RTL-Show: Mein erstes (und letztes) Mal mit dem "Supertalent"

Fliegende Jojos und tanzende Fatsuits : Mein erstes (und letztes) Mal mit dem "Supertalent"

Die RTL-Show "Das Supertalent" lockt beinahe wöchentlich Millionen von Menschen vor den Fernsehbildschirm. Nur ich habe noch nicht eine Folge des offensichtlich so erfolgreichen Casting-Formates gesehen - und erlebe mein ganz persönliches erstes Mal mit dem "Supertalent".

Samstagabend, 20.15 Uhr. Was bietet das Fernseh-Programm? Die ARD zeigt "Die Deutschen Meister 2013". Im Zweiten wird es kriminell, ProSieben und Sat.1 setzen auf "Blockbuster"-Filme und irgendwo flimmert sicher auch noch ein Tatort über die TV-Bildschirme. Ich entscheide mich für RTL.

Ob das eine gute Entscheidung ist, weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Aber irgendetwas muss dieses "Supertalent" ja haben. Immerhin wählten vergangene Woche 5,74 Millionen Menschen die RTL-Taste um vermeintliche Talente zu casten.

Für mich ist es an diesem Samstagabend die erste Supertalent-Folge. Ich weiß nicht, wie viele Sendungen zuvor schon ausgestrahlt wurden. Ich weiß auch nicht, wer die bisherigen Gewinner waren. Was ich weiß ist, dass Dieter Bohlen in der Jury sitzt, dass Thomas Gottschalk dort auch mal saß, ebenso wie Sylvie van der Vaart. Dass in der aktuellen Staffel neben Bohlen auch noch Bruce Darnell, Guido Maria Kretschmer und Lena Gercke sitzen, ist schnell herausgefunden.

Das Hoffen auf Einzigartigkeit

Was ich mir von diesem Abend erhoffe? Klar, vor allem Menschen mit echtem Talent. Menschen, die einzigartige Fähigkeiten haben. Menschen, die in dem was sie tun so gut sind, dass es niemand anderen gibt, der es in gleicher Weise tun könnte.

Was ich glaube, was ich sehen werde? Einen Dieter Bohlen, der Sprüche klopft. Menschen, die nahezu alles tun, um ins Fernsehen zu kommen und natürlich emotional aufgeblasene Geschichten voller Melodramatik. Kurz gesagt: Eben das, was dem TV-Zuschauer bei RTL in aller Regelmäßigkeit nun mal so begegnet.

Was ich bekommen habe? Leider nicht das, was ich mir erhofft habe. Der Auftritt von Jan und Ivo aus Bern, die passend zur Musik ihr Können am Jojo gezeigt haben, sieht gut aus - ganz neu ist das aber auch nicht. Djamal, ein dreijähriger Junge, ist eben das, was ein Dreijähriger in den meisten Fällen ist: süß, knuddelig und zum Gernhaben. Dass er dabei auch noch tanzen kann, ist fast schon egal. Ein böses Wort wird ohnehin niemand über ihn verlieren (Jury-Mitglied Lena Gercke: "Ich kann gar nicht anders. Ich gebe dir ein 'Ja'").

"Ein Vogel im Käfig"

Beim dritten Auftritt wird die emotionale Schiene dann weiter bedient: Die alleinerziehende Mutter Barbara berichtet von ihrem Schicksal. Berichtet davon, dass ihr Ex-Mann ihr verboten habe zu singen. "Ein Vogel im Käfig" sei sie gewesen und jetzt wolle sie singen, um ihren Kindern etwas bieten zu können. Tränen fließen, das passiert eben "immer wenn ich über meine Kinder rede", sagt Barbara. Ihr Auftritt? Das Publikum erhebt sich zu "Imagine" (John Lennon) von den Sitzen, Barbara weint vor Glück, singt noch ein zweites Lied ("The Best", Tina Turner) und die Jury schickt sie dank eines dreifachen "Ja" in die nächste Runde. Ich schließe mich Dieter Bohlen an: "Im Musik-Business bist du chancenlos". Supertalent hört sich eben anders an.

Und sieht im Fall von Soeren und Bradley Stauffer-Kruse wohl auch anders aus: "Es lag wirklich Liebe in der Luft", findet Bruce Darnell, sagt aber auch, dass Standardtanz kein "Supertalent" benötigt. Die Jury-Kollegen stimmen dem zu, "Pop-Titan" Bohlen faselt noch etwas von "super Lover" und mit einem einstimmigen "Nein" ist der Traum vom Hauptgewinn (was gibt es eigentlich zu gewinnen?) für das Pärchen beendet.

Die weiteren Darbietungen sind schnell erzählt: Ein Junge, der mal Angst vor Hunden hatte, tanzt mit seinem Hund "Dogdance", ein Kanadier singt ein Lied für einen schwer erkrankten Freund und ein 43-jähriger Mann zeigt Kunststücke in einem sogenanntem Cyr-Rad, die man auch in jedem besserem Zirkus schon einmal gesehen hat. Für eine kleine Überraschung sorgt dann immerhin Pianist Thomas, der sein musikalisches Handwerk tatsächlich beeindruckend beherrscht - und ohne seinen singenden Partner Andreas in die nächste Runde einzieht.

Der Auftritt von Azamat, der zeigen wollte wie stark er ist, dann aber nur präparierte Pfannen verbog und so die Jury täuschen wollte sowie die tanzenden Fatsuits Roman und Ailis erwähne ich an dieser Stelle nur aus Gründen der Vollständigkeit. Talentfreier geht es beinahe nicht.

Meine Welt bleibt nicht stehen

Um 22.30 Uhr ziehe ich mein Fazit und stelle fest, dass es für mich keinen Anreiz gibt bei der nächsten Folge wieder einzuschalten. Es wird kein zweites Mal geben. Ein Supertalent, um es mit den Worten von Guido Maria Kretschmer zu sagen, muss dich eben "so flashen, dass du das Gefühl hast, die Welt bleibt stehen." Meine Welt dreht sich weiter — und ist an diesem Abend auch nie stehen geblieben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Supertalent 2013: "Positive People", "Mann von Eisen" und die "Sugar Dandies"

(sgo)
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