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Wie der Buchdruck die Welt veränderte

75 Jahre Rheinische Post : Am Anfang stand das gedruckte Wort

Die Erfindung des Buchdrucks vor fast 600 Jahren markiert die Geburtsstunde der modernen Wissensgesellschaft. Eine immer modernere Nachrichtentechnik beschäftigt sich seither mit den Chancen und Risiken des Fortschritts.

Es gibt Erfindungen, die die ganze Welt verändern. Eine davon ist das Rad, das vor etwa 5000 Jahren auf rätselhafte Weise an unterschiedlichen Orten auf dem Globus erstmals auftaucht und die Menschheit buchstäblich auf eine Straße des Erfolgs bringt. Eine neue Epoche von ähnlicher Dimension läutet vor knapp 600 Jahren ein Mann namens Johannes Gensfleisch ein, genannt Gutenberg.

Der Tüftler aus Mainz entwickelt den modernen Buchdruck mit beweglichen Metalllettern und die Druckerpresse. Es ist die Geburtsstunde der modernen Wissensgesellschaft. Die vielfältigen Kenntnisse über das Bild von der Erde, die Zusammenhänge des menschlichen Daseins, der Blick auf Vergangenheit und Zukunft, all das kann nun zig-tausendfach vervielfältigt Klostermauern und die in jener Zeit wenigen Privilegierten vorbehaltenen Universitäten verlassen und die Menschen in den Städten und Dörfern erreichen. Etwas entsteht, was bis dato relativ überschaubar war: Öffentlichkeit.

Auf dieser ersten großen medialen Plattform der Menschheitsgeschichte entspinnt sich seither ein ebenso munterer wie fruchtbarer gesellschaftlicher Diskurs über das, was als richtig oder falsch, gerecht oder benachteiligend, förderlich oder fatal angesehen wird, was Leser berührt oder sie zum Lachen bringt. Wo dies nicht geschieht, wo Zensur und Beschränkung der Meinungsfreiheit herrschen, fallen Gesellschaften zurück. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ideen sind stärker als das althergebrachte Verständnis von Macht. 

Der Buchdruck bahnt der Aufklärung ihren Weg, die folgenden Reformen und Revolutionen sind nicht selten segensreich, sie haben aber auch verheerende Seiten. Aber der Wissensdurst der Menschen ist enorm. Schon 1490, etwa 40 Jahre nach Gutenbergs Erfindung, gibt es 3,5 Millionen Druckerzeugnisse. Jetzt ist ihre Zahl unüberschaubar geworden.

  Eine moderne Druckstraße der Rheinischen Post.
Eine moderne Druckstraße der Rheinischen Post. Foto: Endermann, Andreas (end)

Es hat Jahrtausende gebracht, bis sich Räder so schnell drehen wie heute, Jahrhunderte, bis hochmoderne Druckereien so enorme Auflagen schaffen wie derzeit. Noch rasanter ist Druckreifes im Internet unterwegs. Allein an der 75-jährigen Geschichte der Rheinischen Post lässt sich die Dynamik des technologischen Fortschritts im Nachrichtenwesen ablesen, und die Entwicklung schreitet mit Riesenschritten voran.  Moderne Medienhäuser verfolgen vor allem ein Ziel: die Bedürfnisse Ihrer Leser noch besser kennenzulernen.

Die vergangenen drei Jahrzehnte gehören mit Sicherheit zu den dynamischsten der Menschheitsgeschichte. Politische Systeme sind zerfallen, das World Wide Web hat sich durchgesetzt, aber der enorme Verbrauch von Ressourcen hat seinen Preis. Der Klimawandel stellt eine bis dato unbekannte Herausforderung dar. Wie wird das Tempo in den kommenden 30 Jahren zulegen?

Wo immer Menschen mit schwierigen Aufgaben konfrontiert wurden, haben sie nach Lösungen gesucht. Das gilt auch für ihre selbstgemachten Probleme. Im Mahlstrom der Nachrichten gehen die guten leicht unter. Aber es gibt sie, es sind sogar viele, und sie machen Hoffnung.  In der Corona-Krise erlebt die Impftechnologie einen gewaltigen Schub – gibt es demnächst die Spritze gegen Krebs? Wir nehmen Abschied von der Verfeuerung fossiler Brennstoffe – ist Wasserstoff die neue Kohle? In der Wirtschaft hat sich mit zahlreichen Startups eine neue Gründerszene etabliert – gerade in Nordrhein-Westfalen. Universitäten machen Städte zu begehrten Standorten. Robotik verändert die Arbeit.

Das Rad, der Buchdruck, der Computer, das Internet – welche Erfindung wird die Welt wohl als Nächstes in ähnlicher Weise verändern? Wird es die Weiterentwicklung künstliche Intelligenz sein oder die Gentechnik, die unser Leben revolutioniert? Wie auch immer: Das werden die Nachrichten der Zukunft sein – egal ob sie gedruckt, auf dem Smartphone sichtbar oder vorgelesen werden.