Kreis Mettmann: Wie die Polizei gegen Clan-Kriminalität vorgeht.

Clan-Kriminalität : „Wir wollen die Täter vor Gericht bringen“

Hans-Joachim Spröde leitet die kriminalistische Arbeit der Kreispolizeibehörde und spricht über den Kampf gegen Clan-Kriminalität.

Sie haben vor Ihrem Job als Kripochef bei der Kreispolizeibehörde Mettmann ein Dezernat im Bereich „Organisierte Kriminalität“ beim Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf geleitet. Was kommt Ihnen bei dem Statement in den Sinn, das Landrat Thomas Hendele kürzlich im RP-Interview machte: „Alle hundert in NRW verorteten Clans sind auch im Kreis Mettmann zu finden.“

SPRÖDE Schon als ich noch Dezernatsleiter in Düsseldorf war, haben wir auf das Problem hingewiesen. Wir kennen die Mitglieder arabischer Clans seit langem – man könnte auch sagen, sie sind in unserem Schatten aufgewachsen. Aus kleinen Drogendealern sind Leute geworden, die ihr Geld längst auf andere Weise im kriminellen Milieu verdienen und auch vor schweren Straftaten nicht zurückschrecken.

Da hätte man doch...

SPRÖDE...früher eingreifen müssen. Ja, das sieht man mittlerweile auch beim Innenministerium so. In den vergangenen Jahren hat man dort mehr auf die Rocker geschaut, die kriminellen Clans waren in den Hintergrund gerückt.

Und was die hier derweilen so getrieben haben, blieb im Verborgenen?

SPRÖDE Vorsicht, vor Pauschalisierungen sollte man sich hüten – nicht alle Clanmitglieder werden kriminell. Von einigen wissen wir definitiv, dass es so ist. Aber bis in das Innerste der Familienstrukturen sind wir bislang nicht vorgedrungen. Noch wissen wir oft nicht, ob wir uns als Polizei sofort kümmern müssen, nur weil jemand mit dem entsprechenden Familiennamen ins Visier gerät.

Und das soll demnächst anders werden? Clans schotten sich bekanntlich ab und leben in Parallelwelten...

SPRÖDE Sicher nicht von heute auf morgen – aber ja, das wird sich ändern. Wir sammeln schon seit längerem alle Informationen und hier im Haus arbeiten Leute, die das alles auswerten. Wir sind in engem Kontakt mit den umliegenden Polizeipräsidien, mit den Finanzbehörden und mit dem Zoll. Irgendwann lassen sich die Puzzleteile zusammensetzen...

... und das stößt dann irgendjemand an die Clans durch?

SPRÖDE Es hat Fälle gegeben, in denen Informationen von einer Justizangestellten oder auch von der in einer Polizeibehörde beschäftigten Mutter eines Clanmitglieds weitergegeben wurden. Man kann nie ausschließen, dass so etwas passiert.

Was ist Ihre Strategie, um dennoch erfolgreich ermitteln zu können?

SPRÖDE Ganz einfach, wir machen dicht. Die Ermittlungen zur „Organisierten Kriminalität“ laufen innerhalb von Sicherheitsnetzwerken ab, und wir arbeiten ausschließlich mit Vertrauenspersonen zusammen, die sich auch schon mal gründlich „durchleuchten“ lassen müssen.

Und dann haben Zeugen nichts gesehen oder sie können sich plötzlich nicht mehr erinnern?

SPRÖDE In solchen Fällen gehen wir gleich zu richterlichen Vernehmungen über. Was dort gesagt wurde, kann später der Vernehmungsrichter bezeugen. Moderne Polizeiarbeit beginnt mit ihren Ermittlungen ohnehin schon im Vorfeld von Straftaten.

Es gab da kürzlich diesen Satz des Islamwissenschaftlers Mathias Rohe, der die Landesregierung beim Kampf gegen kriminelle Clans unterstützt: „Man findet dort häufig ein überbordendes Selbstbewusstsein, ein schlichtes Gemüt und eine kurze Zündschnur.“ Gerade letztere bekommen Polizeibeamten doch des öfteren zu spüren...

SPRÖDE Ja, es gab bereits Bedrohungen von Polizeibeamten. Da wird schon mal gesagt, dass man wisse, wo die kleine Tochter in den Kindergarten gehe. Und es gab Gerichtsprozesse, in denen Ermittler im Zeugenstand massiv angegriffen und verunsichert wurden. Wir schulen unsere Leute, damit sie mit solchen Situationen umgehen können.

Und wie erklären Sie denen später, dass Schläge gegen den Kopf einer Polizistin, die sich am Hochdahler Markt zwischen verfeindete Clans gestellt hatte, mit zwei Freisprüchen und einer Bewährungsstrafe abgeurteilt werden?

SPRÖDE Wir waren nicht glücklich mit diesem Urteil und natürlich gab es Erklärungsbedarf bei den Kollegen. Die Justiz ist offenbar nicht immer genau im Bilde darüber, womit wir es hier zu tun haben.

Das milde Urteil dürften die Angeklagten auch ihren Verteidigern zu verdanken haben. Da scheint es Anwälte zu geben, deren Mandanten vorzugsweise aus dieser Klientel stammen. Vor zuweilen hohen Anwaltskosten scheint man dort jedenfalls nicht zurückzuschrecken...

SPRÖDE Es gibt tatsächlich Anwälte, die jede Lücke dazu nutzen, um ihren Mandanten „rauszuhauen“. Für uns sind das die sogenannten Konfliktverteidiger, die bewusst die Konfrontation suchen und die vor Gericht auch schon mal die polizeiliche Ermittlungsarbeit in Misskredit bringen. Manchmal ist der Straftäter noch nicht mal in Gewahrsam genommen, da klingelt schon sein Anwalt hier bei uns an der Türe. Als Ermittlungsbeamten treibt einen allerdings nur eines an: Wir wollen die Täter vor Gericht bringen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE