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Corona: Christian Drosten warnt vor Öffnung der Schulen

Vorlesung in Düsseldorf : Virologe Drosten warnt vor Öffnung der Schulen

Die Corona-Infektionszahlen gingen nur quälend langsam zurück, sagt der Virologe. Doch er zeigt auch einen Ausweg für die Schulen auf und sagt, was er von der britischen Mutante und dem Impfstoff von Astrazeneca hält.

Für manche ist er der wichtigste Erklärer der Pandemie, für andere ein Feindbild: Am Dienstag kam Christian Drosten nach Düsseldorf in die Ärztekammer Nordrhein - und hatte viele ernüchternde Botschaften dabei. Er warnte vor frühen Lockerungen des Lockdowns: „Wir werden es bei dem aktuellen R-Wert nicht schaffen, bis Mitte März auf eine Inzidenz von unter 50 zu kommen.“ Die Infektionen gingen zwar zurück, „doch das nur quälend langsam“, erklärte der Virologe von der Berliner Charité. Der R-Wert, der angibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt, liege mit 0,9 weiter hoch. Wenn man jetzt halbherzig öffne, käme man unweigerlich in eine dritte Welle nach Ostern, so Drosten. Bei einer Inzidenz von 0,7 könne dagegen die Fallzahl in einer Woche halbiert werden.

Doch wie die Kanzlerin erwartet auch Drosten noch eine lange, harte Zeit. Bis Juni werde es immer wieder neue Abwägungen und Spitzentreffen geben müssen, denn bis dahin seien noch nicht genug Menschen in Deutschland geimpft.

Drosten warnte vor einer frühzeitigen Öffnung der Schulen: Schulen vermitteln Infektionsgeschehen, das könne man in den Zahlen um den Jahreswechsel herum klar sehen. Allerdings gebe es einen Ausweg, wenn man bei der Infektion eines Schülers jeweils die ganze Klasse für fünf Tage in Quarantäne schicke und dann freiteste. Wer Corona-positiv sei, müsse weiter zuhause bleiben. Die anderen Kinder könnten aber zurück in die Schule. Quellcluster ermitteln, heißt das in der Sprache der Virologen: Die Quellen der Infektionen ermitteln und dort die weitere Ausbreitung stoppen, das ist das Ziel.

Bei den Virus-Mutationen sieht Drosten die Bedrohung für Deutschland durch die Südafrika-Variante gelassen. „Uns wird vor allem die britische Variante beschäftigen und das noch über Wochen.“ Hier hatte Drosten aber auch hoffnungsvolle Botschaften dabei: „Auch die britische Variante ist mit einem normalen Lockdown zu kontrollieren.“ Zudem helfen Sequenzierungen, auf die auch Großbritannien und Dänemark setzen. Durch die Sequenzierung ermittelt man, um welche Virusvariante es sich handelt.

In Deutschland werde es nach Ostern, wenn die über 80-Jährigen durch Impfungen geschützt seien, großen gesellschaftlichen Druck für Öffnungen geben, erwartet der Virologe. Doch auch hier müsse behutsam vorgegangen werden: Eine dann beginnende starke Infektionswelle könnte etwa bei zehn Prozent der 40- bis 60-Jährigen schwere Verläufe verursachen. Das bedeute auch hier Tausende Tote. Wenn es nicht gelinge, mit den Impfungen rasch voranzukommen und das auch bei den unter 65-Jährigen, und so gegenzuhalten, drohten neue Lockdowns.

Bei den Impfstoffen ist Drosten mittelfristig entspannt: Im dritten Quartal seien viele Lieferungen zugesagt, alle bisher zugelassenen Impfstoffe seien gut, auch der von Astrazeneca, mit dem nun vorrangig medizinisches Personal geimpft werden soll.

Drosten sprach im Rahmen der Jörg-Dietrich-Hoppe-Gedächtnisvorlesung, die an den langjährigen Präsidenten von Bundesärztekammer und Ärztekammer Nordrhein erinnert. Wie heute Drosten setzte früh auch schon Hoppe auf die wissenschaftliche Fundierung der Medizin. Was er der Kanzlerin rät? Das, was er auch öffentlich sage, meinte Drosten und winkte freundlich, als die Digital-Vorlesung zu Ende war.