1. Panorama
  2. Ausland

Ever Given: Containerschiff wird Suez-Kanal noch tagelang blockieren

Stau auf wichtiger Wasserstraße : Containerschiff wird Suez-Kanal noch tagelang blockieren

Von drei Tagen bis zu mehreren Wochen: Die Experten sind sich alles andere als einig, wie lange der Suezkanal durch das festgefahrene Containerschiff „Ever Given“ blockiert sein könnte. Eine anhaltende Blockade könnte jede Woche sechs bis zehn Milliarden Dollar kosten.

Nach Angaben eines Vertreters der ägyptischen Regierung - entgegen vieler anderer Einschätzungen - dauert die Blockade höchstens noch drei Tage. Die Schifffahrt auf dem Kanal zwischen Rotem Meer und Mittelmeer werde "binnen 48 bis 72 Stunden höchstens wieder aufgenommen" werden, sagte der Berater von Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi für Seehäfen, Mohab Mamisch, am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur AFP. Als ehemaliger Chef der Behörde für den Suez-Kanal habe er bereits mehrere Bergungsaktionen miterlebt, führte Mamisch aus. "Ich kenne jeden Zentimeter des Kanals."

Den Bergungsteams zufolge könnte sich die Aktion allerdings noch Wochen hinziehen. Dies sei nicht auszuschließen, sagte der Chef der Firma Bos, Peter Berdowski, dem Sender "Nieuwsuur" am Donnerstag. Bug und Heck des 400 Meter langen Schiffes seien an den Seiten des Kanals hochgedrückt worden. Die "Ever Given" sei damit "wie ein riesiger gestrandeter Wal". Bis zum späten Nachmittag stauten sich mehr als 200 Schiffe auf beiden Seiten des Kanals, einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Die weltgrößte Container-Reederei Maersk prüfte nach eigenen Angaben, ob sie ihre Schiffe um die Südspitze Afrikas schicken sollte bei einer zusätzlichen Fahrdauer von bis zu sechs Tagen.

Berdowski zufolge lastete das enorme Gewicht des Schiffes auf dem Sand auf beiden Seiten des Kanals. "Möglicherweise müssen wir mit einer Kombination aus Gewichtsreduzierung arbeiten, indem wir Container, Öl und Wasser vom Schiff holen, Schlepper einsetzen und Sand ausbaggern", sagt er. Der japanische Eigner Shoei Kisen entschuldigte sich für den Vorfall und erklärte, die Arbeiten gestalteten sich "extrem schwierig". Es sei nicht klar, wann das Schiff wieder flottgemacht werden konnte. Eine mit dem Vorgang vertraute Person warnte vor weiteren Verzögerungen, sollte ein Teil der Ladung von Bord geholt werden müssen. Am Sonntag werde eine höhere Flut erwartet, die möglicherweise bei der Bergung helfen könne.

Durch den Kanal werden etwa 30 Prozent des weltweiten Containervolumens verschifft und etwa zwölf Prozent aller Waren. "Jeder Hafen in Westeuropa wird das merken", sagte ein Sprecher für den Hafen von Rotterdam, der größte in Europa. Besonders betroffen dürften Russland und Saudi-Arabien sein, die beiden Staaten, die am meisten Öl durch den Kanal schicken. Indien und China sind dagegen die größten Importeure, teilten Analysten von Vortexa mit. Auch die deutsche Wirtschaft dürfte der Stau teuer zu stehen kommen. "Das wird uns noch mindestens ein, zwei Monate auf Trab halten", sagte auch der Lieferketten-Experte Joachim Schaut vom Logistikdienstleister DB Schenker.

Europas größter Versicherer Allianz geht in einer Studie davon aus, dass eine anhaltende Blockade des Suez-Kanals jede Woche sechs bis zehn Milliarden Dollar kosten würde. Schon die Unterbrechungen der Lieferketten seit Anfang des Jahres durch Engpässe etwa bei Containern oder Halbleitern könnten das Wachstum im Handel deutlich bremsen, heißt es in der Studie, die Reuters am Freitag vorlag. Die aktuelle Blockade sei nun der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe. Die Lieferzeiten seien daher momentan länger als im Pandemie-Jahr 2020.

(felt/AFP/Reuters)