Naturschutz in Wülfrath: Feuerwehr-Pieper sollen Wild retten

Wülfrath : Feuerwehr-Pieper sollen Wild retten

Um Tiere vor dem Mähtod zu bewahren, arbeiten die Wülfrather Jäger, Landwirte und die Feuerwehr Hand in Hand.

Bundesweit werden jedes Jahr mehrere hunderttausend Wildtiere bei der Frühjahrsmahd von Mähwerken erfasst, verstümmelt oder getötet. Um die Zahl in Wülfrath zu verringern, werden jetzt ausrangierte Warnmelder der Feuerwehr in der Landwirtschaft eingesetzt.

Nach dem neuen Naturschutzgesetz sind die Landwirte verpflichtet, auf ihren Feldern von Innen nach Außen zu mähen. Diese Fahrweise gibt Wildtieren die Chance, über noch nicht gemähte Flächen flüchten zu können. Zuvor suchen die Jäger die Wiesen mit Drohnen und Hunden nach Rehkitzen und anderen Wildtieren und Bodenbrütern ab. Zusätzlich sollen nun auch Pieper am Mähwerk die Tiere warnen.  „Die Landwirte passen zwar alle auf, aber dennoch gibt es immer wieder Fälle, dass ein Kitz angemäht wird“, erklärt Jens Platzhoff vom Hegering Wülfrath.

Die Wülfrather Jägerschaft und die Landwirte arbeiten bereits seit Jahren zusammen, um das Wild  während der Wiesenmahd zu schützen. Die Feuerwehr macht sich nun ihren Leitspruch „Retten-Löschen-Bergen-Schützen“ zunutze und unterstützt die Wülfrather Jägerschaft mit rund 30 Warnmeldern. „Vorher haben sie unser Leben gerettet, jetzt retten sie das Leben der Wildtiere“, sagt Christian Dohle, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Wülfrath. „All unsere Einsatzkräfte waren mit diesen Geräten unter Atemschutz ausgestattet. Doch einige der Pieper sind für unsere Arbeit mittlerweile technisch nicht mehr zugelassen und mussten ausrangiert werden.“ In den neuen Atemschutzgeräten der Feuerwehr sind die Warnmelder mittlerweile fest eingebaut.

Brandmeister Felix Rauch, der selbst auch in der Landwirtschaft aktiv sei, ist dann die Idee gekommen, die alten Geräte umzufunktionieren. „Die Pieper sollen nun bei der Wiesenmahd an Treckern eingesetzt werden und mit den lauten Warntönen das Wild aus den zu mähenden Wiesen vertreiben“, erklärt Platzhoff. Mit dieser Maßnahme erhoffen sich Jäger und Landwirte einen deutlichen Rückgang der ausgemähten und in der Regel verstümmelten Tiere.

Der Umbau der alten Geräte sei zwar mit ein bisschen Arbeit verbunden, denn jeder Pieper muss mit einem Kabel versehen werden, kann aber so direkt an den Trecker angeschlossen werden und ist nicht von einer Batterie abhängig. „Wenn ein Bauer den ganzen Tag draußen auf dem Feld unterwegs ist, kann es sein, dass die Batterie bereits am Mittag platt ist“, sagt Hegerings-Obmann Jens Platzhoff. Ein ständiger Wechsel der Batterie koste den Landwirt in seinem berufsalltag jedoch unnötige Zeit. Wenn also der Pieper einmal am Trecker angeschlossen ist, müssen sich die Landwirte nicht weiter kümmern. „Jeder, der möchte bekommt so einen Pieper“, heißt es.

Wenn Wildtiere beispielsweise beim Mähen verletzt werden, ist die Feuerwehr übrigens nicht im Einsatz.  „Wir sind eigentlich nur bei den Folgeschäden im Straßenverkehr involviert, zum Beispiel, wenn ein Auto von der Straße abkommt“, erklärt Dohle.

Der Zusammenstoß mit Wild im Straßenverkehr ist übrigens meldepflichtig.

(isf)
Mehr von RP ONLINE