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Entscheidung von Papst Franziskus: Kardinal Woelki bleibt im Amt

Nach Entscheidung von Papst Franziskus : Woelki dankt Papst und entschuldigt sich für eigene Fehler

Kardinal Woelki hat sich in einer ersten Reaktion dem Papst für die ihm gewährte Auszeit gedankt. Er gesteht außerdem eigene Fehler ein. Papst Franziskus hatte entschieden, den Kölner Kardinal im Amt zu belassen.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat in einer ersten Reaktion dem Papst für die ihm gewährte Auszeit gedankt. Damit habe Franziskus seiner Bitte entsprochen, sagte der Erzbischof am Freitag vor Journalisten in Köln. Dies gebe ihm Gelegenheit, die vergangenen Monate aufzuarbeiten und einen Weg in die Zukunft zu finden.

„Natürlich habe ich Fehler gemacht bei der Aufarbeitung“, sagte Woelki und verwies dabei auf Mängel in der Kommunikation. „Das tut mir leid.“ Dies gelte besonders mit Blick auf die Betroffenen, die dadurch retraumatisiert worden seien. Zudem seien viele Menschen in ihrem Inneren verletzt und in ihrem Glauben erschüttert worden.

Papst Franziskus hatte dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bei der Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe „große Fehler“ vorgeworfen, ihn aber im Amt belassen. Das teilte der Heilige Stuhl am Freitag mit und bestätigte dabei, dass Woelki von Mitte Oktober bis zum 1. März eine „geistliche Auszeit“ nehme. In seiner Abwesenheit werde Weihbischof Rolf Steinhäuser als Apostolischer Administrator eingesetzt, kündigte der Vatikan zudem an.

Bei Woelki „hat sich kein Hinweis darauf ergeben, dass er im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs rechtswidrig gehandelt hat“, hieß es in dem Schreiben aus Rom. Die Behauptung, der Kardinal habe etwas vertuschen wollen, sei widerlegt. „Dennoch hat Kardinal Woelki in der Herangehensweise an die Frage der Aufarbeitung insgesamt, vor allem auf der Ebene der Kommunikation, auch große Fehler gemacht. Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass es im Erzbistum zu einer Vertrauenskrise gekommen ist, die viele Gläubige verstört.“

In der Missbrauchsaffäre des Erzbistums Köln bleiben neben Kardinal Rainer Maria Woelki auch die Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff im Amt. Papst Franziskus entschied, die Amtsverzichte der beiden nicht anzunehmen. Sie waren wegen Pflichtverletzungen beurlaubt. Puff werde seinen Dienst sofort wieder antreten, Schwaderlapp auf eigene Bitte zunächst für ein Jahr als Seelsorger nach Kenia gehen, teilte der Heilige Stuhl am Freitag mit. Bei den zwei Bischöfen seien Mängel in der Behandlung von Verfahren festzustellen, „nicht aber die Intention, Missbrauch zu vertuschen oder Betroffene zu ignorieren“, hieß es in der Mitteilung.

Kardinal Woelki bleibt im Amt - aber mehrmonatige Auszeit
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Schwaderlapp dankte Papst Franziskus für die Ablehnung seines Rücktrittsgesuchs und kündigte eine Zeit der Erneuerung ang. "Ich bin dem Heiligen Vater für sein Vertrauen und sein Urteil sehr dankbar", teilte Schwaderlapp in am Freitag in Köln mit. "Dankbar bin ich auch, dass für das Erzbistum Köln nun eine Zeit der Ungewissheit endet und Raum geschaffen wird für einen Weg zu einer vertieften Einheit und Versöhnung."

Kritiker Woelkis dürften enttäuscht sein, dass der Papst ihn nicht abberufen hat. Allerdings können die Auszeit und der Administrator auch so gewertet werden, dass ihm eine vollständige Rehabilitierung versagt worden ist.

Das Erzbistum Köln steckt seit etwa einem Jahr in einer tiefen Krise, die sich unter anderem in einer Welle von Kirchenaustritten niederschlägt. Ausgelöst worden war die Krise ursprünglich, weil Woelki ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen nicht veröffentlichen wollte. Er führte dafür rechtliche Gründe an. Im Zuge des dadurch entstandenen Streits entfremdeten sich der Kardinal und die wichtigsten Gremien des größten deutschen Bistums immer weiter.

Darauf reagierte Papst Franziskus in diesem Jahr, indem er zwei Bevollmächtigte ins Erzbistum Köln entsandte, den Stockholmer Kardinal Anders Arborelius und den Rotterdamer Bischof Hans van den Hende. Sie befragten unter anderem Missbrauchsopfer und erstellten anschließend einen Untersuchungsbericht für den Papst.

(lha/dpa/kna)