1. Kultur

Bischof Georg Bätzing ruft Amtsbrüder zum Umkehr auf

Zum Auftakt der katholischen Bischofskonferenz in Fulda : Bischof Georg Bätzing kritisiert Amtsbrüder

Mit dem Appell, Mut zur Veränderung zu haben, eröffnete der Limburger Bischof Georg Bätzing die Herbstvollversammlung. Diese Botschaft griff Bischof Heiner Wilmer aus Hildesheim auf und forderte eine Modernisierung der katholischen Sexualmoral.

Die „Stimmung sei aufgeräumt und nachdenklich“, gab Sprecher Matthias Kopp kund. Da war die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), die bis Donnerstag in Fulda tagt, gerade einen Vormittag alt. Doch geschehen war schon viel, weshalb die Worte des ersten Stimmungsberichtes auch der Diplomatie geschuldet sein dürften.

Der Auftakt war inspirierend und kräftig mit der Predigt des DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing, der zu früher Stunde im Dompfarrzentrum zu Fulda mit seiner Eröffnungspredigt erst einmal reinen Tisch machen wollte.  „Wenn wir über Macht und Gewaltenkontrolle in der Kirche, über eine neue Kultur von Leitung und Priestersein, über Frauen in Diensten und Ämtern strittig diskutieren und über den Wert einer orientierenden Morallehre, dann braucht es den Geist und den Mut zur Umkehr“, sagte der 60-jährige Limburger Bischof. Und den versammelten Brüdern im Bischofsamt rief er zu: „Kehrt um! Denkt neu!“ Und das sei „in der Tat mehr und anders als bloß etwas Anpassung und Fortschreibung“. Weil nach seinen Worten alles darunter „der Wucht des auslösenden Skandals und der Dramatik der Entkirchlichung nicht gerecht“ wird.

  • Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen
    Deutsche Bischöfe beraten in Fulda : „Rolle der Frau ist die entscheidende Zukunftsfrage“
  • Georg Bätzing, Bischof von Limburg und
    Kommentar zur Vollversammlung der deutschen Bischöfe : Wenn auch der Wille zur Umkehr fehlt
  • Der Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen
    Am Dienstag beraten die deutschen Bischöfe in Fulda : „Bischöfe sollen Lautsprecher, keine Schalldämpfer sein“

Bischof Bätzing berichtete von seinen Erfahrungen während eines Spaziergangs in der Wiesbadener Fußgängerzone und den Reaktionen der Menschen dort. Die hätten ihn zum Teil spöttelnd und mit zynischer Distanz angesprochen und nicht allzu neugierig, sondern eher mitleidsvoll gefragt: „Wollen Sie uns jetzt von unseren Sünden erlösen?“

Diese Szene sei für ihn beispielhaft geworden. Weil sich an ihr, so Bätzing, „paradigmatisch Elemente wachsender Distanz zwischen Evangelium und Kultur verdeutlichen lassen, die immer tiefere Kluft, die Verständigung erschwert und evangelisierende Impulse ins Leere laufen lässt.“ Sein finsteres Fazit: „Wir reden und laufen im wahrsten Sinn aneinander vorbei.“

Im übertragenen Sinne bedeutet dies, dass angesichts des sexuellen Missbrauchsskandal das Angebot der Kirche von vielen Menschen inzwischen als „anmaßend und übergriffig“ empfunden und darum auch zurückgewiesen werde. „Wir selbst haben nicht wenig zu solcher Verwechslung und damit zum Misslingen evangelisierender Kommunikation beigetragen.“ Aber er erinnerte auch daran, dass Kirche keine Veranstaltung sei von Menschen mit weißer Weste für solche, die es von uns erst lernen, es kapieren und annehmen müssten, was es bedeutet, erlöst zu werden, sagte er.

Am ersten Tag stand eigentlich Afghanistan auf der Tagesordnung. Und Militärbischof Franz-Josef Overbeck plädierte dann auch dafür, aus den Erfahrungen dieses Einsatzes zu lernen und mehr auf die Religion und Kultur des jeweiligen Landes zu achten. „In Bündnisstrukturen sollten wir uns abgewöhnen, zu glauben, wir könnten noch postmoderne Kolonialkriege führen und gewinnen“, so der Ruhrbischof am Rande der Herbstvollversammlung. Dennoch hallten die Predigtworte nach. Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer (60) ergänzte Bätzings Worte mit seiner Forderung: „Natürlich müssen wir uns verändern“ – insbesondere in der Sexualmoral. Es dürfe nicht sein, dass die Kirche sich weiter auf eine Sexualmoral stütze, die auf den heiligen Augustinus im 5. Jahrhundert zurückgehe und Erotik und Sexualität außerhalb der Ehe ausschließlich als Sünde verstehe, so Wilmer.