatte, ging ebenfalls in Selbstquarantäne.

Das Arztbüro im Kongress geht nicht davon aus, dass sich einer der Abgeordneten angesteckt hat. Das Risiko sei gering, hieß es am Montag. Mehr als diese Fälle in seinem Umfeld dürfte Trump die zunehmende Unruhe an den Finanzmärkten beschäftigten. Am Dienstag wollte er dazu ein Maßnahmenpaket vorlegen, unter anderem mit einer Lohnsteuererleichterung. Er plane eine „substanzielle Erleichterung, eine sehr substanzielle Erleichterung“, sagt Trump. „Das ist groß, eine große Zahl.“

Kritiker monieren, dass Trump sich in der aktuellen Krise nur darum sorge, dass die Wirtschaft weiter floriere. Unter anderem rief er die Amerikaner dazu auf, weiter zu reisen und US-Unternehmen zu unterstützen, unter anderem durch Hotelbesuche. Ganz uneigennützig dürften solche Meldungen nicht sein, sagt die Ethik-Anwältin Kathleen Clark von der Washington University School of Law in St. Louis. „Wenn Restaurants aus Sorge um die öffentliche Gesundheit geschlossen, Tagungen und Treffen abgesagt werden, wird das auch eine Auswirkung auf seinen (Trumps) Besitz und seine Finanzen haben.“

Tatsächlich würde Trumps großes Firmenimperium mit Hotels, Resorts und anderen Immobilien finanziell wohl großen Schaden nehmen, wenn wegen des Coronavirus die Tourismus- und Reisebranche weiter einbricht. Auf dem Papier hat der Präsident zwar seine Trump Organization an seine Söhne übergeben, nach Angaben aus informierten Kreisen fragt er aber bei den beiden immer wieder nach, wie die Geschäfte laufen.

In den vergangenen Tagen stellte er sich auch nicht dezidiert hinter Empfehlungen seiner Regierung, dass etwa Alte und Kranke nicht mehr in Flugzeugen oder auf Kreuzfahrtschiffen reisen sollten. Eine Nachfrage der Nachrichtenagentur AP, ob Trumps Umgang mit der Coronavirus-Epidemie auch eigenen Wirtschaftsinteressen geschuldet sei, beantwortete das Weiße Haus nicht.

(mja/dpa)