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Düsseldorf: USA: Schlimmste Grippewelle seit Jahren

Düsseldorf : USA: Schlimmste Grippewelle seit Jahren

20 Kleinkinder starben. In NRW beginnt die Grippesaison früher, verläuft aber bisher weniger heftig.

Die USA werden von der schlimmsten Grippe-Epidemie seit zehn Jahren heimgesucht. Besonders betroffen sind Boston und der Großraum New York, wo Gouverneur Andrew Cuomo am Wochenende den Notstand aufgerufen hat. Obwohl die Grippe-Saison erst anfängt, zählten die Behörden dort bereits mehr als 19 000 Erkrankungen – fünfmal so viel wie im Jahr zuvor. Normalerweise beginnt die gut zwei Monate dauernde Grippesaison Mitte Januar.

Mindestens 20 Kleinkinder sind landesweit bisher an den Folgen der Virusgrippe gestorben. Die Behörden vergleichen die Situation mit 2003/2004, der letzten schweren Grippewelle in den USA. Der häufigste Grippe-Erreger gehört in diesem Jahr zum Virustyp H3N2, der gewöhnlich zu einem besonders schweren Krankheitsverlauf führt.

Auch die deutschen Gesundheitsbehörden verfolgen das Geschehen sehr aufmerksam. Vor allem durch Flugreisende kann sich die Infektion schnell weltweit verbreiten. "Wir können den Verlauf und das Ausmaß einer Grippewelle aber nicht vorhersagen", sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Ihre Daten deuten aber hierzulande ebenfalls auf einen früheren Beginn der Grippe-Saison hin. In der ersten Woche 2013 wurden bundesweit 256 Fälle gemeldet. Eine moderate Erhöhung gegenüber dem normalen Verlauf sieht das RKI aber bisher nur in Sachsen, Brandenburg und im Süden Bayerns. In NRW gibt es so viele Erkrankungen wie im Vorjahr – neben dem Typ H3N2 wird bei uns auch der gewöhnlichere und weniger belastende Virustyp H1N1 häufig gefunden.

Genau wie die US-Behörden empfiehlt das RKI Risikogruppen, sich noch schnell impfen zu lassen. Während es in Deutschland genug Impfstoff gibt, berichten US-Medien von Lieferengpässen, weil viele Menschen sich angesichts des Ausmaßes der Grippe-Epidemie doch noch impfen lassen wollen. Nach ersten US-Studien erreicht die Grippe-Impfung in diesem Jahr einen guten Wirkungsgrad von 62 Prozent. Der Viren-Mix, aus dem der Impfstoff gewonnen wird, muss jährlich für die Nord- und die Südhalbkugel angepasst werden, weil sich Grippe-Viren schnell verändern. Sowohl H3N2 als auch H1N1 sind dabei aber offenbar ausreichend berücksichtigt. Forscher aus Singapur haben herausgefunden, dass Großstädte mittlerweile die wichtigste Quelle für neue Stämme der Grippeviren sind. Dort kommen regelmäßig unterschiedliche Virenstämme zusammen, die neue Erreger bilden, indem sie ihr Erbgut miteinander mischen. Deshalb kann eine Grippe-Epidemie regional sehr unterschiedlich verlaufen.

(RP)